Lärmschutz Das nächtliche Tempolimit an zehn Hauptverkehrsstraßen ist Teil des Lärmaktionsplanes von Rot-Grün Foto: ngo

Auto, schleich dich!

Auf der Vogt-Wells-Straße in Lokstedt gilt nachts nun Tempo 30

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Mehr Nachtruhe für Anwohner an Hauptverkehrsstraßen. Das hat sich der Senat vorgenommen. Auch in der Vogt-Wells-Straße in Lokstedt müssen Autofahrer neuerdings zwischen 22 und 6 Uhr runter vom Gas. Die Maßnahme ist umstritten.

 

Auf sechs stark befahrenen Verkehrsadern in Hamburg gilt seit vergangener Woche ein nächtliches Tempolimit. Hauptgrund ist vor allem Lärmschutz für die Anwohner. Das gilt auch auf der Vogt-Wells-Straße, zwischen der Julius-Vossler-Straße und Osterfeldstraße.

„Das Thema Lärm ist für Hamburg eine große Herausforderung. Ein nächtliches Tempolimit an Hauptstraßen kann in vielen Fällen eine spürbare Reduzierung von gesundheitsschädlichem Lärm und damit Entlastung für die Menschen bringen, die hier wohnen,“ erklärt Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). „Die Anwohner werden sich freuen, denn Tempo 30 in der Nacht wirkt sich so aus, als ob man den Verkehr halbieren würde,“ ergänzt Dr. Monika Schaal, SPD-Bürgerschaftsabgeordnete für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen. „Damit es bei der nächtlichen Tempobegrenzung nicht zu Verdrängungseffekten kommt, wurden alle Ausweichmöglichkeiten geprüft. Für die Vogt-Wells-Straße sehe ich die nicht. In der Stapelstraße gilt auch Tempo 30 und sie ist als Einbahnstraße ausgewiesen,“ sagt die Umweltpoltikerin.

Neben der Vogt-Wells-Straße gilt das Tempolimit in der Eiffestraße, Rennbahnstraße, im Mühlendamm/Kuhmühle, in der Holtenklinker und der Bergedorfer Straße. Holstenstraße, Bramfelder Chaussee, Tarpenbekstraße und Braamkamp sollen folgen.

Nur wenige profitieren

Umweltschützern reicht das nicht. „Lärm belastet viele Menschen und macht krank. Ein nächtliches Tempolimit an gerade mal sechs Straßen springt viel zu kurz, der Senat muss mehr tun“, sagt BUND-Chef Manfred Braasch. Laut BUND profitieren von dem Lärmschutz nur 2000 Menschen, mehr als 140 000 müssen aber mit gesundheitsschädlichem Lärm leben. Braasch fordert mehr Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen, vor allem tagsüber.

Die CDU ist gegen die neuen Tempo-30-Abschnitte. „Der rot- grüne Senat verabschiedet sich vom Prinzip ‚leistungsfähige Hauptverkehrsstraßen – verkehrsberuhigte Wohnstraßen’ und schadet damit der Mobilität in Hamburg“, sagt Carsten Ovens, CDU-Bürgerschaftsabgeordneter für Lokstedt, Niendorf und Schnelsen. Stattdessen fordert die CDU mehr Tempokontrollen, speziell nachts. „Außerdem muss der Senat verstärkt auf lärmmindernden ‚Flüsterasphalt‘ setzen,“ sagt Ovens.

Unterstützung erhält die Union vom ADAC. „Europaweite Studien belegen, dass Tempo 30 keine nennenswerten positiven Aspekte für die Anwohner hat. Bei Tempo 30 steigt sogar der Ausstoß von Feinstaub, Stickoxiden und CO2. Sinnvoller wäre es, Tempo 50 nachts durch schärfere Kontrollen durchzusetzen. Das ist aber teurer als ein Verkehrsschild“, sagt Christian Hieff vom ADAC.

Ob sich die Autofahrer an das nächtliche Limit halten, wird sich zeigen. „Noch in diesem Jahr soll die Wirksamkeit evaluiert werden“, sagt Polizeihauptkommissar Ulf Siepelt vom Polizeikommissariat 23. Scharfe Messungen und Kontrollen seien zwischenzeitlich immer möglich, so Siepelt weiter. Eine Umfrage  zum Thema:  Seite 13 ngo

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