Polizei Andre Jägde (li.), Leiter vom Polizeikommissariat 24 und Achim Dorn, Leiter vom Landeskriminalamt 13

Weniger Straftaten in den Stadtteilen

Die Anzahl der Straftaten in Niendorf, Lokstedt und Schnelsen ist weiter rückläufig - aber Telefon- und Trickbetrug nehmen weiter stark zu

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Die Hamburger Kriminalitätsstatistik hat für 2017 weniger Straftaten erfasst. Besonders in den Bereichen Einbruch, Taschen- und Fahrraddiebstahl sind die Zahlen in Eimsbüttel rückläufig.

 

Die Kriminalität ist weiter gesunken. Von den 225 947 erfassten Straftaten in Hamburg wurden 19 860 Fälle in Eimsbüttel gezählt – im Vergleich zu 2016 ein Rückgang von 7,5 Prozent. Damit weist Eimsbüttel die drittniedrigste Fallzahl aller Bezirke auf.

So sank in Niendorf die Zahl um 5,6 Prozent auf 2819 erfasste Fälle. In Lokstedt gingen die Delikte um 8,4 Prozent auf 1583 zurück und in Schnelsen sank die Zahl auf 1848 (-3,8 Prozent).

„Damit ist in diesen drei Stadtteilen die Zahl der Straftaten erfreulich stark gesunken,“ sagt Achim Dorn, Leiter vom Landeskriminalamt (LKA) 13, das für den Bezirk Eimsbüttel zuständig ist.

Wohnungseinbruch Die Zahlen der Einbrüche in Niendorf, Schnelsen und Lokstedt sind 2017 gesunken Fotos: ngo

Wohnungseinbrüche

Besonders die Haus- und Wohnungseinbrüche gingen in Eimsbüttel um ein Drittel zurück. In Niendorf sank die Zahl im Vorjahresvergleich von 200 auf 146, in Lokstedt von 166 auf 108 und in Schnelsen von 142 auf 91 erfasste Fälle. Der Anteil der versuchten Einbrüche beträgt dabei über 40 Prozent, so Dorn. Diese positive Entwicklung führen Dorn und Andre Jägde, Leiter vom Polizeikommissariat 24 (Niendorf und Schnelsen) auf die Erfolge durch die Soko „Castle“ zurück. Zudem scheitern Einbrecher immer häufiger an gut gesicherten Türen und Fenstern.

Die Bürger sollen bei jedem Verdachtsmoment sofort die 110 wählen. „Die Chance auf Aufklärung steigt, wenn Zeugen verdächtige Personen auf dem Nachbargrundstück oder im Treppenhaus sofort melden und wir nicht erst vom Einbruchsopfer gerufen werden,“ sagt Dorn.

Auch im Bereich Taschendiebstahl sind die Zahlen rückläufig. In Niendorf gab es 178 Fälle – ein Rückgang von 15,2 Prozent im Vergleich zu 2016. In Lokstedt sank die Zahl von 41 auf 28 (-31,7 Prozent) und in Schnelsen liegt die Zahl der erfassten Taschendiebstähle bei 34 (-12,8 Prozent). Dorn führt die „Spitzenwerte“ auch auf die Schwerpunkteinsätze in der City zurück, die sich auf ganz Hamburg auswirken: „Es handelt sich auch um hochspezialisierte und eingereiste Täter, für die Hamburg als Arbeitsumfeld immer unattraktiver wird.“ Allerdings: In Schnelsen und Lokstedt lag die Aufklärungsquote bei 0 Prozent. „Im Vergleich zu den 16 727 Fällen in ganz Hamburg stellen die Zahlen in diesen drei Stadtteilen kein akutes Problem dar,“ so Dorn.

