Anwohner Helmut Karl, Elke Bernhardt, Doris und Wilfried Küchler (v. li.) fordern koordinierte Maßnahmen für die Gräben rund um den Perckentinweg Foto: ngo

Zu viel Wasser im Perckentinweg

Anwohner fordern Konzepte von der Stadt mit Blick auf Klimawandel und Nachverdichtung

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Seit dem Sturmtief „Xavier“ im Oktober 2017 haben Anwohner in  Niendorf und Schnelsen regelmäßig mit überfluteten Grundstücken und Kellern zu kämpfen (das Wochenblatt berichtete). Der Ruf nach koordinierten Entwässerungsmaßnahmen wird immer lauter.

 

Auch der Perckentinweg in Niendorf ist betroffen. Dort klagen die Bewohner über verstopfte Gräben und einen erhöhten Grundwasserspiegel. Familie Küchler musste nach Sturmtief „Xavier“ ihren frisch renovierten Wohnkeller trockenlegen. „Wir wohnen hier seit 26 Jahren, aber so etwas haben wir bisher nicht erlebt,“ sagt Doris Küchler. Ein Bautrockner war zwei Wochen im Dauereinsatz. „Dabei haben wir unser Haus 1992 extra erhöht gebaut und eine Ringdrainage mit Doppelpumpe verlegen lassen,“ sagt Wilfried Küchler. Auch bei Elke Bernhardt und Helmut Karl, die seit 1993 im Sackgassenbereich wohnen, stehen Wasserstaubsauger griffbereit. „Vor gut zwei Jahren wurde der Keller aufwendig isoliert,“ sagt Elke Bernhardt, „doch seit Ende 2017 steht bei Starkregen der Keller unter Wasser.“ Ihr Grundstück liegt zwischen Vielohgraben und dem Graben im Perckentinweg. „Besonders der Vielohgraben, der an unsere Gärten grenzt, läuft bei Regen über,“ so Karl. Häufig kann das Wasser nicht in die Kollau ablaufen. „Das Problem ist, dass die Stadt den Graben selten pflegt,“ sagt Karl. Wenn die Grabenränder gemäht werden, bleibt der Grünschnitt häufig liegen und fällt wieder in den Graben. „Das stoppt jede Fließbewegung und verstopft die Gitter vor den Rohren.“

Schäden Schwere Fahrzeuge einer Baufirma haben die Straße und Gräben teils schwer beschädigt Foto :privat

Als schwere Fahrzeuge einer Firma, die im Perckentinweg baut, auch noch die Straße und den Graben beschädigten, gründeten Anwohner die Interessensgruppe Perckentinweg und forderten im November vom Fachamt Management des öffentlichen Raumes Eimsbüttel Maßnahmen.

Bezirksamt reagiert

Das Bezirksamt Eimsbüttel reagierte am 11. Januar mit einem Vor-Ort-Termin. Ergebnis: die Straße wird instand gesetzt, der Abwassergraben soll gereinigt und die Verrohrung, die das Wasser vom Perckentinweg in den Vielohgraben leitet, geprüft werden. „Der Graben wurde gereinigt, die Rohre wurden nicht kontrolliert,“ berichtet Karl.

„Derzeit ist ein dauerhafter Rückstau im Graben nicht feststellbar und die Ableitung des Regenwassers ist gewährleistet. Eine Überprüfung der Anschlussleitungen erfolgt daher nur im Bedarfsfall,“ sagt Kay Becker vom Bezirksamt Eimsbüttel auf Nachfrage vom Wochenblatt.

Diese Einschätzung teilen die Anwohner nicht. „Weil die Grabenwände nicht stabilisiert wurden, fällt die Erde schon wieder in den Graben,“ so Helmut Karl.

Seit Ende Februar nimmt das Bezirksamt am Vielohgraben eine „naturnahe Umgestaltung“ vor. Grabenabschnitte werden gereinigt, Einleitungsrohre mit Kiesaufschüttung stabilisiert und an bestimmten Punkten kleine Seiteninseln ausgebaggert.

„Ich bin ja froh, dass das Wasser wieder in die Kollau abfließt,“ sagt Annelie Schnoor, die seit 1960 in der Sackgasse lebt. Allerdings: „Auch Renaturierung muss gepflegt werden, sonst verschlickt wieder alles und beim nächsten Sturm laufen der Vielohgraben und unsere Keller wieder voll.“

Überflutung Nach starkem Regenfall läuft der Vielohgraben über und setzt den Fußweg (li.) und die privaten Grundstücke (r.v. Zaun) unter Wasser Foto: privat

Für Doris Küchler und ihre Nachbarn reichen die Arbeiten nicht aus, um das Druck- und Grundwasserproblem dauerhaft zu lösen: „Diese Maßnahmen berücksichtigen weder die Nachverdichtung noch den Klimawandel mit seinen Starkregenphasen. Eigentümer ohne weiße Wanne stehen vor extremen Kosten.“

Der Grundwasserspiegel in Hamburg ist angestiegen, bestätigt Björn Marzahn von der Umweltbehörde auf Wochenblatt-Nachfrage. „Die Verdichtung ist aber nicht ursächlich für den Anstieg,“ sagt Marzahn. Vielmehr sei der Klimawandel auch in Hamburg angekommen. Er verweist auf das Gründachkonzept und das Projekt Regen-Infrastruktur-Anpassung. Damit reagiere Hamburg auf die Zielkonflikte zwischen Stadtentwicklung und Wasserwirtschaft.

Die Interessengemeinschaft Perckentinweg fordert von der Bezirkspolitik, dem Bezirksamt und der Umweltbehörde ein gemeinsames Konzept. „Verdichtung, Renaturierung, Entwässerung und Grabenpflege müssen ineinander greifen, auch wenn unterschiedliche Behörden zuständig sind,“ sagt Küchler.

Mittlerweile wird die Bezirkspolitik aktiv. So plant der Niendorfer SPD-Politiker Wilfried P. Mahnke, dass das Anliegen der Anwohner auf die Tagesordnung des Regionalausschusses Lokstedt kommt. ngo

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