Das Startteam Heidi Kleeblatt (mittlerweile verstorben), Erwin Meyer, Sigrid Gutmann, Astrid Schulze und vorn Christa Döhn und Ingelor Schmidt (v.li.) beim Silvesterfoto Foto: nw

Frauen mit Power am Start

Die Gründung des Niendorfer Wochenblattes fiel in eine Zeit mit ganz viel Aufbruchsstimmung

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Im September feiert das Niendorfer Wochenblatt seinen 40. Geburtstag. Ein Grund, um in unserer Serie einmal auf diese 40 bewegten und bewegenden Jahres zurückzublicken.

 

Dass die Band „Baccara“, die mit ihrem Hit „Sorry, I´m a Lady“ im Herbst 1977 sieben Wochen lang an der Spitze der deutschen Singlecharts stand, gleich „ums Eck“ am Garstedter Weg in Niendorf zuhause war, ist reiner Zufall.  Aber eine Gruppe junger „Ladies“ war es auch, die im September etwas Neues und ganz eigenes auf die Beine stellte – das Niendorfer Wochenblatt.

Wenn sich Ingelor Schmidt, Gründerin des Niendorfer Wochenblattes, an diese Zeit erinnert, bekommt sie leuchtende Augen. Überall wurde gebaut, die jüngere Generation übernahm die Familiengeschäfte der Eltern, neue wurden gegründet – Aufbruchstimmung!  „Der Stadtteil guckte in die Zukunft“, erinnert sich die Verlagskauffrau. „Wir waren alle um die 30 und mittendrin und wollten vorwärts – es wurde wie verrückt gearbeitet.“ Es gab bereits den monatlichen „Niendorfer Anzeiger und Nachrichten“, der von Ulrike Wolf 1972 gegründet worden und in den Schmidt 1974 eingestiegen war. Zwei Jahre später – Wolf setzte ihre Karriere beim NDR fort – entwickelte sie daraus das Niendorfer Wochenblatt, das bis heute partnerschaftlich mit dem Hamburger Wochenblatt verbunden ist.

Die neue Redaktion des jungen „Start up-Unternehmens“ war weiblich und energiegeladen: Heidi Kleeblatt, Astrid Schulze, Sigrid Gutmann. Die drei fanden in Niendorf, Schnelsen und Lokstedt unzählige Themen, die es wert waren berichtet zu werden. So war die geplante Bebauung des Niendorfer Ohmoors ein zu der Zeit heiß und kontrovers diskutiertes Thema, der U-Bahnbau rückte näher, riesige neue Baugebiete waren angedacht…

Ingelor Schmidt zog in den Stadtteilen von Laden zu Laden, um Werbung in eigener Sache zu machen und die Geschäftsleute zu überzeugen, dass Werbung im frischen, neuen Niendorfer Wochenblatt ein Gewinn für sie und das Geschäft sei. „Die Türen standen mir offen, die Geschäftsleute waren bereit und wollten Neues wagen. Da kamen wir im richtigen Augenblick zusammen“, erinnert sie sich. Sie beriet die Kunden mit Text und Gestaltung der Anzeigen, stellte nachts das Layout der Zeitung zusammen, und kümmerte sich um die Satz- und Druckabwicklung.

Im klitzekleinen Büro im 1. Stock im Hause Meisel am Tibarg 26 und in der benachbarten Wohnung von Ingelor Schmidt wurde die erste Ausgabe geplant. Christa Döhn nahm halbtags Kleinanzeigen auf, assistierte beim Layout und war überhaupt der gute Geist für alles. Zur Erinnerung: Von Computern war noch lange nicht die Rede. Eine kleine Olympia- Schreibmaschine, Festnetztelefon, Papier, Schere, Klebstoff, Bleistift – damit wurde Zeitung gemacht.

Am 22. September 1977 war es dann soweit: Die Frauen hielten die erste Ausgabe ihres „Niendorfer Wochenblattes“ in den Händen. „Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Wir waren stolz, glücklich, aber auch ein bisschen erleichtert, dass wir diese große Aufgabe gemeistert hatten“, erzählt Schulze.Übrigens: Mit Erwin Meyer, wegen seiner Rubrik“ Beten Platt in`t Wochenblatt“ Plattdeutsch-Meyer genannt, erhielt die Redaktion bald auch männliche Unterstützung.

Wie es weiterging mit dem Niendorfer Wochenblatt und was in den 80er Jahren so alles im Stadtteil passierte, das ist im nächsten Teil unserer Serie 40 Jahre Niendorfer Wochenblatt zu lesen – in rund vier Wochen. si

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