Liebgewonnene Nachbarn sollen bleiben

Freiwillige Helfer setzen sich für Flüchtlingsunterkunft in Niendorf ein

Archiv| Views: 287

Niendorf ist für seine ausgeprägte Willkommenskultur bekannt. Nun zeigt der Stadtteil erneut Flagge. Weil die Flüchtlingsunterkunft an der Paul-Sorge-Straße wie geplant dieses Jahr geschlossen werden soll, setzen sich freiwillige Helfer und Anwohner dafür ein, die gut integrierten Bewohner im Stadtteil zu halten. Sie wollen ihre liebgewonnenen Nachbarn nicht verlieren. 

 

Wie bereits berichtet, sollte die Flüchtlingsunterkunft im April dieses Jahres aufgelöst und das Areal im Anschluss wieder als Park and Ride-Platz genutzt werden. Der ursprüngliche Plan: Die ersten Bewohner ziehen zum 1. April in eine neue Unterkunft, bis zum 30. April sollte jeder ein neues Zuhause gefunden haben. „Wo genau das sein wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest“ teilt Kerstin Graupner, Sprecherin des Zentralen Koordinierungsstabs Flüchtlinge (ZKF), vor gut einer Woche auf Anfrage des Niendorfer Wochenblatts mit. Ein Umstand, der nicht nur den rund 90 Geflüchteten, überwiegend Familien aus Syrien und Afghanistan,  Sorge bereitet. Auch viele freiwillige Helfer und Nachbarn wollen ihre liebgewonnenen Nachbarn nicht verlieren. Seit Monaten laufen Gespräche, wie der Umzug sozialverträglich und integrationsfreundlich gestaltet werden kann.

Termin steht lange fest

Denn: Dass es sich bei der Unterkunft, die im Jahr 2015 als Notmaßnahme nach dem Gesetz für die öffentliche Sicherheit und Ordnung (SOG) eingerichtet wurde, nur um eine Interimslösung handelt, stand von Anfang an fest. Sogar die Begrenzung der Maßnahme auf den 30. April 2017 ist bereits in einer  einstimmig beschlossenen Stellungnahme der Bezirksversammlung vom 22. September 2016 festgelegt.

Am Montag sind Vertreter des Zentralen Koordinierungsstabs Flüchtlinge, des Bezirks Eimsbüttel, des Betreibers „fördern und wohnen“, der Arbeitsgemeinschaft und des BID Tibarg sowie der Flüchtlingsinitiative „Wir für Niendorf“ zusammengekommen. „Es war ein sehr gutes und konstruktives Gespräch“, resümiert Dr. Michael Freitag, Regionalbeauftragter des Bezirks. Gemeinsam wurde nun der Wunsch an die Politik formuliert, die Unterkunft zumindest bis Ende August dieses Jahres weiterzuführen. „Damit die Kinder noch das Schuljahr in Niendorf zu Ende bringen können“, so Freitag weiter.

Parallel dazu bemüht sich die Flüchtlingsinitiative „Wir für Niendorf“ darum, private Wohnungen im Stadtteil oder der näheren Umgebung für ihre Schützlinge zu finden.

               

 „Wer sich dazu entscheidet, seine Wohnung an eine unsere Flüchtlingsfamilien zu vermieten, wird nicht allein gelassen“, verspricht Nina Schrader von „Wir für Niendorf“. So vernetzt die Initiative auf Wunsch mit anderen Vermietern, stellt ihnen einen Ansprechpartner zur Verfügung und unterstützt bei Sprachproblemen.

Petition gestartet

Doch damit nicht genug: Unabhängig davon hat eine kleine Gruppe freiwilliger Helfer auf der Online-Plattform change.org eine Petition mit dem Titel „Die Flüchtlingsunterkunft in HH-Niendorf soll bleiben! Helfen Sie, bevor es zu spät ist!“ gestartet. Mehrere hundert Menschen haben bereits unterschrieben. „Durch viel Zuwendung und eine ganze Reihe toller Projekte haben wir es geschafft, dass unter den Bewohnern ein starkes Gefühl der Solidarität gewachsen ist. Es ist wirklich traurig, dass dies nun zerstört wird“, betont Mit-Initiator Ernst Ludwig Galling. Auch wenn die Schließung der Unterkunft nicht verhindert werden kann, eines wurde zumindest erreicht: ein großes mediales Interesse, das über die vielen Aktivitäten für Flüchtlinge im Stadtteil berichtet. cs

 

 

Wohnung frei?

 

Wer eine Wohnung hat und diese gerne an Flüchtlinge vermieten möchte, meldet sich unter Tel. 32091868 oder per E-Mail an fluechtlingsarbeit@kirche-niendorf.de.

Comments are closed.