Im Austausch Andreas Dressel wurde von Marc Schemmel und Dr. Monika Schaal zum Gespräch mit Miriam Flüß und Angelika Zander vom Wochenblatt begleitet (von rechts) Foto: si

„Vor so viel Engagement ziehe ich den Hut“

Andreas Dressel (SPD) im ausführlichen Gespräch mit dem Niendorfer Wochenblatt über Willkommenskultur, Baustellenärger und Car-Sharing

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Auf seiner Sommertour besucht Andreas Dressel, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Hamburgischen Bürgerschaft, alle 17 Bürgerschaftswahlkreise. Das Gespräch mit dem Wochenblatt hat dabei schon Tradition. In die Redaktion begleiteten Dressel seine Niendorfer Fraktionskollegen Dr. Monika Schaal und Marc Schemmel, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft.

 

Niendorfer Wochenblatt: Herr Dressel, Sie kommen gerade aus der neuen Erstaufnahmeeinrichtung Schmiedekoppel. Was ist Ihr Eindruck?

Andreas Dressel: Dort gibt es eine tolle Infrastruktur, zu der auch der moderne Medizin-Container mit Telemedizin gehört. Der Betreiber, der Arbeiter-Samariter-Bund, möchte außerdem mit einem Bewohner-Beirat neue Strukturen schaffen, um die Geflüchteten zu beteiligen. Auch die Willkommens-Initiative Wir für Niendorf war vor Ort. Ich kann nur den Hut davor ziehen, was die Ehrenamtlichen in Niendorf, Lokstedt und Schnelsen gemeinschaftlich tragen.

 

NW: Die Willkommenskultur in den Stadtteilen gilt als vorbildlich, Initiativen gegen Unterkünfte haben sich nicht gebildet. Die Anwohner im Lokstedter Hagendeel und in Burgwedel kritisieren jedoch, dass ihre Sorgen (vor Überschwemmungen im Hagendeel und einem neuen sozialen Brennpunkt in Burgwedel) von der Politik nicht ernst genommen werden. Sind die Bürger hier zu still? Müssen sie laut werden und Druck machen, so wie die Mitglieder des Dachverbandes „Initiativen für erfolgreiche Integration“ (Ifi)?

Dressel: Nein, niemand muss Sorge haben, hinten runter zu fallen, weil er kein bezirkliches Bürgerbegehren eingebracht hat oder nicht dem Dachverband angeschlossen ist. Wir waren bei den Verhandlungen sehr darauf bedacht, auch die anderen Standorte im Blick zu behalten. Es wird einen verbindlichen Verteilungsschlüssel geben, auf den die Stadtteile sich beziehen können. Die Plätze in der Schmiedekoppel wurden bereits von 1 800 auf 950 reduziert, auch die Tennishallen in der Papenreye wurden geräumt.

 

NW: Die Verhandlungen mit Ifi ergaben aber doch, dass nicht mehr als 300 Geflüchtete in einer Unterkunft leben sollen?

Dressel: Diese Formel gilt für Neuplanungen in ganz Hamburg. Es können aber nicht sofort alle Standorte auf 300 Plätze reduziert werden. Die Erstaufnahmeeinrichtungen sind von dieser Regelung allerdings nicht betroffen. Hier wollen wir aber eine deutlich kürzere Verweildauer erreichen.

 

NW: Sie sprachen Ihren Dank für die Ehrenamtlichen aus, deren Arbeit sehr belastend sein kann. Wie werden diese Menschen unterstützt?

Dressel: Wir haben Gelder eingestellt, um den Helfern das Helfen zu erleichtern und mit dem Forum Flüchtlingshilfe eine Struktur geschaffen, um Helfer zu vernetzen. Die Idee hierzu ist übrigens am Runden Tisch der Niendorfer Flüchtlings-Initiative entstanden.  

 

NW: Alle drei Stadtteile sind am Wachsen, Verkehrsnetze werden ausgebaut – das macht sich für viele Bürger zunächst einmal unangenehm mit einer hohen Baustellendichte bemerkbar. Da viele unterschiedliche Träger am Werk sind, sind meist keine gesammelten Informationen verfügbar.

Dressel: Natürlich sollte eine Straße im Zuge einer Baumaßnahme im besten Fall nur einmal aufgerissen werden. Die Koordination ist ein Dauerbrenner bei uns. Wir sind auf dem Weg und arbeiten mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen.

 

NW: Warum wird nicht nachts gebaut, um die Fertigstellung zu beschleunigen?

Dressel: Dann würden sich statt der Autofahrer die Nachbarn aufgrund der Lärmbelästigung beschweren.

 

NW: Durch Baustellen fallen einige Parkplätze vorübergehend weg. Abgesehen davon beklagen viele Bürger, die mit zwei oder sogar drei Jobs auf ein Auto angewiesen sind, dass es zu wenige Stellplätze gibt.

Dressel: Die SPD steht für Parkplatzvernichtungsprogramme nicht zur Verfügung. Der Straßenraum ist begrenzt und wir können keine Schneisen schlagen. Aber wir achten gerade an Gewerbestandorten darauf, dass genügend Parkmöglichkeiten vorhanden sind.

 

NW: Aber eigentlich soll man das eigene Auto stehen lassen?

Dressel: Wenn man fünfmal auf der Parkplatzsuche eine Stunde um den Block gefahren ist, denkt man vielleicht: Das kann auch anders gehen. Der Wochenendeinkauf lässt sich auch mit Car-Sharing erledigen. Mit der Verlängerung der S-Bahnlinie 21 nach Schnelsen wird der öffentliche Nahverkehr gestärkt und auch das Netz der Stadtrad-Standorte in Lokstedt und Niendorf wächst.

 

NW: Ein Switch-Angebot gibt es in diesen Stadtteilen aber noch nicht.

Dressel: Wir sind bemüht, das Angebot auszubauen. Wir brauchen aber Mietwagenfirmen, die mitmachen. Und die Nachfrage aus der Bevölkerung ist wichtig.

 

Gespräch: Miriam Flüß

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