Der Funkturm der Telekom steht nur 11,7 Meter vom Grundstück der Hamburger Familie Kesler entfernt Foto: ngo

Der Funkturm der Telekom steht nur 11,7 Meter vom Grundstück der Hamburger Familie Kesler entfernt Foto: ngo

Jetzt mit Anwalt

Schnelsener legen beim Kampf gegen den Funkturm härtere Gangart ein

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Der Kampf der Anwohner gegen den Funkmast der Telekom im Bönningstedter Weg geht in eine neue Runde. Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Funkturm Landesgrenze Schnelsen schalten Rechtsanwälte ein.

 

Im März hat sich BI-Sprecher Ralph Kesler für den Rechtsweg entschieden. Er wohnt mit seiner Familie nur wenige Meter vom Funkmast entfernt. „Mein Anwalt hat bei der zuständigen Behörde im Kreis Pinneberg eine Widerspruchsbegründung eingereicht,“ bestätigt der Familienvater auf Wochenblatt-Nachfrage. Ein Nachbar lässt seine rechtlichen Möglichkeiten, sich gegen den Standort und die Strahlung zu wehren, derzeit rechtlich prüfen. Wie berichtet, wurde direkt an der Landesgrenze und sehr dicht an mehreren Häusern im Märchenviertel ein Funkmast errichtet. Die Schnelsener wurden vorab nicht darüber informiert.

„Da uns trotz mehrfacher Nachfrage keine klärenden Aussagen von den Verwaltungen aus Pinneberg und Bönnigstedt vorliegen, begrüße ich die Entscheidung, nun juristische Schritte einzuleiten,“ sagt Heinrich Flügge, Sprecher von der Allianz Schnelsen Nord (ASN), die den Kampf der BI aktiv unterstützt. „Wie ich zwischenzeitlich erfahren habe, gibt es auch Anfragen von Eimsbütteler Bürgerschaftsabgeordneten zum Standort des Funkturmes beim Hamburger Senat sowie beim Bezirksamt Eimsbüttel,“ so Flügge weiter.

Mittlerweile bewegt der Funkturm auch die Politik in Bönningstedt. So kritisieren die Grünen die Art und Weise, wie das zwingend erforderliche „gemeindliche Einvernehmen“ für diese Baugenehmigung zustande gekommen ist. So hat der Bönningstedter Bürgermeister Peter Liske Ende März in einer Einwohnerfragestunde auf Nachfrage zugegeben, dass das „gemeindliche Einvernehmen“ durch Verfristung entstanden ist.

Bei dieser Verfahrensweise äußert sich die zuständige Gemeinde nicht zu einer Anfrage innerhalb einer bestimmten Zeit. Nach Ablauf der Frist gilt das „gemeindliche Einvernehmen“ dann als erteilt, so Resy de Ruijsscher von den Grünen Bönningstedt (siehe  nebenstehendes Interview).

Inzwischen hat auch Thomas Fannasch, Kommunalbeauftragter der Telekom, den Bürgern zugesagt, dass es vor und nach Inbetriebnahme des Funkturms Messungen im Wohngebiet geben soll. Die Bauherrin Telekom hat angeboten, dass im Radius von etwa 900 Metern rund um den Funkturm an zehn Standorten die Strahlung gemessen werden soll. Ob zehn Standorte für eine objektive Messung im betroffenen Wohngebiet ausreichen, hält Anwohner Flügge für fraglich.

Große Verwunderung herrscht bei der BI über die Aussagen des Telekom-Vertreters Fannasch zu den Baukosten des Funkturmes. Im Februar hatte er bei einem BI-Treffen mit Anwohnern und Bürgern gesagt, dass sich die Baukosten in einem mittleren sechsstelligen Bereich bewegen. „Die gesamten Rohbaukosten betragen laut Bauakte aber nur 64 000 Euro plus Mehrwertsteuer,“ sagt ASN-Sprecher Flügge. „Der Rückbau würde laut Bauakte sogar nur 19 350 Euro plus Mehrwertsteuer betragen.“ Zudem geht laut Flügge aus der Bauakte hervor, dass sich in einem Sicherheitsradius von 30 Metern rund um den Funkturm weder ein Kindergarten noch eine Schule befinden darf. Allerdings liegt das Wohnhaus der Familie Kesler mit ihrem Baby nur 11,70 Meter vom Sendemast entfernt. ngo

Funkturm Landesgrenze Schnelsen, E-Mail: funkturm- landesgrenze@web.de, weitere Infos: www.asn-news.de

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