Guten Appetit Auch Tischkultur gehört zum Lerninhalt

Ran an den Herd und an die Töpfe!

Wie viel Spaß gesunde Ernährung machen kann, lernen Schnelsener Schüler beim „Haushaltsführerschein“

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Viertklässler zu sein ist an der Grundschule Anna-Susanna-Stieg in Schnelsen noch ein wenig aufregender als ohnehin schon. Denn hier kommt jede vierte Klasse in den Genuss, bei Ernährungsexpertin Silke Timmermann einen „Haushaltsführerschein“ zu machen.

 

Auch die Lehrer freuen sich – in der Hoffnung, von den Resten naschen zu dürfen. Als Ilka Maier mit ihrer Klasse dran war, musste sie die Kollegen allerdings oft enttäuschen: „Den Kindern hat das, was sie selbst gekocht haben, so gut geschmeckt – da waren die Töpfe und Schüsseln nahezu ausgeschleckt!“ Und das, obwohl die Skepsis bei unbekannten Gerichten anfangs groß war: Fisch, der nicht als Stäbchen daher kam, wollte eigentlich niemand essen. Silke Timmermann setzte sich durch: „Einmal probieren ist Pflicht!“ Mit Erfolg: Am Ende der Woche war das Fischgericht das Essen, das am häufigsten zuhause nachgekocht wurde.

Viele Köche verderben den Brei? Von wegen! Fotos: kk

Semra durfte bisher in der Küche noch nicht mithelfen. „Ich finde es toll, dass man mich hier einfach alles machen lässt! Und es schmeckt wie im Restaurant…“

Beim „Haushaltsführerschein“ geht es nicht nur um die Zubereitung der Speisen. Zunächst sollten die Kinder von Zuhause die Verpackung eines Lebensmittels mitbringen und dann aufschreiben, welche Inhaltsstoffe enthalten sind. „Das passt ja gar nicht alles auf mein Arbeitsblatt“, hätten einige gestöhnt. Bei Silke Timmermann wird ausschließlich mit frischen, möglichst regionalen und saisonalen Zutaten gekocht. „Es macht Spaß, die Kinder dafür zu sensibilisieren“, sagt die gelernte Diät-Assistentin, die als Hauswirtschaftsleiterin in einer Kita arbeitet und sich für ihr Schulprojekt freistellen lässt. Finanzielle Unterstützung erhält sie von der Fleischerinnung, tatkräftige von deren ehrenamtlichem Vertreter Peter Burkert. Gemeinsam besuchen sie vier Hamburger Schulen. Ginge es nach Silke Timmermann, würde sie gern flächendeckend „Haushaltsführerscheine“ anbieten. „Ich leiste hier umfassende präventive Gesundheitsarbeit“, meint sie. Denn auch Hygiene, Arbeitssicherheit und Verdauung sind Themen. Und nicht zuletzt Tischkultur: „Da wurden Blumen gepflückt und Servietten gefaltet, selbst ums Abspülen haben sich die Kinder gerissen“, berichtet Timmermann. „Toll ist auch die Nachhaltigkeit des Projekts: Das Interesse an Haushalt und Ernährung bleibt.“

Schulleiterin Dagmar Christiansen bestätigt: „Wenn Kinder nach einigen Jahren wieder einmal an unserer Schule sind, haben sie oft schon Einiges vergessen. Aber sie erinnern sich alle noch an ihren ,Haushaltsführerschein‘.“ kk

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