Drei Trümpfe für Eimsbüttel

Niels Annen, Rüdiger Kruse und Zaklin Nastic ziehen in den Bundestag ein

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Kräftiger Dämpfer für die CDU, Historische Schlappe für die SPD – nicht nur auf Bundesebene, sondern auch im Land und im Bezirk, wo sich die SPD ebenfalls von der CDU überholen lassen mussten. Und mit der AfD zieht erstmals eine Partei rechts von der Union in den Bundestag ein – die Medien sprechen von einem regelrechten Wahl-Beben.

 

Aber es gibt auch einen Grund zur Freude – beziehungsweise im Wahlkreis Eimsbüttel gleich drei. Statt bisher zwei entsendet der Bezirk nämlich künftig drei Bundestagsabgeordnete nach Berlin.

Unser Trumpf für die Außenpolitik: Niels Annen. Der 44-jährige  SPD-Mann gilt als versierter Außenpolitiker und ist außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Im Wahlkreis Eimsbüttel sicherte er sich – wie schon 2013 – wieder mit 31,6 Prozent der Stimmen das Direktmandat.

Unser Trumpf für die Nachhaltigkeit: Rüdiger Kruse. Der Christdemokrat aus Niendorf, der von Bundeskanzleramtschef Peter Altmaier als „mächtigster Abgeordneter im Haushaltsausschuss“ bezeichnet wurde, hat sich die Umsetzung des Projekts „Nachhaltige Gesellschaft“ auf die Fahnen geschrieben. Er zieht über den Landeslistenplatz zwei in den Bundestag ein.

Unser Trumpf fürs Soziale: Zaklin Nastic. Die Landessprecherin der Hamburger Linken war erst im August für die ausscheidende  Inge Hannemann als Abgeordnete in die Hamburger Bürgerschaft gerückt, nun geht es für sie vom Landeslistenplatz zwei aus nach Berlin. Dort will sich die ehemalige Niendorferin, die gerade nach Eidelstedt gezogen ist, für Themen wie soziale Gerechtigkeit und vor allem gegen Kinder- und Altersarmut einsetzen. cs

 

 

CDU erobert die rote Festung

 

Die SPD fährt sogar in ihrem Stammwahlkreis herbe Verluste ein, hat aber bei den Direktmandaten die Nase vorn

 

Die SPD hat bei der Bundestagswahl nicht nur bundesweit, sondern auch in Hamburg und Eimsbüttel, welches bisher als „rote Festung“ galt, stark eingebüßt.

Das Wahlkampfteam von Rüdiger Kruse freut sich über seinen Einzug in den Deutschen Bundestag Foto: CDU

Die Partei von Bürgermeister Olaf Scholz kommt bei den Zweitstimmen in Eimsbüttel nur noch auf 22,2 Prozent. Das sind mehr als 9 Prozentpunkte weniger als bei der Bundestagswahl 2013. Die CDU verliert ebenfalls in Eimsbüttel, ist aber mit 26,9 Prozent (minus 4,2 Prozent) stärkste Kraft im Wahlkreis. Dort kommen die Grünen auf starke 17 Prozent (plus 1,4 Prozent), die Linke auf 12,4 Prozent (plus 3,8 Prozent) und die FDP auf 11,3 Prozent (plus 6,1 Prozent) und die AfD auf 5,9 Prozent (plus 2,2, Prozent).

Beim Kampf um die Direktmandate hatte die SPD auch 2017 wieder die Nase vorn und eroberte fünf der insgesamt sechs Hamburger Direktmandate. Für Eimsbüttel zieht demnach wieder Niels Annen direkt in den Bundestag ein. „Das Ergebnis der SPD bei der Bundestagswahl ist eine schlimme Niederlage. Wir sind gefordert, daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Auch in Hamburg sind wir hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben. Umso mehr freue ich mich, dass ich den wunderbaren Wahlkreis Eimsbüttel weiterhin als direkt gewählter Abgeordneter im Deutschen Bundestag vertreten darf“, betonte Annen auf Anfrage des Niendorfer Wochenblatts. 31,6 Prozent der Eimsbütteler stimmten für den außenpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, das sind 5,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Annens Stimmenverlust kam aber offensichtlich auch nicht seinem schärfsten Konkurrenten Rüdiger Kruse (CDU, 28,7 Prozent) zugute, sondern den Kandidaten der kleineren Parteien. Kruse zeigte sich dennoch sehr zufrieden: „Ich freue mich, dass unser engagierter Wahlkampf Wirkung gezeigt hat: Hamburg hat stärker als jeder andere Teil der Republik für demokratische Parteien votiert, am stärksten sogar für die CDU. Dadurch werde ich mich auch in den nächsten vier Jahren im Bundestag für unsere Stadt einsetzen können.“

Engagierter Wahlkampf So sicherte sich Niels Annen (Mitte) wieder das Direktmandat im Wahlkreis Eimsbüttel Foto: SPD

Besonders die Grüne Landeschefin Anna Gallina konnte mit 15 Prozent der Erststimmen (plus zwei Prozent) ein tolles Ergebnis einfahren. Aber auch Zaklin Nastic von der Linken und Ria Schröder (FDP), die erstmals für den Bundestag kandidierten, hatten mit 10,4 Prozent (plus 3,5 Prozent) beziehungsweise 6,8 Prozent allen Grund, zufrieden zu sein. „Wir haben verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen können und vor allem Jung- und Erstwähler überzeugt, was mir als junge Kandidatin besonders am Herzen lag. Persönlich habe ich mein Ziel erreicht, in Eimsbüttel im Bereich der Zweitstimmen ein besseres Ergebnis als der Landesdurchschnitt zu erzielen“, berichtete Schröder.

Aufgrund von Ausgleichs- und Überhangsmandaten entsendet Hamburg für die 19. Legislaturperiode 16 statt wie in den vergangenen vier Jahren 13 Abgeordnete in den Deutschen Bundestag – davon kommen dieses Mal sogar drei aus dem Wahlkreis Eimsbüttel. Neben dem Christdemokraten Rüdiger Kruse zieht erstmals die ehemalige     Niendorferin Zaklin Nastic ins Parlament ein – beide standen auf den Landeslisten ihrer Partei auf Platz zwei. Die Hamburger Linken schicken das erste Mal zwei Hamburger Abgeordnete in den Bundestag. „Ein großer Erfolg, aber auch das Ergebnis harter Arbeit“, so Zaklin Nastic, die  etwas überrascht, aber voller Tatendrang bereits nach Berlin gereist ist.

Sorgen macht den etablierten Parteien indes das gute Abschneiden der AFD. Zwar fuhren die Rechtspopulisten in Hamburg mit 7,8 Prozent der Stimmen ihr bundesweit schlechtestes Ergebnis in Hamburg ein und lagen in Eimsbüttel mit 5,9 Prozent sogar noch darunter, dennoch konnten sie auch dort im Vergleich zu 2013 2,2 Prozentpunkte gut machen. „Als politischer Gegenpol zur AfD haben wir in den nächsten Jahren die große Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Gesellschaft zusammenhält und sich nicht spalten lässt“, betonte daher beispielsweise die Grüne Gallina. cs

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