Der Funkturm steht nur wenige Meter von den Häusern Foto: ngo

Der Funkturm bleibt

Telekom schließt einen Abbau oder einen Standortwechsel aus

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Zeitweise ging es hoch her auf der 2. öffentlichen Sitzung der Bürgerinitiative „Funkturm Landesgrenze Schnelsen“. Thomas Fannasch, Kommunalbeauftragter der Deutschen Telekom, stellte sich den Fragen der aufgebrachten Anwohner aus dem Märchenviertel.

 

Mit etwa 30 Interessierten war auch das zweite Treffen der Bürgerinitiative (BI) am vergangenen Donnerstag gut besucht. Anwohner im Bönningstedter Weg kämpfen seit Dezember als BI gemeinsam gegen den Telekom-Turm (das Wochenblatt berichtete). Die Betroffenen hofften vom Telekom-Vertreter Thomas Fannasch mehr zur Standortwahl und zur versäumten Kommunikation zu erfahren. Der Mast steht direkt an der Landesgrenze zu Hamburg und nur wenige Meter von Wohnhäusern entfernt. Die Anwohner wurden über den Bau nicht informiert, was den Ärger bei den Schnelsenern zusätzlich verstärkt.

Im Einverständnis

Der neue Funkmast, der im Sommer in Betrieb gehen soll, wird neben UMTS und GMS nun auch über LTE verfügen, so der Telekom-Sprecher. Die Telekom habe sich seit Planungsstart 2014 an alle Gesetze und Verordnungen gehalten. So wurde nach der Standortsuche durch Akquisiteure der Telekom, die Kommune Bönningstedt frühzeitig informiert und das „gemeindliche Einverständnis“  eingeholt und mit dem „vermietbereiten Eigentümer“ der Standfläche ein Vertrag ausgehandelt. Anschließend wurde vom Kreis Pinneberg eine Baugenehmigung erteilt. Liegt diese vor, muss die Bundesnetzagentur noch eine Standortbescheinigung ausstellen. „Diese vorgeschriebenen Prozesse haben wir eingehalten,“ stellte Fannasch klar. Auf die wiederholt gestellte Frage, warum die direkten Anwohner auf Hamburger Seite vorab nicht informiert wurden, erklärte Fannasch, dass es dafür keine gesetzlichen Vorgaben gebe. „Wir müssen keine Info-Veranstaltungen für Bürger machen.“ Es müsse nur die Kommune in Schleswig-Holstein informiert werden. „Wir können der Gemeinde Bönningstedt und der Verwaltung in Elmshorn nicht vorschreiben, ob und wie sie die Plänen kommunizieren.“

Die Telekom wollte den Funkturm ursprünglich in Nähe des Strommastes bauen. Das wurde durch die untere Naturschutzbehörde Pinneberg untersagt, da es sich bei der Fläche um ein Landschaftsschutzgebiet handelt. Wer nun aber den aktuellen Standort ausgewählt hat, konnte er nicht beantworten. Allerdings: Auch der jetzige Standort liegt im Landschaftsschutzgebiet. „Die Vögel am Teich werden geschützt, aber wir Menschen müssen mit einem Funkmast nur wenige Meter vom Schlafzimmer entfernt leben?“ fragte ein Anwohner aufgebracht. Der Funkturm wird nach aktueller Lage nicht zurückgebaut, erklärte Fannasch daraufhin.

Auch die befürchtete Wertminderung der Immobilien ist bereits Realität. Ein Ehepaar findet keinen Käufer: „Wir hatten in den vergangenen Tagen 38 Interessenten. Alle finden die Wohnung, die A7-Anbindung und das Umfeld gut. Der Funkmast vor der Haustür ist das K.O.-Kriterium.“

Keine Antwort

Für die BI ist das nicht hinnehmbar, sagte Ralph Kesler, dessen Grundstück nur 11,70 Meter entfernt vom Betonsockel des Funkmastes liegt. Zudem blieben wichtige Fragen offen. So ist weiterhin unklar, wer den Standort final festgelegt hat. Es wird vermutet, das dies die Gemeinde Bönningstedt getan hat. Die Antwort blieb aber aus, da trotz Einladung kein Vertreter aus der schleswig-holsteinischen Verwaltung und Politik gekommen war.

BI-Treffen Thomas Fannasch von der Deutschen Telekom (3.v.li.) steht Vertretern der BI „Funkturm Landesgrenze Schnelsen“ und Besuchern Rede und Anwort Foto: ngo

Auch für Heinrich Flügge, Sprecher der Allianz Schnelsen Nord (ASN), der die BI unterstützt, gibt es weiter Klärungsbedarf. „Leider konnte nicht das Prozedere des ,gemeindlichen Einvernehmens’ der Gemeinde Bönningstedt, welches zur Genehmigung des Turmes führte, geklärt werden.“

„Auch die zuständigen Verwaltungen in Elmshorn, Bönningstedt und Quickborn konnten bislang nicht erklären, ob das für die Bauerlaubnis  notwendige ‚gemeindliche Einvernehmen’ in einer kommunalen Ausschusssitzung in Bönningstedt beschlossen wurde oder von einem Amtsträger der Gemeinde Bönningstedt im Alleingang beschlossen wurde,“ sagt Flügge. Deshalb werde die ASN bei den Akteuren nachhaken und die Ergebnisse auf die ASN-Website stellen. ngo

 

Bürgerinitiative Funkturm Landesgrenze Schnelsen, www.asn-news.de; E-Mail: funk turm-landesgrenze@web.de

 

 

 

Mast steht auf dem Gebiet der Gemeinde

 

 

Der neue Funkmast an der Grenze zu  Schnelsen sorgt für großen Ärger (siehe Seite 3). Wochenblatt-Redakteurin Natascha Gotta hat mit Thomas Fannasch, kommunaler Ansprechpartner der Telekom für den Mobilfunkausbau, über die Standortwahl und die mangelhafte Kommunikation gesprochen.

