Kunst aus Müll Wolfgang Postel vor seinem umstrittenen Kunstprojekt mit Plastikmüll an der Wäscheleine Foto: kn

„Ist das Kunst oder kann das weg?”

Auf- und Abbauposse auf Niendorfer Verkehrsinsel

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Wolfgang Postel ist ein viel gereister Sporttaucher. Und eines lässt den Nienorfer nicht los: Die zunehmende Vermüllung der Weltmeere.

„Jährlich gelangen bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer”, weiß der Umweltschützer. Zuschauen ist seine Sache nicht. Er will wachrütteln und andere auf die katastrophalen Folgen aufmerksam machen. Damit er möglichst viele erreicht hat er eine Kunstaktion gestartet. Er hat eine Grünpatenschaft für eine Verkehrsinsel in der Paul-Sorge-Straße abgeschlossen (das Wochenblatt berichtete) und sich eine Sondernutzungsgenehmigung für eine Kunstaktion „Rettet die Meere“ beim Bezirksamt geholt.

Was dann folgte ist eine Posse: Wolfgang Postel installiert eine acht Meter lange Girlande mit Platikmüll und Dekofischen und ein Schild mit der Aufforderung den Ozean zu lieben, zu respektieren und zu schützen. Genau das war ihm in der Sondernutzungsgenehmigung so gestattet worden.

Nun liegt Kunst ja immer im Auge des Betrachters. Der „Müll“ auf der Verkehrsinsel erregt die Gemüter einiger ordnungsliebender Bürger. Beschwerden bei der Polizei haben zur Folge, dass diese anrückt und den vermeintlichen Schandfleck beseitigt. Postel ist wütend, beschwert sich und verweist darauf, dass die Kunstaktion genehmigt ist. Mit Erfolg: Am 17. August montiert die Polizei die Müllgirlande samt Schild wieder.

Was folgt ist der zweite Akt des Müllskuplturen-Schwanks: Am 21. August rückt nämlich die Stadtreinigung an und beseitigt den Müllprotest samt Schild. Ende und aus? Weit gefehlt. Postel wendet sich ans Bezirksamt, das den Vorfall bedauert und sich für die irrtümliche Demontage entschuldigt. Im Morgengrauen am 24. August wird Wolfgang Postels Kunstprojekt erneut wieder aufgebaut. „Leider ist dabei viel kaputt gegangen”, bedauert Postel. Er hofft, dass die Behörde die zerstörten Schilder wieder herstellt. Folgt also noch ein dritter Akt? Zeit wäre noch bis zum 15. Oktober. So lange ist Wolfgang Postel die Sondernutzungsgenehmigung für die Verkehrsinsel erteilt, so lange ist der Müll kein Müll sondern Kunst und Mahnung.  kn

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