Halle plötzlich dicht

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Bis zu 750 Geflüchtete lebten fast ein Jahr lang in den ehemaligen Tennishallen in der Papenreye. Nun dürfen die leerstehenden Hallen nicht einmal mehr zum Fußballspielen genutzt werden.  „Das ist frustrierend. Und es ist traurig, so von oben gebremst zu werden“, beklagt Achim Pilz. Viele Monate hatte der „alte NTSV-Hase“ zusammen mit seinem Sportkollegen Gerhard Schultz Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan und Irak ehrenamtlich im Volleyball trainiert.

Im Herbst 2015 waren die ehemaligen Tennishallen im Zuge des hohen Flüchtlingsaufkommens unter Hochdruck als Unterkunft vom Betreiber Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) eröffnet worden. Nachdem im Oktober vergangenen Jahres die Menschen aus den Hallen in Container in der Erstaufnahmestelle Papenreye sowie in die neu eröffnete Unterkunft Schmiedekoppel umziehen konnten, standen die riesigen Hallen leer. 

Derzeit leben noch rund 200 Geflüchtete in Containern auf dem Gelände, die sich über Bewegung und Abwechslung freuen: „Der Zuspruch war fantastisch“, erzählt Achim Pilz. „Tischler aus Afrika haben Stangen für das Volleyballnetz gebaut. Erst kamen nur Jungs, ab Anfang des Jahres dann auch Mädchen.“ Neben Volleyball und Badminton wurde hier auch vom SC Victoria Fußballtraining angeboten, außerdem tobten sich die Kinder auf den großen Feldern aus. 

Anfang März standen Pilz und seine ehrenamtlichen Mitstreiter dann plötzlich vor verschlossenen Türen. Ein offizieller Grund wurde den Ehrenamtlichen, die mit viel Zeit und Leidenschaft den Weg in die Integration mit ebnen, nicht genannt. Betreiber ASB bedauert die vom Zentralen Koordinierungsstab  Flüchtlinge (ZKF) angeordnete  Schließung ebenfalls: „Wir müssen Folge leisten“, so ASB-Sprecherin Petra Witt. „Aktuell sind wir darum bemüht, Ersatz zu beschaffen, um unseren Bewohnern weiterhin die Aktivitäten und das Programm anbieten zu können.“ Aber warum durften in den Hallen monatelang Menschen untergebracht werden, aber kein Fußball und Volleyball gespielt werden?

 „Grundlage für die Nutzung der Tennishallen zur Flüchtlingsunterbringung war im Oktober 2015 die subsidiäre (Hilfe leistende) Rechtsgrundlage. In diesem Fall der Paragraf drei des Gesetzes zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (SOG), also die Vermeidung von Obdachlosigkeit“, erklärt Kerstin Graupner vom ZKF. Nachdem deutlich weniger Flüchtlinge in Hamburg ankamen, musste die Halle nicht mehr nach SOG für die Unterbringung von Schutzsuchenden genutzt werden. Stattdessen fanden dort mit Duldung des ZKF Freizeitaktivitäten statt.

Problem Brandschutz 

Bis das Bezirksamt Eimsbüttel sich einschaltete: „Um die Nutzung der Hallen für Spiel, Spaß und Sport auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen, die vor allem auch den Anforderungen des Brandschutzes entspricht, hat das Bezirksamt im Rahmen der Bearbeitung eines entsprechenden Nutzungsänderungsantrags des ZKF einen Brandschutznachweis eingefordert“, erklärt Bezirksamtssprecher Andreas Aholt.  Die Umsetzung der sich hieraus ergebenden, notwendigen Brandschutzmaßnahmen verursachen laut ZKF jedoch so enorme Kosten, dass die Nutzung der Hallen untersagt wurde. Für Achim Pilz und seine Mitstreiter wäre diese an sie gerichtete Begründung ein Zeichen der Wertschätzung gewesen. mf

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