Im Gespräch Angelika Zander (li.) und Christina Sluga trafen Dr. Roland Heintze (2. v.li.) und Rüdiger Kruse Foto: nw

Von Machtkampf keine Spur

Roland Heintze und Rüdiger Kruse zeigen sich im Interview auf einer Linie

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Beide gehören zu den tragenden Säulen der Hamburger CDU, beide sind waschechte Niendorfer: Der Landesvorsitzende Dr. Roland Heintze und der Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse trafen sich mit Verlagsleiterin Angelika Zander und Redakteurin Christina Sluga beim Niendorfer Wochenblatt zum Gespräch. Im Interview räumen die beiden mit angeblichen Streitigkeiten auf und sprechen über ihre Zukunftspläne.

 

Niendorfer Wochenblatt: Vor ein paar Monaten ging es durch alle Medien: „In der Hamburger CDU bahnt sich ein Machtkampf zwischen Rüdiger Kruse und Roland Heintze an“. Angeblich wollten Sie, Herr Heintze, Herrn Kruse seinen Sitz im Bundestag streitig machen und 2017 zur Bundestagswahl antreten.  Und: War dem so?

Roland Heintze: Ich glaube, viele Medien hätten es gern so gehabt. Im Endeffekt habe ich nur gesagt, dass ich prüfe, wo ich mich in den nächsten Jahren politisch einbringen möchte. Ich wollte Herrn Kruse weder sein Amt streitig machen, noch haben wir uns gestritten. Im Gegenteil: Er leistet hervorragende Arbeit in Berlin und ich werde ihn im Wahlkampf unterstützen.

 

NW: Ihre mögliche Bundestagskandidatur war also kein Thema zwischen Ihnen?

Heintze: Natürlich haben wir darüber gesprochen – sehr viel sogar. Aber wir kennen uns seit 25 Jahren und haben schon kritischere Situationen überstanden. Im Übrigen zieht es mich nach Europa. Ich werde mich bei der Wahl 2019 um einen Sitz im EU-Parlament bewerben. Bis es soweit ist, konzentriere ich mich weiter auf meine Aufgaben als Landeschef der Hamburger CDU.

 

NW: Wie bewerten Sie die Situation der Hamburger CDU aktuell?

Heintze: Unsere Bürgerschaftsfraktion leistet wirklich gute Arbeit. Besonders in unseren Schwerpunktthemen Verkehr und Innere Sicherheit ist es  gelungen, mit unseren Alternativen wieder sichtbar zu werden. Alles in allem ist die Stimmung gut.

 

NW: Apropos Stimmung, wie ist denn aktuell die Stimmung in Berlin? Kanzlerin Angela Merkel hat eine erneute Kanzlerkandidatur noch nicht bekannt gegeben. Ein Grund, nervös zu sein?

Rüdiger Kruse: Keinesfalls. Die Union, ich eingeschlossen, steht hinter der Kanzlerin. Ich denke, sie wird wieder antreten. Sie lässt sich mit der Verkündung Zeit, weil sie den Wahlkampf möglichst lange aus der „normalen“ Regierungsarbeit heraushalten möchte. Eine sehr weise Entscheidung.

 

NW: Kommen wir zurück zu Europa: Viele Menschen haben von der EU aktuell keine besonders hohe Meinung. Wie lässt sich denn Ihrer Meinung nach das Vertrauen zurückgewinnen?

Heintze: Erst einmal ist es wichtig, den Brexit vernünftig, aber konsequent abzuwickeln. Außerdem sollten wir diese Zäsur nutzen, um ernsthaft zu prüfen, was uns wichtig ist. Der wirtschaftliche Binnenmarkt und die Arbeitnehmerfreizügigkeit sind meiner Meinung nach unverzichtbar. Sie gilt es weiter zu stärken. In anderen Punkten sollten den Nationalstaaten wieder mehr Kompetenzen zugestanden werden.

 

NW: Flüchtlinge und Integration sind nach wie vor zentrale Themen unserer Gesellschaft. Auch in ihrer Partei wurde immer wieder die Einführung einer Obergrenze für Zuwanderung gefordert. Wie sehen Ihre Positionen aus?

Heintze: Ich denke, unser beider  Positionen sind da ganz ähnlich. Solange die Zahlen unter 500 000 pro Jahr bleiben, benötigen wir keine Obergrenze. Die Integration der Menschen wird uns noch sehr lange beschäftigen. Die erste und schnellste Form der Integration kann nur über den Arbeitsmarkt funktionieren.

Kruse: Die Frage nach einer Obergrenze ist eine Phantomdebatte, die von der wichtigen Aufgabe ablenkt, die illegale Migration zu senken. Darauf sollten sich alle Beteiligten konzentrieren.

 

NW: Herr Kruse, 2009 konnten Sie zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik den Wahlkreis Eimsbüttel gewinnen. Damals hieß ihr sozialdemokratischer Gegner Danial Ilkhanipour. Bei der Bundestagswahl 2013 verloren Sie dann Ihr Direktmandat an Niels Annen. Welche Chancen rechnen Sie sich für 2017 aus?

Kruse: Gute Chancen. Der Wahlkreis vereint heute viele Milieus und unterschiedliche Lebensentwürfe. Ich will den Menschen nicht vorgeben, wie sie leben sollen, sondern ihnen Möglichkeiten anbieten. Entscheiden sollen sie selbst. Das ist mein grundlegendes Politikverständnis.

 

NW: Was sind die zentralen Themen, mit denen Sie in den Wahlkampf ziehen?

Kruse: Mein Herzensthema ist nach wie vor die Nachhaltigkeit. Da konnte ich im Haushaltsausschuss bei der Schwarzen Null mitarbeiten: 2014 haben wir das erste Mal seit 40 Jahren einen Bundeshaushalt ohne neue Schulden verabschiedet. Als Beauftragter für die maritime Wirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist es mir zudem wichtig, die maritime Wirtschaft wieder zukunftsfähig zu machen. Das ist wichtig für Hamburg und den Bezirk, auch wenn Eimsbüttel leider noch keinen direkten Zugang zur Elbe hat (lacht).

 

NW: Was wollen und können Sie vom Bundestag aus für Eimsbüttel und speziell für unsere Stadtteile erreichen?

Kruse: Als Mitglied des Haushaltsausschusses bietet sich mir ein guter Gestaltungsraum. Konkret konnte ich im Jahr 2015 z. B. 25 000 Euro aus dem Bundeshaushalt für die Sanierung  der Wandmalereien in der Grundschule Frohmestraße durchsetzen. Für Eimsbüttel waren es in der Vergangenheit z.B. 900 000 Euro Förderung für die Hochschule für Musik und Theater oder 250 000 Euro für das Jüdische Bildungszentrum am Rothenbaum. cs

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