Freude bei Kindern Frust bei Eltern. Was tun, wenn die Kita Sommerpause macht? Foto:fotolia

Kita zu! Und nu?

Notgruppen sind weit mehr als ein Notnagel für Eltern in Zeitnot

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Wer schulpflichtige Kinder hat, muss sich immer etwas einfallen lassen, um die Sommerferien zu überbrücken. Aber auch viele Kita-Eltern müssen improvisieren.

 

Eine Woche nimmt Mama frei, eine Woche Papa und die dritte Woche sind die Kinder bei den Großeltern: Dieses Betreuungsmodell ist weit verbreitet, wenn Kindergärten im Sommer schließen. „Genauso haben wir es auch schon gemacht“, berichtet Franziska Brügger aus Schnelsen. „Aber die Wochen, die man als Eltern nicht gemeinsam frei nehmen kann, sind einfach kein Familienurlaub.“ Und der fehle dann an anderer Stelle. Außerdem habe ja nicht jeder Großeltern, die mal eben einspringen können. Und nicht jeder Arbeitgeber zeige beim Thema Ferienplanung das nötige Entgegenkommen.

Zettel wie diese sorgen nicht überall für gute Stimmung Foto: kk

Die Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration informiert, dass Kitas, die in den Ferien Schließzeiten haben, verpflichtet sind, eine Vertretung anzubieten, wenn die Eltern dies wünschen. Meist werden dann sogenannte „Notgruppen“ eingerichtet, in denen Kinder verschiedener Kitas an einem Standort gemeinsam betreut werden. „Der Name wirkt allerdings schon ziemlich abschreckend“, erzählt Brügger. „Und ‚Notgruppe‘ passt auch so gar nicht zu der Ferienbetreuung, die meine Kinder erlebt haben.“ Gerade ihr Vorschulkind habe es genossen, mal ganz andere Spielsachen zu entdecken und neue Kinder kennenzulernen. Auch die kleinere Schwester (3) habe sich wohlgefühlt, zumal eine ihrer gewohnten Erzieherinnen am anderen Standort mit dabei ist. Bedenken, man mute den Kindern mit der neuen Umgebung zu viel zu, waren zum Glück unbegründet. „Viele Eltern wissen aber gar nicht, dass sie dieses Angebot nutzen können. Sie denken, ein Urlaubsengpass reiche als Begründung für eine ‚Notfallbetreuung‘ nicht aus. Auch deshalb ist die Bezeichnung so misslich.“

Gründe, warum eine Kita überhaupt so lange Schließzeiten hat, gibt es mehrere: Erholung der Angestellten etwa oder Zeit für Reparaturarbeiten. Und es gibt noch einen besonders gewichtigen Punkt: „Natürlich sind Kitas mit Schließzeiten für die Arbeitgeberseite insofern im Vorteil, dass ein großer Teil des jährlichen Urlaubsanspruchs schon geregelt ist“, räumt Annkatrin Eschler ein. Sie leitet die elbpiraten-Kita in Lokstedt, die (bis auf wenige Fortbildungstage)  durchgehend geöffnet ist. Den höheren Planungsaufwand nehmen Kitas wie ihre zugunsten der höheren Flexibilität – für Mitarbeiter und Eltern – gern in Kauf. Im Gegenzug appelliert Eschler an die Mithilfe der Familien: Wenn deren Urlaubspläne rechtzeitig bekannt gegeben werden, kann man Zeiten mit geringerer Auslastung für Überstundenabbau nutzen.  kk

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