Fahrraddiebstahl

Insgesamt positiv hat sich die Zahl der Fahrraddiebstähle entwickelt. In Lokstedt wurden mit 156 Fällen 35 Prozent weniger Fahrräder gestohlen. In Schnelsen waren es 119 erfasste Delikte (-24,7 Prozent). Einen Ausreißer stellt Niendorf mit einer Steigerung von 260 auf 293 (+12,7 Prozent) dar. Eine mögliche Erklärung könnte laut Andre Jägde,  die Tatsache sein, dass sich in Niendorf mit den vielen U-Bahnstationen, dem ZOB Niendorf-Markt und dem Tibarg mehr Tatgelegenheiten bieten als in Schnelsen mit zwei AKN-Bahnhöfen. „Auch hier schützt eine gute Sicherung gegen Diebstahl und eine Codierung macht das Fahrrad für den Täter unattraktiv,“ rät Jägde. Wie wichtig die Codierung ist, zeigt sich bei den 1500 Fahrrädern, die im April 2017 von der LKA-Sondereinheit „Arbeitsrate Fahrrad“ sichergestellt wurden. „Viele der uncodierten Fahrräder können keiner Tat und damit nicht dem rechtmäßigen Besitzer zugeordnet werden,“ sagt Dorn.

Falsche Polizisten

Stark angestiegen hingegen ist der Bereich Betrug. Dazu gehören auch der Enkeltrick und die „falschen Polizisten“ am Telefon oder vor der Haustür. So lag 2017 die Zahl der angezeigten Anrufe „falscher Polizisten“ in Hamburg bei 2108. Davon konnten 23 vollendet werden. Die Zahl der erfassten Betrugsanrufe lag 2016 bei nur 615. „Besonders ältere Menschen in wohlsituierteren Stadtteilen werden gezielt als Opfer ausgewählt,“ sagt Heiko Dietrich, Sachgebietsleiter Trickdiebstahl und Trickbetrug bei älteren Menschen in der Wohnung vom LKA 433. Die Trickbetrüger machen sogenannte „Spoofing“-Anrufe mit vorgetäuschten Nummern. „Im Display erscheint die Notrufnummer 110 oder die Nummer der nächsten Polizeidienststelle,“ erklärt Dietrich. Der falsche Polizist informiert sein Betrugsopfer über einen angeblichen Diebstahl in der Nähe und bietet an, Geld und andere Wertgegenstände der Senioren scheinbar in Sicherheit bringen zu wollen. Oder die Rentner sollen verdeckt den Ermittlern helfen und das nicht ihrem Umfeld verraten. „Aber die echte Polizei ruft nie mit der 110-Nummer an,“ warnt Dietrich. Die Polizei fragt nie am Telefon nach Bankdaten oder verlangt die Übergabe von Geld und Schmuck und verlangt von Bürgern verdeckte Ermittlungen. Eine weitere Masche sind falsche Kripobeamte, häufig mit täuschend echten Ausweisen vor der Haustür. „Im Zweifelsfall sofort die Tür schließen und die 110 anrufen,“ rät Dietrich. Die Einsatzzentrale klärt, ob es echte Polzisten sind.

Körperverletzung

Einen Anstieg gab es im Bereich gefährliche und schwere Körperverletzung. So wurden in Niendorf 46 Fälle erfasst (+12,2 Prozent) und in Schnelsen 62 (+21,6 Prozent), allerdings lag die Aufklärungsquote bei mehr als 90 Prozent. „Hierzu gehören auch die Taten, die sich im familiären Bereich hinter verschlossenen Türen abspielen. Bei diesen Taten kann die Polizei in der Regel nicht vorab eingreifen, sondern nur reagieren kann,“ so Dorn. In Lokstedt hingegen sank die Zahl von 28 auf 20, ein Trend, der in ganz Hamburg festzustellen ist.

Rauschgiftdelikte

Mit 596 Fällen ist die Zahl der Rauschgiftdelikte in Eimsbüttel nahezu konstant (2016: 602). In den zwei Straftatbereichen Konsum und Handel sind die Zahlen für Lokstedt und Schnelsen leicht rückläufig. In Niendorf stieg die Zahl von 56 auf 79 erfasste Fälle. „Im Vergleich zu St. Pauli oder St. Georg in Hamburg-Mitte mit 5717 erfassten Fällen sind wir in Niendorf sehr, sehr weit von einem Drogenschwerpunkt entfernt,“ sagt Polizeisprecher Ulf Wundreck.

Geringes Risiko

Trotz zunehmender Bevölkerung, Zuwanderer, Touristen, dem G20-Gipfel und des Messerattentats in Barmbek ist die Zahl Straftaten weiter gesunken. Das Risiko Opfer einer Straftat zu werden sei so gering wie zuletzt 1980, so Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. ngo

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