Hilfe zur Selbsthilfe

In der Fahrradwerkstatt Niendorf schrauben Freiwillige und Geflüchtete

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Auf dem Gelände der Friedhofsgärtnerei im Sootbörn 15 herrscht jeden Donnerstagnachmittag viel Andrang: Dann öffnet die Fahrradwerkstatt ihre Türen, in der Ehrenamtliche und Geflüchtete gemeinsam alles reparieren, was Räder hat.

 

Das Fahrrad von Jawad Kasemi braucht eine neue Lichtanlage. Holger Schlüter, ausgebildeter Fahrradmonteur, hat das Rad aufgebockt und erklärt, was zu tun ist. Massoud Rahimi übersetzt. Der Afghane spricht fünf Sprachen und kommt regelmäßig zum Dolmetschen in die Fahrradwerkstatt. Mittlerweile aus Hammerbrook, wo er nach der Unterbringung in der Niendorfer EA Papenreye eine Wohnunterkunft erhalten hat. „Wir wollen hier eine Mitte zwischen Hilfe und Selbsthilfe finden“, erklärt Holger Schlüter, während er konzentriert schraubt.

„Da wir kein Laden sind und auch kein Ersatzteillager haben braucht man oft viel Fantasie, um die Räder wieder zum Laufen zu bringen.“ Die Fahrräder wurden gespendet und sind häufig kaputt. So wie das Kinderrad, bei dem Klaus Hoffmann die Kette kürzen muss. Der gelernte Dreher ist ein weiterer Freiwilliger von insgesamt fünf Ehrenamtlichen. Nach den Ereignissen in Köln zur Jahreswende wollte er „keine Vorurteile aufkommen lassen und sich selbst engagieren.“ Bei den Geflüchteten, die hier selbst montieren, erkennt er „ein unglaubliches Improvisationstalent. Ich glaube, da ist noch viel Potenzial.“ Ins Leben gerufen wurde die Fahrradwerkstatt von dem Niendorfer Tobias Schirmer und der Unterstützer-Initiative Wir für Niendorf. „Wir würden hier gern Geflüchtete als Mechaniker gewinnen“, wünscht Tobias Schirmer sich. Aufgrund der hohen Fluktuation in den Erstaufnahmestellen sei das aber schwierig.   Viele Stammgäste kommen trotzdem regelmäßig in die Fahrradwerkstatt. mf

 

Spenden und Unterstützung gesucht

 

Die Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt sucht fahrbereite Fahrräder. Schrottreife Räder werden nicht angenommen.  Außerdem freuen sich die Ehrenamtlichen über weitere Freiwillige mit handwerklichem Geschick oder Koordinationstalent, da in der Werkstatt nicht nur Schraubarbeiten sondern auch Organisationstätigkeiten warten. Die Werkstatt im Sootbörn 15 in Niendorf ist donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet und erreichbar unter fahrradwerkstatt@kirche-in-niendorf.de

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