Altmieter Volker und Lieselotte Martens vor ihrer alten Wohnung in Lokstedt. Seit Februar wohnen sie für die geplante Bauzeit in Barmbek und freuen sich auf die Rückkehr nach Lokstedt

Wir freuen uns auf den Neubau

Einige Mieter der Buchdrucker hoffen auf eine schnelle Lösung und einen schnellen Abriss in Lokstedt

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Das Wochenblatt berichtete über Altmieter, die gegen den Abriss der Wohnhäuser in der Straße Hinter der Lieth sind. Doch es gibt auch Baugenossenschaftsmitglieder die sich auf neue und moderne Wohnungen freuen.

 

Seit 31 Jahren ist Simone Schult Mitglied in der Baugenossenschaft der Buchdrucker, jetzt ist sie wütend. „Nur weil sich ein paar Mieter nicht mit Veränderungen anfreunden können, müssen wir anderen Mitglieder jetzt länger auf den Rückzug nach Lokstedt warten.“ Wie berichtet, wollen die Buchdrucker vier Wohnhäuser durch fünf Neubauten ersetzen.

„Natürlich waren wir am Anfang auch nicht begeistert von den Neubauplänen,“ sagt Schult, die 15 Jahre mit ihrer Familie in der Straße Hinter der Lieth wohnte. „Mit der Geburt unserer Tochter sind wir von Barmbek nach Lokstedt gezogen. Lokstedt ist und bleibt unser Zuhause,“ sagt die 53-Jährige. „Mein Mann und ich wollten nie wieder umziehen.“ Doch Familie Schult hat sich entschieden, für die Abriss- und Neubauzeit in eine Ersatzwohnung umzuziehen und das Rückkehrrecht nach Lokstedt zu nutzen.

Seit Januar 2017 wohnen sie in Schnelsen in einer Wohnung der Fluwog-Genossenschaft. „Wir wollten in der Nähe bleiben, damit unsere Tochter die Schule nicht wechseln muss.“ Bei der Suche nach einer zeitweiligen Ersatzwohnung gab es Hilfe durch die Buchdrucker, so Schult, „wir konnten uns aus mehreren Angeboten etwas aussuchen“. Auch sonst fühlt sich Familie Schult von ihrer Genossenschaft gut unterstützt und an den Planungen ihrer neuen Wohnung beteiligt. „Wir wurden gefragt, ob wir in der neuen Wohnung eine Dusche oder Badewanne haben möchten. Auch bei der Küchenplanung wurden wir gefragt“, erzählt die Erzieherin. Die Umzugskosten und der Umzug wurden von den Buchdruckern übernommen, so Schult. „Wir freuen uns schon, wenn wir künftig zeitgleich duschen und in der Küche abwaschen können. Das war früher nicht möglich.“

Ehepaar Torsten und Simone Schult möchten nach Fertigstellung der Neubauten wieder nach Lokstedt Fotos: ngo

Was sie besonders ärgert: Durch die Verzögerung wird die Familie länger als geplant in der Ersatzwohnung mit einer wesentlich höheren Miete leben müssen.

Auch ihre frühere Nachbarin in Lokstedt, Lieselotte Martens, ist erbost und hat kein Verständnis für die Neubau-Gegner. Ihr Mann ist in den Häusern Hinter der Lieth aufgewachsen. „Wir haben uns als Nachbarn kennengelernt und dort später unsere zwei Kinder groß gezogen“, erzählt die 61-Jährige. „Lokstedt ist unsere Heimat,“ sagt sie. Dennoch ist das Ehepaar Martens für die geplante Bauzeit nach Barmbek gezogen. „Als 2009 die Neubaupläne auf den Tisch kamen, waren wir auch nicht froh,“ erinnert sich die 61-Jährige. „Doch ob im Keller oder in der Wohnung, wir hatten immer mit Feuchtigkeit zu kämpfen und sogar zentimeterhoch Abwasser im Wohnzimmer. Deshalb freuen wir uns auf den Neubau.“

Bei der Suche nach einer alternativen Wohnung auf Zeit wurden auch individuelle Lösungen durch die Buchdrucker ermöglicht. „Ich bin gehbehindert und die Genossenschaft hat für uns eine barrierefreie Wohnung gefunden,“ sagt Lieselotte Martens. Natürlich steige die Kaltmiete im Neubau, aber die Erhöhung liege bei 1,20 Euro pro Quadratmeter und damit für Altmieter wie uns bei 6,20 Euro, so die Rentnerin.

Der Rückumzug nach Lokstedt war laut den Buchdruckern für Ende 2019, Anfang 2020 geplant, „jetzt steht die Rückkehr in unsere Heimat in den Sternen,“ sagt Simone Schult verärgert. ngo

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