 

Thomas Fannasch Foto: ngo

Niendorfer Wochenblatt: Die Telekom wirbt damit, dass sie Anwohner frühzeitig informiert. Warum hat sie als Bauherrin die Anwohner im Bönnigstedter Weg nicht vorab informiert?

Thomas Fannasch: Damit wirbt die Telekom nicht. Wir binden frühzeitig die Kommunen in Planung und Aufbau von Mobilfunkanlagen ein. Und damit auch Bürgerinnen und Bürger.

 

NW: Die direkten Anwohner, die nur wenige Meter vom Funkmast entfernt leben, wurden nicht informiert. Warum wurden diese Menschen vergessen?

Fannasch: Die Stadt Hamburg wurde durch uns nicht eingebunden. Der neue Mobilfunkstandort ist auf dem Gebiet der Gemeinde Bönnigstedt.

 

NW: Wer hat den Standort direkt an der Landesgrenze und den Wohnhäusern ausgewählt. Die Telekom, die Gemeinde Bönnigstedt, die Verwaltung in Quickborn oder die Genehmigungsbehörde in Elmshorn?

Fannasch: Alle am Planungsprozess beteiligten.

 

NW: Wurde der Funkturm in einem Landschaftsschutzgebiet errichtet?

Fannasch: Ja.

 

NW: Der ursprünglich favorisierte Standort der Telekom lag auch in demselben Landschaftsschutzgebiet, jedoch weiter entfernt von Wohnhäusern auf Hamburger Seite. Wo liegt der Unterschied?

Fannasch:  Für die Beantwortung der Frage sind wir der falsche Ansprechpartner.

 

NW: Der Funkmast steht nicht parallel zur Landesgrenze. Durch die Drehung der Turmanlage konnte noch dichter an das angrenzende Wohnhaus in Hamburg-Schnelsen gebaut werden. Wer hat diese Drehung geplant?

Fannasch: Die Drehung wurde im Zuge der Planung durch uns geplant.

 

NW: Waren Sie selbst vor Ort im Bönningstedter Weg, um sich einen Eindruck über die neue Wohn- und Lebenssituation der Anwohner mit dem Telekom- Funkmast zu machen?

Fannasch:  Noch nicht.

 

NW: Werden Sie den Anwohnern in Schnelsen ebenfalls eine neutrale Messung der elektromagnetischen Strahlen an der Funkmastanlage anbieten?

Fannasch: Den Anwohner in Brockel habe ich eine Messung durch uns, Deutsche Telekom, angeboten. Auch in Schnelsen ist eine Messung durch uns möglich.

 

 

 

Telekom handelt unverantwortlich

 

Wie groß sind die gesundheitsgefährdenden Immissionen durch den neuen Funkmast in unmittelbarer Nähe des  Schnelsener Märchenviertels (siehe auch Seite 3) für die Anwohner? Wochenblatt-Redakteurin Natascha Gotta hat Ellen Kruse, Sprecherin des Arbeitskreises Elektrosmog beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), um eine Einschätzung gebeten.

 

Ellen Kruse Foto: ngo

Niendorfer Wochenblatt: Wie bewertet der BUND Hamburg den Vorgang, dass die Telekom den Funkturm nur wenige Meter von dem Wohngebiet und nur knappe 12 Meter vom Haus der Familie Kesler errichtet hat?

Ellen Kruse: Einen 40 Meter hohen Funkturm so dicht an ein Wohnhaus zu setzen, obwohl die Möglichkeit bestand, ihn im entfernteren Umkreis zu platzieren, ist aus Sicht des BUND Hamburg unverantwortlich.

Die Anwohner wurden dazu weder informiert noch befragt und die Standortwahl konnte ihnen vom Planungsverantwortlichen der Telekom weder transparent noch verständlich erklärt werden.

 

NW: Ist es richtig, dass nicht nur die direkt angrenzenden Wohnhäuser sondern auch weite Teile des Schnelsener Märchenviertels von einer erhöhten Emissionsbelastung durch den Funkmast betroffen sind?

Kruse: Natürlich wird die Mobilfunk-Belastung im Märchenviertel steigen. Die Sendeanlagen senden mehrere Kilometer weit. Anwohner im Umkreis bis etwa 500 Meter sind von dem neuen Turm am stärksten betroffen.

 

NW: Mobilfunkanbieter sagen, dass es keine Beweise für gesundheitliche Auswirkungen durch „Elektrosmog“ gibt. Warum ist das laut BUND eine verfälschende Aussage? 

Kruse: Beweise erfordern eine 100-prozentige Reproduzierbarkeit. Bei komplexen biologischen Organismen ist so etwas unmöglich. Würde man den wissenschaftlichen Beweis bei der Wirksamkeit von Medikamenten genauso eng auslegen wie beim Gesundheitsrisiko durch Mobilfunk, gäbe es keine zugelassenen Medikamente, weil keines die Beweisanforderung erfüllen kann.

 

NW: Gibt es Studien?

Im EMF-Portal der Bundesregierung kann jeder Bürger hunderte von Studien einsehen, die keine Beweise, aber ernsthafte Hinweise auf mögliche Gesundheitsschäden durch Mobilfunk geben. Diese werden ignoriert und das gesetzlich verankerte Vorsorgeprinzip wird nicht eingehalten.

 

BUND-Landesverband Hamburg, Lange Reihe 29, St. Georg, Tel. 6003870, www.bund-hamburg.de.

Infos beim Bundesamt für Strahlenschutz www.bfs.de,  Stichwort  Elektromagnetische Felder oder Suchbegriff EMF-Portal

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