Sebastian Schleicher Foto: Baugenossenschaft der Buchdrucker eG

Der Abriss ist fest eingeplant

Baugenossenschaft sucht aber weiterhin einvernehmliche Lösung

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Die Baugenossenschaft der Buchdrucker will Häuser in Lokstedt abreißen und durch eine neue Wohnanlage ersetzen. Die Pläne stoßen bei einigen Altmietern auf Widerstand, andere begrüßen den Abriss. Wochenblatt-Redakteurin Natascha Gotta hat mit Sebastian Schleicher, Mitglied des Vorstandes der Buchdrucker, über die Kündigungen und die Mietkonditionen für den Neubau gesprochen.

 

Niendorfer Wochenblatt: Warum sind die Kündigungen der letzte Ausweg im Interessenskonflikt mit den Altmietern, die nicht ausziehen wollen?

Sebastian Schleicher: Wir hätten die Kündigungen sehr gern vermieden, sind dazu im Interesse der rückkehrwilligen Mitglieder und im Gesamtinteresse der Genossenschaft gezwungen, um Nachteile für die Genossenschaft und vor allem für die anderen Mitglieder zu vermeiden. Viele Mitglieder freuen sich ja bereits auf eine Rückkehr in die neuen Gebäude.

NW: Wieviele dieser Kündigungen haben Sie verschickt?

Schleicher: Nur sehr wenige und davon sind auch nur noch drei Familien nicht mit alternativem Wohnraum versorgt. Wir bemühen uns natürlich auch in diesen Fällen um gute Lösungen.

 

NW: Warum will die Baugenossenschaft überhaupt alles abreißen und neu bauen?

Schleicher: Es handelt sich um einen Trümmerbau mit einer sehr schlechten Bausubstanz. Auch nach einer Modernisierung würde kein Neubaustandard erreicht werden. Zudem liegen die Modernisierungskosten nur unwesentlich unter Neubaukosten. Ferner liegt die Nutzungsdauer eines Neubaus deutlich über der Nutzungsdauer eines modernisierten Altbaus.

 

NW: Was würde die  Modernisierung und was ein Neubau kosten?

Schleicher: Nach dem uns vorliegenden Gutachten aus dem Jahr 2015 belaufen sich die Modernisierungskosten auf 7 Millionen Euro. Die Kosten für einen vergleichbaren Neubau werden mit 7,55 Millionen Euro veranschlagt.  Da jetzt mehr Quadratmeter errichtet werden, sind die Gesamtkosten natürlich höher.

NW: Wie viele der 50 Altmieter kehren in den Neubau zurück?

Schleicher: 21 Dauernutzer und 8 Zeitmieter haben eine neue Wohnung reserviert. Das große  Interesse freut uns sehr.

 

NW: Wie viele Wohnungen  stehen bereits leer?

Schleicher: Ein Großteil. Bis auf die genannten drei Familien werden die übrigen Bewohner in den nächsten Wochen ihre neue Wohnung beziehen.

 

NW: Die Kaltmiete  für die Altmieter mit Dauernutzungsvertrag beträgt  4 bis 5 Euro. Bei einer Rückkehr soll die Anfangsmiete für Dauernutzer 6,20 Euro betragen. Wie ist die weitere Staffelmiete gestaltet?

Schleicher: Alle zwei Jahre erhöht sich die Nutzungsgebühr um 0,30 Euro pro Quadratmeter Das ist analog der in den Förderbedingungen für öffentlich geförderte Wohnungen vorgesehenen Erhöhungen.

 

NW: Wie hoch wird die Kaltmiete  bei den frei finanzierten Wohneinheiten sein und wie hoch  für die öffentlich geförderten Wohnungen, die nicht an Altmieter gehen?

Schleicher: Die Nutzungsgebühr für die öffentlich geförderten Wohnungen beläuft sich auf 6,40 Euro. Die Nutzungsgebühr für die freifinanzierten Wohnungen steht noch nicht fest, da wir die genauen Baukosten noch nicht kennen.

 

NW: Damit fallen aber 50 Wohnungen weg, die noch unterhalb öffentlich geförderter Mieten liegen. Wäre es nicht sinnvoller, wenn dafür 50 Einheiten im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus geschaffen würden?

Schleicher: Gemischte Quartiere sind die beste Voraussetzung für eine stabile Nachbarschaft. Wir möchten daher Wohnraum für alle Einkommensschichten schaffen. Wenn eine Wohnung öffentlich gefördert wird, sind wir bei der Vermietung an vorgegebene Einkommensgrenzen gebunden.

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