Wasserfluten Kurz nach Neujahr herrscht im Gartenpark Hasenheide in Niendorf Land unter Foto: privat

Wasser im Überfluss

In Niendorf und Schnelsen sorgen überflutete Gräben für Verdruss

Archiv| Views: 600

Ob Schnelsen oder Niendorf –geflutete Grundstücke und Keller und übervolle Gräben machen vielen Bewohnern Angst. Die Betroffenen sind sauer auf das Bezirksamt Eimsbüttel. Denn: ihre Behördenanfragen laufen offenbar ins Leere.

 

Bei starken Regenfällen kämpfen die Anwohner im Schnelsener Märchenviertel mit teils überfluteten Gräben, da dort das Wasser nicht abfließen kann. Die Ursache scheint klar: das Bezirksamt Eimsbüttel reinigt Gräben zu selten. Das jedenfalls hat Anwohner Heinz-Hermann Hendrich beobachtet. „Im Goldmariekenweg sind zudem einige verrohrte Zufahrten nicht im einwandfreien Zustand“, so Hendrich, der seit über 40 Jahren in der Sackgasse lebt.

Im November 2017 haben sich Hendrich und andere Anwohner an das „Forum für kommunalpolitischen Dialog in Schnelsen“ gewandt. Das Forum Schnelsen tauscht sich regelmäßig mit dem Fachamt Management des öffentlichen Raumes Eimsbüttel aus.  Bislang ohne den gewünschten Erfolg, sagt Forum-Sprecher Heinrich Flügge. Das Wochenblatt hat mit dem Leiter dieser Fachbehörde, Thomas Pröwrock, ein Interview zum Thema Grabenpflege geführt.

Verstopft Das Wasser im Graben vom Gartenpark Hasenheide in Niendorf kann seit Oktober 2017 nicht in die Tarpenbek, die hinter der Hecke liegt, ablaufen Foto: ngo

Doch auch in Niendorf kämpfen seit Oktober 2017 Mitglieder vom Kleingartenverein Gartenpark Hasenheide, der an die Tarpenbek und den Hamburg Airport grenzt, mit überfluteten Grundstücken, Gartenlauben und übergelaufenen Gräben. „Das Sturmtief ,Xavier’ am 5. Oktober hat die Rinnsale in den Gräben in stehende Grachten verwandelt“, sagt Marietta Scheffer, die mit ihrem Mann Frederik zu den Gründungsmitgliedern gehört. „Eine solche Überflutung des gesamten Kleingartenareals haben wir in den vergangenen 50 Jahren nicht gehabt.“ Anfragen von Vereinsmitgliedern an die zuständige Fachbehörde, wie von Bianca Wolters-Frömmer vom 11. Dezember verliefen erfolglos. Erst einen Monat später kündigte das Fachamt Management des öffentlichen Raumes nach weiteren Anfragen von Laubenbesitzern eine Überprüfung vor Ort an.

Am 20. Januar wurde dann der erste Versuch unternommen, den Bereich vor dem Ablaufrohr in die Tarpenbek zu reinigen, sagt Bezirksamtssprecher Kay Becker, allerdings ohne den gewünschten Erfolg. Am 1. Februar folgte ein neuer Versuch. Doch das Ablaufrohr zur Tarpenbek bleibt weiter verstopft. Damit sind die Gräben und Gartenlauben im Burgunderweg seit vier Monaten überflutet. Das Bezirksamt Eimsbüttel nennt die Reinigungsarbeiten eine „Goodwill-Aktion“ und wiegelt ab. Die Ursache für die Verstopfung sei eindeutig das Laub aus der Kleingartenanlage, deshalb müssten die Kleingärtner laut Pachtvertrag die Ablaufgräben vernünftig pflegen, so Bezirkssprecher Becker. Dem widersprechen die Gartenbesitzer. Sie vermuten, dass Baumwurzeln durch die Ablaufrohre gewachsen oder die Rohre gebrochen sind. Das vermutet auch die Reinigungsfirma. Das Ehepaar Scheffer ist empört: „Die Ablaufgräben sind bereits seit Sturmtief ,Xavier’ überflutet und das Laub ist wegen des milden Wetters erst Ende November gefallen“.

Laubenbesitzerin Marietta Scheffer hat so eine Überflutung im Gartenpark Hasenheide in Niendorf in den vergangenen 50 Jahren nicht erlebt Foto: ngo

Ärger gibt es immer noch über die überfluteten Grundstücke in der Pinneberger Straße und den Ablaufgraben im Bereich Siloahweg/Albertine-Assor-Straße (das Wochenblatt berichtete). Neben dem Grundstück von Walter Roth- mund sind nun auch die Gärten und Keller von den Nachbarn Rolf Rohrig und Gerd Nachtigal betroffen.

Alle drei Familien haben Anfang Januar in Nachtschichten ihre Keller leer pumpen müssen. Doch mit jedem Regen ist das Problem wieder da. Die Immobilienfirma Röben, die die Wohnhäuser in der Albertine-Assor-Straße 19 a-c verwaltet, und mit dem Bezirk Eimsbüttel für den umstrittenen Graben zuständig ist, hat einen Anwalt eingeschaltet. „Die Ursache der derzeit offenbar nicht unerheblichen Überschwemmungen liegt einerseits am Grundstück der Nachbarn H. mit der Anschrift Süntelstraße. Andererseits liegt die Ursache an der unzureichenden Entwässerung durch die Stadt Hamburg“, schreibt Rechtsanwalt Christoph Kordik auf Wochenblatt-Anfrage. Und weiter: „Die drei Einlaufrohre, welche vom Grundstück H. in den privaten Graben der von meiner Mandantin vertretenen Wohneigentümergemeinschaft führen, sind illegal.“ Zu diesem Vorwurf hat sich der Eigentümer des Gewerbegrundstücks, die Firma H., trotz mehrfacher Wochenblatt-Anfrage bislang nicht geäußert.

Schnelsen Diese drei Einlaufrohre sollen laut Rechtsanwalt der Firma Röben unerlaubt Wasser in den Graben ableiten. Sie sind mittlerweile teils verschlossen oder verkürzt. Das Bezirksamt prüft derzeit die Sachlage Foto: ngo

Das Bezirksamt Eimsbüttel, das gemeinsam mit der Firma Röben für die Grabenpflege zuständig ist, teilt dem Wochenblatt mit: „Es handelt sich um ein laufendes Verwaltungsverfahren, deshalb können wir dazu keine weitergehende Auskunft geben.“ Bezirkssprecher Kay Becker versichert jedoch: „Dieser Vorgang wird von uns angemessen und mit entsprechender Priorität behandelt.“

Eine Erfolgsmeldung gibt es: der Zaun zwischen dem umstrittenen Ablaufgraben und dem kleinen Wald auf öffentlichem Grund steht seit Ende Januar. In den Ablaufgraben können jetzt keine sperrigen Gegenstände mehr geworfen werden. Dieser Sperrmüll war bislang eine zusätzliche Ursache für die Grabenverstopfung. ngo

Comments are closed.