Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz beantwortete in Niendorf Fragen zu den verheerenden Ausschreitungen beim G20-Gipfel Foto: cs

„Ich habe mich nie verdrückt!“

Bürgermeister Olaf Scholz stellt sich in Niendorf den Fragen von rund 300 Zuhörern zum G20-Gipfel

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Olaf Scholz in Niendorf: Eigentlich hatte es eine Wahlkampfveranstaltung des Eimsbütteler Bundestagsabgeordneten Niels Annen (SPD) werden sollen. Doch der anstehende Urnengang interessierte offensichtlich kaum jemanden. Denn es waren vor allem die verheerenden Ausschreitungen des G20-Gipfels, die die Menschen noch bewegten.

 

Unter großem Polizeiaufgebot und begleitet von zahlreichen Fernsehkameras drängten sich rund 300 Zuschauer im Saal und Foyer der Kursana-Residenz – zwei Tage nach dem G20-Gipfel. Sie alle wollten dem Ersten Bürgermeister der Stadt auf den Zahn fühlen. War es ein Fehler, den Gipfel in Hamburg stattfinden zu lassen? Waren zu wenig Polizisten vor Ort? Wie konnte die Lage in der Schanze derart eskalieren? Scholz musste sich einigen kritischen Fragen stellen – und betonte: „Ich habe mich noch nie verdrückt – und fange damit auch gar nicht erst an!“

Und: „Ich habe die Sicherheitsgarantie gegeben – nach besten Wissen und Gewissen. Dass diese nicht gehalten werden konnte, das ist das Schlimmste für mich“, betonte er gleich zu Beginn – und wirkt dabei aufgeräumt, durchdacht und ehrlich.

Rein aus logistischen Gründen kämen in Deutschland nur Hamburg, Berlin oder München als Austragungsort einer Veranstaltung in dieser Größenordnung in Frage. Auf einen Mangel an Polizisten  sei die Eskalation der Gewalt nicht zurückzuführen. „Es waren genügend in der Stadt“. Auch ein Planungsfehler habe nicht vorgelegen. „Wir haben uns intensiv auf eine großeskalierte Situation vorbereitet.“ Doch das Ausmaß der Gewalt, das Trachten nach Leib und Leben von Polizisten, habe sich auch Scholz im Vorwege nicht vorstellen können. „Eine Fehleinschätzung“, wie er unumwunden zugab.

Schlimme Gaffer

Das vorherrschende Gewaltpotenzial des vermeintlichen „Schwarzen Blocks“ mache ihn dabei ebenso betroffen, wie die Menschen, die „mit einem Bier und einem Döner am Straßenrand standen und das Ganze für eine Party hielten“. „Woher kommt die Bereitschaft, Gewalt zu tolerieren?“, fragte Hamburgs Erster Bürgermeister, der sich in Niendorf um Volksnähe bemühte, bewusst immer wieder durch die Zuschauerreihen wanderte. Es müsse eine politische Debatte, eine klare Distanzierung von Gewalt geben, forderte Scholz abschließend – auch und vor allem von Parteien, die sich links neben der SPD befänden. cs

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