Fronten sind verhärtet

Bezirksamt erklärt Bürgerbegehren gegen Lokstedt 65 für unzulässig

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Die geplante Julius-Vosseler- Siedlung an der gleichnamigen Straße in Lokstedt sorgt weiterhin für Zündstoff im Bezirk. „Kleingärten oder Wohnungsbau?“ an dieser Frage scheiden sich die sprichwörtlichen Geister.

 

Die Laubenpieper des Vereins „Gartenfreunde der Mühlenkoppel“ kämpfen seit Monaten für den Erhalt ihrer insgesamt 29 Parzellen. Gemeinsam mit den Nachbarn der umliegenden Häuser, zum Teil einstöckige, milieugeschützte Immobilien, haben sie kürzlich ein Bürgerbegehren gestartet, reichten quasi aus dem Stand mehr als 2000 Unterschriften gegen das Bauvorhaben im Stadtpark Eimsbüttel (Lokstedt 65/Stellingen 68) beim Bezirksamt ein. „Uns geht es um den Erhalt der Grünflächen in Eimsbüttel. Wir sind nicht generell gegen Wohnungsbau, aber bitte zuerst auf bereits versiegelten Flächen!“, betont Mitinitiator Jörg Dembeck im Gespräch mit dem Niendorfer Wochenblatt. Er ist sich sicher: „Die erforderlichen knapp 6000 Stimmen hätten wir ebenfalls zusammenbekommen. Wir sind sehr umtriebig.“ Aber: Das Bezirksamt hat das Bürgerbegehren für unzulässig erklärt. Der Grund: Es gibt einen Senatsbeschluss, der den Bezirk anweist, das Vorhaben zügig umzusetzen – und laut Bezirksverwaltungsgesetz darf der Bezirk eben nicht gegen Senatsbeschlüsse verstoßen. Aufgeben kommt für die Bürgerinitiative „Hände weg von städtischem Grün“ dennoch nicht in Frage. Sie haben bereits juristische Schritte gegen die Unzulässigkeit eingeleitet.

Zum Hintergrund: Wie bereits berichtet, soll auf der 16000 Quadratmeter großen Kleingartenfläche ein neues Wohnquartier mit etwa 180 Wohnungen entstehen. Als Ausgleichsflächen sind für die Pächter der betroffenen Kleingartenvereine das Areal der Flüchtlingsunterkunft an der    Niendorfer Straße sowie das Grundstück Hagenbeckstraße 100-112 vorgesehen. Das Wohnhaus, das zur Baugenossenschaft dhu gehört, soll abgerissen und auf einem Teil der Kleingartenfläche wieder aufgebaut werden.

Neueste Entwicklung: Die „Vereinigung Eimsbütteler Gartenfreunde“, ein benachbarter Kleingartenverein an der Hagenbeckstraße“ hat sich außerdem bereit erklärt, mittels Nachverdichtung Platz für mindestens 20 neue Parzellen zur Verfügung zu stellen. Zusammen mit den Grundstücken an der Niendorfer Straße und der Hagenbeckstraße würden den Kleingärtnern auf diese Art und Weise sogar 20 zusätzliche Parzellen und 100 Quadratmeter mehr Fläche als zuvor zur Verfügung stehen. „Das ist ein tragfähiger Kompromiss, der auch durch den Widerstand des Kleingartenvereins zustande gekommen ist“, so Dirk Sielmann, Vorsitzender des Landesbunds der Gartenfreunde. Ob dies wirklich zur Beruhigung der Gemüter beitragen kann, bleibt indes abzuwarten. Die Fronten sind verhärtet – und werden es wohl auch bleiben. cs

 

Das ist geplant

 

Auf der Fläche der Kleingartenvereine „Mühlenkoppel“ und „Scheinwerfer“ entstehen 180 Wohnungen mit drei bis fünf Geschossen – die Hälfte als sozialer Wohnungsbau, öffentlich gefördert auf dem ersten und zweiten Förderweg. Bauherren sind die Baugenossenschaft dhu und die Quantum Immobilien AG. Außer dem öffentlich geförderten Wohnungsbau sind frei finanzierte Mietwohnungen und „zeitgemäßes innerstädtisches“ Wohneigentum vorgesehen sowie eine Kita, ein Spielplatz und Grünflächen. Derzeit läuft ein Architekturwettbewerb, über den Siegentwurf wird Ende der Woche entschieden. Baubeginn soll im November 2018 sein, Fertigstellung  2020.

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