Außer Betrieb Durch den Schnelsen-Tunnel rollt so schnell kein Verkehr, denn erst im zweiten Halbjahr 2019 soll der gesamte Lärmschutz fertiggestellt sein Foto: ngo

Der Tunnel-Schock

A7-Deckel Schnelsen frühestens Mitte 2019 fertig– also ein halbes Jahr später

Archiv| Views: 750

Es ist eine Nachricht, die alle Gemüter erhitzt: Die Schnelsener A7-Lärmschutzröhre wird deutlich später fertig als geplant. Die Bauzeit verlängert sich um mindestens sechs Monate!

 

Keine guten Nachrichten für Autofahrer und Anwohner: Der 550 Meter lange Schnelsener Autobahntunnel wird wohl erst im zweiten Halbjahr 2019 fertiggestellt sein – frühestens. Ursprünglich sollte die Strecke zwischen Heidlohstraße und Anschlussstelle Hamburg- Schnelsen Ende 2018 in Betrieb gehen. Jetzt wird das private Baukonsortium Via Solutions Nord (VSN) den ersten von insgesamt drei Tunneln, unter dem die A7 verschwinden soll, wohl erst Mitte oder Ende 2019 für den Verkehr freigeben können.

„Wir werden ein neues, belastbares Enddatum für die Gesamtfertigstellung des Tunnels Schnelsen erst nennen können, wenn wir die erste Röhre im zweiten Quartal 2018 erfolgreich in Betrieb genommen haben“, sagt VSN-Geschäftsführer Rainer Goldmann. Derzeit scheint aus seiner Sicht das zweite Halbjahr 2019 realistisch – festlegen will er sich aber nicht.

Mehrere Gründe

Die Baufirma nennt mehrere Gründe für die monatelange Verzögerung. So sei es schwieriger als gedacht, die Sicherheitstechnik der drei geplanten Lärmdeckel Schnelsen, Stellingen (geplante Fertigstellung 2020) und Altona (geplante Bauzeit 2020-2026) aufeinander abzustimmen. Allein im Schnelsen-Tunnel müssen für ein reibungsloses Zusammenspiel 35000 Datenpunkte wie etwa Lichtleitungen oder Notrufsäulen koordiniert werden, erklärt VSN-Sprecher Florian Zettel.

VSN-Pressesprecher Florian Zettel verspricht, dass alles unternommen wird, um die Bauverzögerung zu minimieren Foto: ngo

Auf Grund der schwierigen Bodenverhältnisse mussten die Bohrpfähle tiefer als geplant ins Erdreich eingelassen werden. Statt der geplanten 18 Meter waren bis zu 24 Meter Tiefgang notwendig. Produktionsengpässe bei wichtigen Zulieferern auf Grund der bundesweit hohen Baunachfrage sorgen außerdem für längere Lieferzeiten von Spezialbauteilen. Auch Personalmangel macht VSN zu schaffen. So sei es schwierig, ausreichend Ingenieure und Planer zu finden.

Der Auftraggeber, die Bundesplanungsgesellschaft Deges, habe zudem das Sicherheits- und Beleuchtungskonzept an der Ein- und Ausfahrt des Tunnels geändert. Das bedeute mehr Arbeit für alle Baubeteiligten, erklärt der VSN-Geschäftsführer.

Aufgrund der zeitlichen Verzögerung kommt auf Via Solutions nun eine Vertragsstrafe zu und die wird richtig teuer.

Bei Nichteinhaltung des Bautermins sind 55 000 Euro pro Tag fällig. Bei einem Jahr Verzögerung wären das gut 20 Millionen Euro. „Wir sind nicht glücklich über die Entwicklung und werden alles dafür tun, dass wir die Verzögerung gering halten“, sagt VSN-Sprecher Zettel. Bereits jetzt werde schon im Mehrschichtenbetrieb und auch am Wochenende gearbeitet. Nachtarbeit würde die Anwohner zu sehr belasten, so Zettel.

Die Anwohner müssen sich also darauf einstellen, dass sie den Bau- und Autolärm noch längere Zeit ertragen werden. Auch Autofahrer müssen sich länger als geplant durch den Baustellenbereich quälen. Zudem bleibt die A7-Auffahrt Schnelsen Richtung Hannover wohl ein Jahr länger gesperrt. Wenn die Weströhre voraussichtlich im zweiten Quartal 2018 fertiggestellt ist, beginnt der Bau der Oströhre. Dann fließt der Verkehr durch den Westtunnel: zwei Spuren in Richtung Flensburg, zwei in Richtung Hannover. Ngo

 

Gemischte Gefühle

Schnelsener Geschäftsleute über die längeren Bauarbeiten beim A7-Tunnel

Die Bauzeitverlängerung des Schnelsener Autobahndeckels wird mit geschmischten Gefühlen im Quartier diskutiert. Das Niendorfer Wochenblatt hat sich zu den Neuigkeiten bei den Geschäftsleuten der Frohmestraße umgehört.

Interviews: Corinna Chateaubourg

 

Barbara Poser, Inhaberin der Boutique DUO Mode und Vorsitzende der Interessengemeinschaft „Herz für Schnelsen“: „Man sieht das mit gemischten Gefühlen. Die Auswirkungen sind vielfältig und bedeuten für uns auch den Weggang von Kunden. Gerade gestern sagte eine Kundin zu mir, dass sie nicht mehr käme wegen der Brücke und der vielen Staus. Sie habe sich eine andere Einkaufsmöglichkeit gesucht.“

 

Oliver Rettstadt, Geschäftsführer Stehr’s Brillenstudio: „Natürlich hätte ich es lieber, wenn der Deckel innerhalb der gesetzten Frist fertig geworden wäre. So ist es nicht schön, aber man kann es nicht ändern. Es ist doch auch ein tolles Projekt für den Stadtteil, wenn es dann fertig ist.“

 

Susanne Gramp, Geschäftsführerin Friseur Linie 2: „Für uns Geschäftsleute ist die Situation wegen der Baustelle blöd. Vor allem kommen die Kunden oft zu spät, weil sie im Stau stehen. Viele Ältere haben auch Angst, über die Fußgängerbrücke zu gehen. Wahrscheinlich werden sich die Bauarbeiten noch weiter verzögern, wenn sie jetzt schon so anfangen.“

 

 

Lars Grebe, Inhaber Dominico Service für Schlüsseldienst & Einbruchschutz: „Mir ist das egal. Ich kann sowieso nichts dagegen tun. Ich hatte mir die Situation vor Beginn der Bauarbeiten schlimmer vorgestellt, aber es läuft doch alles. Im Endeffekt ist es mir einerlei, ob die noch länger buddeln …“

 

Stefan Rupe, Mitarbeiter bei Fahrrad Wulff: „War ja irgendwie klar, dass die so ein großes Bauprojekt nicht rechtzeitig fertig kriegen. Die Frohmestraße ist durch die merkwürdige Straßenführung und Ampelschaltung ständig verstopft. Der Lärm durch die Huperei der genervten Autofahrer ist auch nicht lustig für uns. Und das bleibt jetzt noch länger so.“  Fotos: cc

Comments are closed.