Stefanie Schorning (41), Schnelsen

Stefanie Schorning (41), Schnelsen

Müssen Hunde an die Leine?

Das sagen die Passanten im Niendorfer Gehege

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„Ein todernstes Spiel“: Der Artikel im Niendorfer Wochenblatt über das von nicht angeleinten Hunden gerissene Reh im Niendorfer Gehege sorgt für große Resonanz und verzeichnet bei Facebook auffallend viele Klicks.

 

Das Thema beschäftigt und löst unter anderem die Diskussion aus, ob es eigentlich ausreichend Möglichkeiten für freien Auslauf im Stadtteil gibt. Wochenblatt Redakteurin Katrin Hainke hat Besucherinnen und Besucher im Niendorfer Gehege gefragt: Wie stehen Sie zur Anleinpflicht für Hunde? Gibt es genug Freilaufflächen?

 

 

Stefanie Schorning (41), Schnelsen: Die Hundefreilaufwiese im Niendorfer Gehege ist eine der wenigen Flächen im Stadtteil, auf der sich die Tiere austoben können. Aber selbst hier führe ich meine zwei Hunde an der Leine, da ich sie auch vor anderen Hunden unter Kontrolle halten muss. Es ist übrigens nicht gewährleistet, dass Rehe nicht auch hierhin kommen.

 

 

Christine Meier (69), Lokstedt: Ich bin im Niendorfer Gehege selbst schon einmal von einem Hund in die Hacke gebissen worden und habe eine Hetzjagd miterlebt. Trotz der Schilder halten sich viele Leute nicht an die Anleinpflicht. Verstärkte Kontrollen erachte ich daher als sinnvoll, genauso wie gerechte Strafen für diejenigen, die die Regeln nicht befolgen.

 

Oliver Cramm (46), Niendorf: Nicht angeleinte Hunde können nicht nur eine Gefährdung für Wildtiere sein, sondern auch für kleinere Hunde. Ich fahre regelmäßig mit dem Fahrrad auf den Wegen rund um die Freilauffläche, da die Hunde hier nicht angeleint werden müssen. Ich denke, dass ein Jagdinstinkt in jedem noch so friedlichen Hund vorhanden ist, deshalb ist das Anleinen wichtig.

 

 

Andrea Betche (54), Schnelsen: Auch Hunde müssen das Recht haben, sich frei bewegen zu können. Dafür gibt es hier aber zu wenig Flächen. Leider sind auf der Hundefreilaufwiese im Niendorfer Gehege häufig Kita-Gruppen, so dass ich selbst hier besonders aufpassen muss. Mit gegenseitiger Rücksichtnahme könnte das bestimmt besser funktionieren.

 

 

 

Carolin Gorra (38) & Fabrizio Viano (49), Niendorf: Es gibt das Gesetz und daran halten wir uns auch. Verletzt ein nicht angeleinter Hund andere Tiere oder gar Menschen, wird die Hundehaftpflicht den Schaden nicht ersetzen, das sollten Hundehalter berücksichtigen. Außerdem kann ein Wildtier, das von einem Hund gerissen wird, auch Krankheiten auf das eigene Tier übertragen.  Text/Fotos: kh

 

 

Mehr Freilaufflächen nötig?

 

Die Zahl der Hunde in Hamburg wächst stetig. 2017 wurden immerhin knapp 80 000 registrierte Hunde gezählt, während es 2012 noch etwa 60 000 waren. Im Bezirk Eimsbüttel stieg die Zahl von 7512 (2012) auf 9977 im vergangenen Jahr.

 

Dass der Hund als Haustier immer beliebter wird, hängt auch mit seiner sozialen Stellung zusammen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert hat. „Hunde sind Familienmitglieder, Alltagsbegleiter, Sportpartner und vielfach auch Therapeuten und Fenster zur Außenwelt für viele“, schreibt Leserin Alexandra Braemer dem Niendorfer Wochenblatt: „Da wäre es doch schön, wenn sie sich in unserer Stadt wohlfühlen und ihren Bedürfnissen Rechnung getragen wird.“

Ausnahmen von der Anleinpflicht gibt es auch in Niendorf. Schilder weisen explizit darauf hin Foto: kh

Ausnahmen von der Anleinpflicht gibt es auch in Niendorf. Schilder weisen explizit darauf hin Foto: kh

Verteilt über das gesamte Stadtgebiet bietet Hamburg über 100 Hundeauslaufzonen, in Niendorf gibt es vier. Die größte Freilauffläche befindet sich in der Parkanlage am Rahweg, weitere sind im Niendorfer Gehege sowie an der Reinhold-Meyer- Straße und am Alwin-Lippert- Weg. „Die Hundeauslaufzonen müssen vom Bezirksamt so eingerichtet werden, dass für die Hundehalterinnen und -halter eine Erreichbarkeit im Umkreis von etwa zwei Kilometern möglich ist“, so Kay Becker, Pressesprecher vom Bezirksamt Eimsbüttel. Die Ausweisung von weiteren Flächen ist derzeit nicht geplant.

In öffentlichen Park- und Grünanlagen gilt ansonsten die Anleinpflicht, auch für Hunde mit Leinenbefreiung. „Wer einen Hundeführerschein gemacht hat, der sollte hier seinen Hund ohne Leine laufen lassen dürfen, wie das beispielsweise im Bezirk Wandsbek schon lange der Fall ist“, meint Jule Thumser vom Hamburger Verein Hundelobby. „Für gehorsamsgeprüfte Hunde gibt es aber auch in Niendorf einige Ausnahmen auf Wegen, Pfaden und Rasenflächen in öffentlichen Grünanlagen“, betont Becker „Diese sollen als Ergänzung neben Straßen, Wegen und Verkehrsflächen, die für diese Hunde automatisch freigegeben sind, zur Verfügung stehen.“ In Niendorf ist das unter anderem auf den Grünflächen zwischen Nordalbinger Weg und Ernst-Mittelbach-Ring oder im Bereich Wendlohstraße/ Hadermannsweg der Fall. Jule Thumser meint dazu: „Freier Auslauf für Hunde mit Leinenbefreiung könnte mit gegenseitiger Rücksichtnahme ganz einfach und fast überall funktionieren.“  kh

 

Das sagt das Gesetz

Was bedeutet allgemeine Anleinpflicht?

Die Anleinpflicht gilt in ganz Hamburg. Sie besagt, dass der Hund außerhalb der eigenen Wohnung beziehungsweise des eigenen, eingezäunten Grundstückes sowie außerhalb der Hundeauslaufzonen an der Leine geführt werden muss.

Was ist eine Leinenbefreiung?

Eine Befreiung von der allgemeinen Anleinpflicht erhält, wer mit seinem Hund eine Gehorsamsprüfung gemäß §4 Hundegesetz abgelegt hat und nachweisen kann, dass er das Tier im Alltag unter Kontrolle hat und so führen kann, dass von ihm keine Gefahren oder erheblichen Belästigungen für andere ausgehen.

Welche Regelungen gelten für Grün- und Erholungsflächen?

Hier gilt für alle, auch für gehorsamsgeprüfte Hunde: Sie dürfen nicht auf Spielplätze, Rasenflächen, Wiesenflächen oder in Blumengärten. Der Hund muss auf den Wegen zudem an der kurzen Leine geführt werden – es sei denn, es gelten in der jeweiligen Grünanlage besondere Ausnahmen für Hunde mit Leinenbefreiung. kh

 

Infos: www.hamburg.de/hundegesetz/hundeaus laufzonen

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