Die Aue ist durch die Aufschüttung bereits verschwunden Foto: mf

Es wird aufgeschüttet

Hagendeel-Anwohner empört über Baumaßnahmen trotz Verfahrens

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Seit zwei Jahren wehren sich Anwohner gegen die Aufschüttung des Grundstückes Hagendeel 60. Hier soll mitten im Überschwemmungsschutzgebiet eine Flüchtlingsunterkunft für rund 600 Menschen entstehen.

 

Das Gericht hat noch nicht entschieden, gebaut wird trotzdem. Die Anwohner von Hagendeel, Wullwisch und Wehmerstieg dürfen auf ihren Grundstücken im Überschwemmungsschutzgebiet keine baulichen Veränderungen vornehmen. Bei Starkregen werden ihre Häuser und Gärten regelmäßig überflutet. Dass die 27 880 Quadratmeter große Aue Hagendeel dennoch 90 Zentimeter aufgeschüttet werden darf, soll eine Ausnahmegenehmigung möglich machen, gegen die die Anwohner juristisch vorgehen.

Durch Aufschüttung und Versiegelung der Fläche – da ist sich die Anwohner-Initiative zur Erhaltung der Aue Hagendeel sicher – fällt mit der Aue eine wesentliche Grundwasserausdehnungsfläche weg. Neben vollgelaufenen Kellern, Garagen und einer überlasteten Kollau befürchten die Anrainer „eine Überschwemmungsgefahr, die sich auch im weiteren Umfeld katastrophal auswirken wird.“

Als Anlieger haben sie jedoch kein Klagerecht, entschied das Oberverwaltungsgericht und wies eine zunächst vom Verwaltungsgericht stattgegebene Klage zurück. Im September ist die nächste Anhörung vor Gericht, doch die Bagger rollen bereits: „Innerhalb von vier Wochen haben 600 LKW-Ladungen die Fläche um 90 Zentimeter erhöht“, so Anwohner Uve Klenk fassungslos. 

Bezirksamtssprecher Elmar Schleif erläutert: „Das parallel dazu eingeleitete Hauptsacheverfahren ist noch anhängig. Die Entscheidung, von der Baugenehmigung Gebrauch zu machen und mit der Umsetzung  der Baumaßnahmen zu beginnen, liegt bei der Bauherrin fördern und wohnen.“

Auch an der Größe der aufzuschüttenden Fläche solle sich trotz sinkender Flüchtlingszahlen und der jüngst mit dem Dachverband für erfolgreiche Integration ausgehandelte maximale Belegung von 300 Geflüchteten pro Unterkunft nichts ändern: „Bereits geplante Unterkünfte dürfen erstmal umgesetzt werden“, erklärt Christiane Kuhrt vom Zen- tralen Koordinierungsstab Flüchtlinge (ZKF). „Während derzeit die Zahl der benötigten Plätze wegen der geringen Zuzugszahlen in den Erstaufnahme-Einrichtungen zurückgeht, braucht die Stadt jedoch jeden Platz in den Folgeunterkünften.“ mf

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