Kämpfen für den Schulplatz ihrer Kinder: Empörte Eltern vor der Grundschule Rönnkamp Foto: kh

Kämpfen für den Schulplatz ihrer Kinder: Empörte Eltern vor der Grundschule Rönnkamp Foto: kh

Kurze Beine, kurze Wege?

28 Erstklässler von der Grundschule Rönnkamp abgelehnt – Unverständnis bei den Eltern

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Das Spiel ist jedes Jahr im April das gleiche. Zwischen Hoffen und Bangen warten viele Hamburger Eltern ungeduldig auf einen Brief der Schule: Erhält mein Kind den Platz an der gewünschten Grundschule, oder vielleicht doch nicht? Für 28 Familien im Märchenviertel kam in diesem Jahr die Ernüchterung: Die zuständige und gewünschte Grundschule Rönnkamp lehnte die Kinder ab – so viele wie nie. Die Eltern beschweren sich über das „ungerechte“ Schulgesetz.

 

„Meine Tochter Anna soll in der Grundschule Frohmestraße eingeschult werden, ohne dass wir das als Wunsch angegeben haben. Auf dem Weg kommen wir an zwei anderen Grundschulen vorbei“, zeigt sich Kerstin Benkel enttäuscht und verweist auf das Hamburger Schulmotto „Kurze Beine, kurze Wege“: „Wir wohnen am letzten Zipfel des Märchenviertels und haben jetzt einen Weg von 2,5 Kilometern. Demnach sind wir auf ein Auto oder den Bus angewiesen, was zusätzlich noch Kosten verursacht.“ Ähnlich geht es Nina Schrader, Mutter der sechsjährigen Paulina: „Als unfair empfinde ich es zudem, dass Kinder, die deutlich näher an der nächsten und auch zuständigen Schule Anna-Susanna-Stieg wohnen, im Rönnkamp eingeschult werden.“

Jeden Tag an zwei Grundschulen vorbei führt der zukünftige Schulweg der Kinder am Ende des Märchenviertels bis zur Frohmestraße Foto: geoportal-hamburg.de

Das große Problem: Die Grundschule Rönnkamp bietet Platz für maximal 46 Kinder pro Jahrgang. Im vergangenen Jahr klappte das bei 44 Anmeldungen problemlos. Nicht so im kommenden Schuljahr: Aufgrund von Härtefall- und Geschwisterkindregelungen sowie von vielen kurzen Schulweglängen waren die begehrten Plätze schnell vergeben. So haben nun viele Kinder bei ihrer offiziell zuständigen Schule, die meist in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen ist, das Nachsehen. 19 der abgelehnten Kinder wurden der Grundschule Anna-Susanna- Stieg zugewiesen, acht sollen zur Frohmestraße und ein Kind sogar zur Schule am Röthmoorweg. „Mit Ausnahme von vier Kindern können wir aber alle am Rönnkamp abgewiesenen Schüler an ihrer Zweit- oder Drittwunschschule aufnehmen“, erläutert Peter Albrecht, Pressesprecher der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB). Als „Wunsch“-Angabe sehen dies die Eltern jedoch nicht: „Bei der Schulanmeldung wurden wir dazu gedrängt, einen Zweit- und Drittwunsch angeben zu müssen“, so Sabrina Weiß, Mutter von Jan, der an der Grundschule Rönnkamp, genauso wie ein Großteil der abgelehnten Kinder, derzeit die Vorschule besucht. „Die Lütten haben sich gerade gut eingewöhnt und nun müssen sie sich direkt wieder umstellen“, äußert Christoph Biermann als betroffener Vater seinen Unmut. Albrecht reagiert: „Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Übergang in eine erste Klasse. Hier besteht Chancengleichheit zwischen den Kindern der Vorschule und denen, die eine Kita besuchen.“

Verärgerung entsteht dennoch darüber, dass im vergangenen Jahr erstmalig eine zweite Vorschulklasse eingerichtet wurde. „Es ist kurzfristiger Platz für Vorschüler geschaffen worden, ohne dabei zu berücksichtigen, wie es mit der ersten Klasse weitergeht“, zeigt sich auch Conny Gutierrez verwundert.

Die „Notlösung“, eine zusätzliche erste Klasse am Rönnkamp einzurichten, sieht Albrecht nicht: „Diese Option wurde bereits geprüft, es gibt jedoch absolut keine Raumreserven.“ Nach Angabe der Eltern wird es aber erneut eine zweite Vorschulklasse geben. „Dann beginnt das Schuldrama im nächsten Jahr von vorn“, sind sie sich sicher. Die meisten werden gegen ihren Schulbescheid Widerspruch einlegen. Ob dieser Protest Erfolg verspricht, bleibt abzuwarten. kh

 

Das ist Gesetz:

Hamburger Schulgesetz §42 Abs. 7 „[…] Übersteigt die Zahl der Anmeldungen für eine Schule deren Aufnahmefähigkeit, werden Schülerinnen und Schüler in anderen Schulen aufgenommen. Maßgeblich sind die geäußerten Wünsche und die Ermöglichung altersangemessener Schulwege sowie die gemeinsame schulische Betreuung von Geschwistern. […]“

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