Kraftvoll plädierte die 92- Jährige Esther Bejerano für Menschlichkeit. Die Ohmoor- Schüler waren von den Lebenserinnerungen sichtlich bewegt Foto: Lehmann

Bewegende Schilderungen

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Zweieinhalb Stunden, die wie im Flug vergingen: Fast 100 Schüler aus dem Gymnasium Ohmoor erlebten die Erinnerungen der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejerano.

 

Was sie als junges Mädchen damals rettete, war die Musik. Für ein Orchester im Konzentrationslager wurde eine Akkordeonspielerin gesucht. Obwohl sie nur Klavier spielen konnte, meldete die junge Esther sich und bestand beim Vorspielen: „Es war ein Wunder.“ Die Befreiung 1945 erlebte sie dann wie eine neue Geburt. Beim Todesmarsch durch Mecklenburg gelang ihr die Flucht in den Wald.

Sie traf auf amerikanische und russische Soldaten, und nach dem Tod des Diktators Hitler wurde gemeinsam gefeiert und getanzt, und Esther Bejerano spielte Akkordeon dazu. Die Eltern erlebten die Befreiung nicht mehr, ebenso die Schwester Rita, die aus Nazi-Deutschland fliehen wollte: „Hätte die Schweiz meine Schwester und ihren Mann nicht abgewiesen, sie hätten überleben können.“

Kraftvoll forderte die fast 92-Jährige die Schüler auf, Stellung zu beziehen gegen Hetze und Menschenverachtung. Ob sie Rachegefühle verspüre, wurde sie nach der Lesung gefragt. „Früher, im KZ – ja. Heute – nein. Meine Rache ist, dass ich hier sitze und erzähle, was damals verbrochen wurde. Und ich werde gehört.“ Die Jugend von heute sei offener und kritischer als früher. Das mache ihr Mut, sagte Esther Bejerano.Große Pläne hat sie auch: Mit den Rappern der „Microphone Mafia“, die Bejerano-Texte vertonen, will sie nächstes Jahr in Kuba auftreten.

 Nach der Bejerano-Veranstaltung geht in Niendorf die Gedenkarbeit im November weiter, wenn das Gymnasium Ohmoor und die evangelische Kirche an die Judenverfolgungen des Jahres 1938 erinnern. bk

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