Im Film „Es war einmal in Niendorf“ berichtete Dieter von Specht vom früheren Leben im Stadtteil Foto: Dörthe Hagenguth/Archiv Forum Kollau

Abschied von Dieter von Specht

Dem Stadtteil, seiner Geschichte, den Menschen und dem Gehege stets mit ganzem Herzen tief verbunden

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Wenn man Dieter von Specht von seinen Kindertagen im Landhaus seines Großvaters Cornelius von Berenberg-Gossler erzählen hörte, verstand man seine lebenslange Verbundenheit zu Niendorf, das er liebevoll als idyllisches Dorf der Vorkriegszeit beschreibt.

1925 geboren, wurde von Specht noch gegen Kriegsende eingezogen, welches er mit viel Glück erleben konnte. „Im Niendorfer Gehege campierten die englischen Besatzer und verhinderten glücklicherweise in den eisigen Wintern 1946/47 die Abholzung“, sagte er – nicht ganz ohne Genugtuung.
Dieter von Specht folgte als Verwaltungsrat der Bankiers–tradition der Familie in der Berenberg-Bank, ging später in die Werbung. Bei der BAT (British American Tobacco) wirkte er 37 Jahre, davon die letzten 10 Jahre als Vorstandsvorsitzender. Aber bei allen internationalen Verpflichtungen und Reiselust in ferne Länder blieb Niendorf seine Heimat, in der er mit seiner wachsenden Familie seit 1959 lebte.
Hier engagierte er sich auch ganz in den Traditionen der Berenberg- Gosslers stehend: Die ehemalige „Warteschule“ im Niendorfer Kirchenweg, die sein Urgroßvater John 1913 gestiftete hatte und die bis 1995 als Kita diente, war vom Abriss bedroht. Von Specht unterstützte die Idee des damaligen Ortsamtsleiters Hartmut Leschner und vieler Niendorfer zur Schaffung eines Bürgerhauses für Niendorf, setzte sich dazu mit Bürgermeister Voscherau in Verbindung, spendete nicht unerhebliche Summen. Er schätzte das Programm des Hauses und nahm lange an den Veranstaltungen teil.
Wichtig war ihm, dass das Niendorfer Gehege, das seit Mitte der 1960er-Jahre zu einem großen Teil aus dem Park seiner Kindheit entstanden war, seinen Charakter nicht verlor. Er hielt nichts von hier überdimensionierten Bauprojekten, aber viel von Landschaftspflege. So trat er sogleich unterstützend in den 2011 gegründeten Verein Pro Niendorfer Gehege ein.
Ebenso war er Gründungsmitglied bei dem ebenfalls 2011 ins Leben gerufenen Geschichtsverein Forum Kollau und wirkte 2014 zusammen mit sieben weiteren Niendorfern beim Zeitzeugenfilm „Es war einmal in Niendorf“ mit. Es hat ihn gefreut, als beide Vereine zusammen mit der Försterei einen Gedenkplatz am ehemaligen Standort des Landhauses errichteten: Sein mutiger Großvater ließ es 1934 abreißen, als Nazi-Organisationen ein Auge darauf geworfen hatten.
Am 2. Mai ist Dieter von Specht im Alter von 93 Jahren gestorben. Seine liebenswürdig-zurückhaltende Persönlichkeit, die ohne großes Aufsehen viel für Niendorf getan hat, wird vermisst werden. Die Trauerfeier fand am Montag in der Kirche am Niendorfer Markt statt, beigesetzt wurde er auf dem Alten Niendorfer Friedhof. as/is

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