SPD stimmt für GroKo-Gespräche

Was Eimsbütteler Vertreter von SPD und CDU dazu sagen

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Auf dem SPD-Sonderparteitag am vergangenen Sonntag stimmten 362 von 642 Delegierten für Koalitionsgespräche mit CDU und CSU. Redakteurin Natascha Gotta hat die Bundestagsabgeordneten Niels Annen (SPD) und Rüdiger Kruse (CDU), den Bürgerschaftsabgeordneten Marc Schemmel (SPD) und die Bezirksabgeordnete Silke Seif (CDU) um eine Bewertung gebeten.

 

Niendorfer Wochenblatt: Die SPD-Delegierten haben das Sondierungspapier angenommen. Wie bewerten Sie das Ergebnis und was erhoffen Sie sich von einer erneuten Großen Koalition?

 

Niels Annen: Der SPD-Bundesparteitag hat hart, aber fair und angemessen diskutiert. Beide Seiten haben gute Gründe für ihre Positionen vorgetragen. Das ist gelebte Demokratie. Ich bin froh über das Ergebnis des Parteitages, auch wenn es knapp war. Mit den nun anstehenden Koalitionsverhandlungen beginnt ein neues Kapitel. Wir werden hart verhandeln und dafür kämpfen zusätzliche Verbesserungen für die Menschen, etwa bei der Abschaffung der sachgrundlosen Befristung oder im sozialen Wohnungsbau, zu erreichen.

 

Rüdiger Kruse: Ich begrüße diese Entscheidung. Wir haben nun mal vom Wähler den Auftrag, eine Regierung zu bilden. Gerade die Volksparteien müssen dieser Verantwortung gegenüber dem deutschen Bürger und unseren zahlreichen Partnerländern in der Welt gerecht werden. Von einer erneuten Koalition erhoffe ich mir, dass sie genauso gut – aber nicht genauso geräuschlos – wie in der letzten Legislaturperiode zusammenarbeitet. Zukunft zu gestalten ist ein spannender Auftrag.

 

Marc Schemmel: Das Ergebnis zeigt, dass bei uns leidenschaftlich um den besten Weg für das Land gerungen wird. Ich bin kein Anhänger der GroKo, aber für mich wäre entscheidend, ob wir jetzt dafür sorgen können, die Lebensbedingungen vieler Menschen zu verbessern. Da wurde von der SPD in den Sondierungen bereits einiges erreicht: Für Familien, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Azubis, Rentnerinnen und Rentner. Ein Aufbruch in der Bildung, mehr Personal in der Pflege oder ein neuer Aufbruch für Europa. Ich hoffe aber, dass in den Verhandlungen noch mehr rausgeholt werden kann. Wichtig wäre endlich ein Einstieg in das Ende der „Zwei-Klassen-Medizin“.

 

Silke Seif: Es ist ja erstmal positiv, dass die erste Hürde genommen wurde. Bevor wir hier aber Bilanz ziehen, bleiben die Koalitionsverhandlungen und die Abstimmung der tendenziell linken SPD-Basis abzuwarten. Seit der Bundestagswahl sind nun bald vier Monate vergangen und man ist dem Wähler immer noch eine Perspektive für die Zukunft unseres Landes schuldig. Ich erkenne an, dass die Lage verzwickt ist, aber von einem 100-Prozent- Vorsitzenden erwartet man doch mehr Führungsqualitäten.

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