Auf die Niendorfer ist Verlass!

Spendensammlung für Geflüchtete übertrifft alle Erwartungen

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Als es unablässig in Strömen regnete, zweifelte Nina Schrader von der Flüchtlingsinitiative „Wir für Niendorf“ schon am Erfolg ihrer geplanten Sammelaktion.

„Ich weiß nicht, ob ich bei dem Wetter losgefahren wäre“, gibt sie zu. Und dann waren innerhalb von 15 Minuten alle sechs Gitterwagen, die „Hanseatic Help“ an der Alten Schule am Tibarg abgestellt hatte, voll. Eine ältere Dame transportierte zwei Tüten mit ihrem Rollator, Kinder kamen mit liebevoll ausgewählten Einzelstücken, Familien mit bis unter die Decke beladenen Autos. Am Gymnasium Ohmoor ein ähnliches Bild: Ein 7,5-Tonner war in kürzester Zeit gefüllt, außerdem musste ein 3,5-Tonner zweimal fahren. Die 20 freiwilligen Schüler der Klassen 5 und 6 und Mitglieder des Schulsprecherrats ließen sich in ihrem Engagement vom Dauerregen nicht abhalten. Sie freuten sich, dass wie erhofft nicht nur Kleidung, sondern auch Fahrräder und andere Sportsachen abgegeben wurden. Dank solcher Spenden können Geflüchtete ihre Freizeit aktiver selbst gestalten.
Hand in Hand

Mokhtar (li.) und Ali sind aus Afghanistan und Syrien geflüchtet und packen nun gern beim Sammeln mit an

Einmal im Vierteljahr soll die gemeinsame Sammelaktion in Zukunft stattfinden. Zum einen, um Hanseatic Help zu unterstützen. Zum anderen, um den Niendorfern eine Möglichkeit zu bieten, vor Ort im Stadtteil zu spenden. „Wir hatten hier von Anfang an einen Riesen-Rückhalt, was Spenden angeht“, berichtet Nina Schrader. „Inzwischen haben wir selbst aber nur noch eine große Kleiderkammer in der Erstaufnahme Schmiedekoppel und keine externen Sammelstätten mehr. Direkt vor den Kunden Spenden anzuliefern, ist immer schwie- rig. Da wir über 1000 Menschen betreuen, wäre auch einfach der Aufwand zu hoch. Dazu kommt, dass wir schon immer Sachen von Hanseatic Help dazubestellen mussten. Herren-Jeans in XS zum Beispiel werden bei uns einfach nicht oft gespendet.“
Da Hanseatic Help die Weiterverwertung der unsortierten Spenden übernimmt, können nun auch Gegenstände abgegeben werden, die sich für die Erstaufnahme nicht eignen. Bettdecken ohne Hygienesiegel etwa kommen Obdachlosen zugute.

Begegnungen

Und die Hilfsaktion hat noch einen weiteren Hintergrund: Das Begegnungszentrum „Café Mittenmang“ soll weiter belebt werden. Es ist ausdrücklich für alle und nicht nur für geflüchtete Niendorfer gedacht. „Deshalb habe ich heute auch jeden, der etwas gespendet hat, eingeladen, hochzugehen, ein Stück Kuchen zu essen, Kaffee zu trinken und sich das Haus anzugucken.“ Teilweise haben sich die Spender direkt von Jugendlichen für den Deutschunterricht einspannen lassen. kk

Hanseatic Help

Der Verein Hanseatic Help ist die größte Kleiderkammer Deutschlands. Die jüngst von Kanzlerin Angela Merkel ausgezeichnete gemeinnützige Organisation ging aus der 2015 spontan errichteten Kleiderkammer in den Messehallen hervor. Mittlerweile ist Hanseatic Help in der Großen Elbstraße angesiedelt, hat eine eigene Lagerlogistik und unterstützt hunderte Hilfsprojekte mit Lieferungen.

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