Überflutung Walter Rothmund in seinem Garten, wo er mit Gummistiefeln im überschwemmten Rasen einsinkt Foto: ngo

Im permanenten Ausnahmezustand

Das Grundstück von Walter Rothmund gleicht mittlerweile einem Sumpf - In Schnelsen sorgt ein erhöhter Gehweg für Ärger

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Familie Rothmund wohnt seit 37 Jahren in der Pinneberger Straße. Doch seit diesem Herbst haben die Hausbesitzer mit massiven Überflutungen von Garten und Keller zu kämpfen. Ursache ist offenbar ein Gehweg, den der Bezirk Eimsbüttel bauen ließ.

 

Mit Sturmtief „Xavier“ am 5. Oktober begann der Ärger. Gut die Hälfte des 3000 Quadratmeter großen Grundstücks und der Keller von Walter und Monika Rothmund standen unter Wasser. „Zwei neun Meter hohe Bäume kippten in den Garten, knapp am Gewächshaus vorbei. Das Wasser lief uns oben in die Gummistiefel, als wir zur Grundstücksgrenze gingen, um die Bäume zu sichern,“ sagt Walter Rothmund. Weitere Bäume, auch auf dem öffentlichen Grundstück nebenan, drohten umzufallen. Mit einem Absperrband sicherte die Polizei damals das überflutete Gebiet neben dem öffentlichen Gehweg ab.

Der Ablaufgraben und das Ablaufrohr vor der kleinen Steinmauer sind durch Laub, Äste und Unrat verstopft Foto: ngo

„Wir wohnen hier seit 1980 und haben schon einige schwere Stürme und Starkregen erlebt“, sagt der 73-jährige, „aber diese massiven Überflutungen haben wir erst seit diesem Jahr.“ Ursache scheint ein Gehweg zu sein, der die Pinneberger Straße und den Siloahweg verbindet. Er sollte den Trampelpfad durch das kleine Waldstück ersetzen, den viele Anwohner vom Siloahweg und der Albertine-Assor-Straße als Abkürzung nutzten. Gebaut wurde der Fußweg, der durch ein öffentliches Grundstück mit Bäumen und Tannen führt, im Dezember 2016 vom Bezirk Eimsbüttel. Das Rothmund- Grundstück befindet sich direkt daneben. Da der Fußweg 30 bis 50 Zentimeter höher liegt als die bewaldeten Flächen links und rechts vom Weg, wirkt er bei Regen wie ein künstlicher Damm, sagt Rothmund. Die Folge: Das Regenwasser kann nicht ablaufen, um wie früher auf der gegenüber liegenden Waldfläche zu versickern. Der Ablaufgraben und das Ablaufrohr auf dem öffentlichen Gelände halten dem Wasser nicht stand, zumal das Rohr regelmäßig verstopft. Die Wassermassen überfluten jetzt das Grundstück von Rothmund.

Die kleine Waldfläche (li.), die an das Rothmund-Grundstück grenzt, steht unter Wasser. Durch den neuen, erhöhten Fußweg kann das Regenwasser nicht mehr nach rechts abfließen und im gesamten Waldgebiet versickern Foto: privat

Seit der ersten Überschwemmung am 5. Oktober hat der 73-Jährige einen Telefonmarathon hinter sich, da offenbar niemand zuständig ist. Das Problem: Der Ablaufgraben und das Ablaufrohr liegen zwischen dem öffentlichen Gelände mit dem neuen Fußweg und einem Grundstück mit einem Mehrparteienhaus im Siloahweg, Ecke Albertine-Assor-Straße. Zudem grenzt er an das Grundstück von Familie Rothmund. Die Folge: „Es fühlt sich keiner für die Reinigung zuständig und es ist unklar, wer für den Graben und das Ablaufrohr verantwortlich ist,“ sagt Rothmund. In der zweiten Novemberwoche dann ein Lichtblick: der verstopfte Graben wurde ausgehoben, veranlasst durch das Fachamt Management des öffentlichen Raumes Eimsbüttel, wie Rothmund nur auf Nachfrage erfuhr. Er hatte die Hoffnung, dass damit die Überschwemmungsgefahr gebannt sei. Doch der nächste stärkere Regen setzte das Grundstück wieder unter Wasser.

Ende November wandte sich Rothmund erneut an die Behörde. „Jeder sei für sein Grundstück verantwortlich, es zu entwässern, lautete die Antwort des Mitarbeiters“, sagt Rothmund. Der 73-Jährige fühlt sich vom Bezirksamt mit dem Problem allein gelassen: „Trotz diverser Anrufe und Briefe kümmert sich das Amt nicht um eine nachhaltige Lösung.“ Sicher sei er selbst für die Entwässerung seines Grundstückes verantwortlich. Aber nicht, wenn sich die Ursache für das Problem außerhalb seines Grundstückes befände. „Ich möchte wissen, wer für den Graben und das Ablaufrohr zuständig ist. Das Bezirksamt oder die Grundstücksverwaltung des Mehrparteienhauses.“

6. Oktober Der Ablaufgraben, der vor dem Rothmund-Zaun (li.) verläuft, ist überflutet. Die Wassermassen haben auch das Nachbargrundstück (re.) geflutet Foto: privat

Am zweiten Dezemberwochenende folgte nach dem ersten Schnee und den darauffolgenden Regenfällen die nächste Überschwemmung. Das Wasser setzte den etwa 1500 Quadratmeter großen Garten wieder unter Wasser. „Mein Sohn und ich mussten Tannen, die ich vor 37 Jahre gepflanzt habe, mit einem Ketten-Hubzug und Stahlseilen sichern“, erzählt Rothmund. „Im Frühjahr werden wir alle Gehwegplatten im Garten erneuern müssen, da sie unterspült und beschädigt sind. Wir brauchen eine dauerhafte Lösung, sonst wird unser Grundstück zum Sumpf und weitere Bäume werden umfallen. Diese könnten im schlimmsten Fall sogar einen Fußgänger verletzen oder auf die Pinneberger Straße stürzen“, fürchtet Rothmund. Das Niendorfer Wochenblatt hat das Bezirks-
amt Eimsbüttel um eine Stellungnahme gebeten. Eine Antwort stand bis zum Redaktionsschluss aus.      ngo

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