Gegen die geplante Mietpreiserhöhung gründete sich eine Mieter-Initiative Foto: mf

Protest formiert sich

Mietpreisbindung läuft aus - in der Lenzsiedlung werden die Mieten erhöht

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Seit mehr als 40 Jahren finden Menschen mit geringem Einkommen in der Lenzsiedlung bezahlbaren Wohnraum. Zum 1. Januar läuft für 860 der 969 Wohnungen die Sozialbindung aus. Dagegen gründete sich eine Mieter-Initiative.

 

Um 7,5 Prozent wird die SAGA GWG die Kaltmiete ab 1. Januar erhöhen. Das bedeutet für die Mieter eine monatliche Mehrbelastung von rund 30 Euro. Für viele von ihnen ist das viel Geld. Und sie befürchten weitere Erhöhungen bis hin zu marktüblichen Preisen: „Das wäre dann ein Niveau, das für viele nicht mehr erreichbar ist“, so Manuela Pagels (Die Linke), die seit 1996 in der Lenzsiedlung lebt.

Zusammen mit zwei Nachbarinnen gründete sie eine Mieter-Initiative, der sich 157 Bewohner angeschlossen haben. Eine von ihnen ist Irma Woelk. Die 89-jährige war 1975 eine der ersten, die mit ihrer Familie in die Lenzsiedlung zog. „Unsere Wohnung in der Hafenstraße auf St. Pauli sollte damals abgerissen werden. Hier möchte ich nicht mehr weg“, erzählt sie. Ihre 80 Quadratmeter große Wohnung ist ihr nach dem Tod ihres Mannes und Auszug der Kinder zu groß geworden, gern würde sie innerhalb der Lenzsiedlung gegen eine kleinere tauschen. Das möchten auch andere Mieter gern: „Als Bewohner hat man aber den Eindruck, dass die SAGA das unterbindet“, beobachtet Manuela Pagels.

 

Dem widerspricht Unternehmenssprecher Gunnar Gläser: „Grundsätzlich nimmt SAGA GWG die Wünsche von Mietern nach einem Wohnungstausch aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen ernst und unterstützt bei der Suche nach einer passenden Wohnung, insbesondere auch innerhalb einer Siedlung.“ Unterstützt wird die Mieter-Initiative von Heike Sudmann, wohnungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion: „Die Wohnungen sollten Sozialwohnungen bleiben. Die SAGA als städtisches Unternehmen kann das durchsetzen“, fordert sie und weist über die Lenzsiedlung hinaus: „2017 laufen 3100 SAGA- Wohnungen aus der Sozialbindung. Jährlich werden aber nur 3000 neue Sozialwohnungen gebaut.“

Unterstützen die Mieter Landessprecher Rainer Benecke und Heike Sudmann, wohnungspolitische Sprecherin der Linken Foto: mf

Die SAGA verspricht: „Ziel des Unternehmens ist es, die Lenzsiedlung auch langfristig mit günstigen Mieten am Markt zu halten und Mietanpassungen sehr sensibel zu gestalten. So sind Anpassungen auf maximal 7,5 Prozent je Wohnung begrenzt, was deutlich unterhalb der gesetzlichen Möglichkeiten liegt.“

Bei der Mieter-Initiative bleibt die Sorge vor Verdrängung durch finanzstärkere Mieter bestehen. Sie hat Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) schriftlich zu einem Runden Tisch aufgefordert und überlegt, dem Stadtteilbeirat beizutreten. „Wir wollen ein Wörtchen mitreden, wir leben hier!“ formuliert es eine Bewohnerin. mf

 

Unterstützen die Mieter Landessprecher Rainer Benecke und Heike Sudmann, wohnungspolitische Sprecherin der Linken Foto: mf

Das ist die Lenzsiedlung in Lokstedt

 

Im Februar 1974 legte der damalige Bausenator Caesar Meister den Grundstein für das Großprojekt Lenzsiedlung an der Grenze zwischen Lokstedt und Eimsbüttel. Heute leben hier mehr als 3000 Menschen aus 60 Nationen. Als die Siedlung als „sozialer Brennpunkt“ Schlagzeilen machte, entstand auf Initiative der Bewohner vor 39 Jahren der Verein Lenzsiedlung e.V. zunächst für die offene Kinder- und Jugendarbeit, später folgten das Bürgerhaus mit seiner Gemeinwesenarbeit für Familien, der Pädagogische Mittagstisch und das Musikprojekt. Laut Lenzsiedlung-Geschäftsführer Ralf Helling sei Armut hier ein großes Thema: „Rund ein Drittel der Bewohner lebt von Transferleistungen.“

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