92-Jähriger durchschaut Enkeltrick

Gaunerpaar fordert 48 000 Euro für eine angebliche Autoreparatur

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Perfekt hat ein 92-jähriger Niendorfer vergangene Woche reagiert und so der Polizei geholfen, ein junges Gaunerpaar zur Strecke zu bringen.

 

Nur einen Tag nach dem Vorfall kommt er zum Niendorfer Wochenblatt, um zu berichten was passiert ist. Noch sichtlich mitgenommen und aufgeregt. „Aber ich möchte, dass andere erfahren was passiert ist und sie warnen“, erzählt er. Den Namen möchten wir aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlichen und nennen den Senior Alfred Z.

Am Nachmittag des vergangenen Mittwochs habe das Telefon geklingelt. Seine Frau sei ran gegangen und er sei stutzig geworden, weil sie immer wieder sagte:  „Ich verstehe nichts, wer sind sie denn?“  Alfred Z.  übernahm den Hörer und hörte am anderen Ende einen unbekannten Mann aufgeregt nuscheln. „Ich habe ein Spielchen mit ihm gespielt und gefragt, bist du es Karlheinz? Denn das ist unser Schwiegersohn. Aber der ist ein ganz ruhiger besonnener Mann und der würde nie so aufgeregt anrufen“, erklärt Alfred Z. Als das Gegenüber am Telefon dann plötzlich mit klarer Stimme behauptet, er sei Karl-Heinz, weiß der Senior, dass hier etwas überhaupt nicht stimmt.

Der Unbekannte erzählt, er habe einen schweren Unfall mit seinem Auto gehabt. Das sei nun in der Werkstatt. 48 000 Euro koste die Reparatur und er bekäme seinen Wagen nur wieder, wenn er das Geld bar bezahle.  Z. geht zum Schein darauf ein, seinem angeblichen Schwiegersohn natürlich zu helfen und das Geld zu besorgen. Prima, freut sich der Unbekannte am Telefon und sagt, dass  sich die Werkstattchefin melden würde, um die Geldübergabe  zu besprechen.

Doch Alfred Z. läuft zur Nachbarin und bittet diese die Polizei zu rufen. „Mit unserem Telefon wollte ich das nicht tun, falls sie wieder anrufen oder womöglich das Telefon abhören“, erzählt er. Die Nachbarin verständigt die Polizei und die schickt sofort eine Sondereinheit nach Niendorf.

„Ein  Polizist war verdrahtet wie einer der vom Mond kommt“, staunt  der Rentner: „er konnte das ganze Haus nur mit einem Knopf im Ohr abhören.“ Auch die folgenden Anrufe der „Werkstattchefin“, mit der der 92-jährige ausmacht, dass ihre Tochter das Geld um 17 Uhr bei ihm zuhause abholen könne, hört die Polizei bereits mit. Und als es zur verabredeten Uhrzeit an der Tür klingelt, warten die Beamten dahinter schon mit Handschellen.

Den Fahndern gelingt es nicht nur die erst 16-jährige Polin festzunehmen, die das Geld abholen wollte, sondern auch den 20-jährigen vermutlichen Mittäter, der in der Nähe an einer Bushaltestelle wartete. Die beiden erwartet ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs. Nach erkennungsdienstlicher Behandlung wurden sie allerdings mangels Haftgründen wieder frei gelassen.

„Das war alles sehr aufregend. Meine Frau und ich haben am ganzen Leib gezittert. Aber es ist ja gut ausgegangen“, atmet Alfred Z. auf. Ihm ist es ein ganz großes Anliegen, der Polizei zu danken: „So schnell wie die reagiert und wie professionell sie gearbeitet haben, das ist fantastisch!“ si

 

Enkeltrick-Betrügern keine Chance lassen

 

Eigentlich ist der Enkeltrick schon lange eine bekannte Gauner-Masche. Doch immer wieder kommen Betrüger damit ans Ziel, weil sie auf ahnungslose und zu vertrauensvolle Menschen treffen. Um sich zu schützen, rät die Polizei, sich schon jetzt gedanklich auf die mögliche Situation vorzubereiten, dass ein Enkeltrickbetrüger anrufen könnte und gibt folgende Präventions-Tipps:

 

  • Raten Sie nicht, wer am Telefon ist, sondern fordern Sie ihr Gegenüber auf, seinen Namen zu nennen.
  •  Vertrauen Sie auf ihr Bauchgefühl!
  •  Seien Sie grundsätzlich immer misstrauisch, wenn Sie eine hohe Bargeldsumme übergeben sollen.
  •  Versuchen Sie für sich Zeit zu nehmen, diese angebliche Bitte/Forderung zu überdenken.
  •  Stellen Sie gezielte Nachfragen, um anhand der Informationen festzustellen, ob wirklich ihr Verwandter/Bekannter am Telefon ist.
  •  Rufen Sie ihn im Zweifel unter der Ihnen bislang bekannten und nicht unter einer neu genannten Telefonnummer zurück.
  •  Lassen Sie sich niemals unter Druck setzen. Halten Sie unbedingt Rücksprache mit Ihnen nahe stehenden Personen.
  •  Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen. So entziehen Sie Tätern die Grundlage, um auf Sie aufmerksam zu werden.  si

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