Momentan wird ein großer Teil des Vierenkamps vom Hamburger Flughafen für einen Saisonparkplatz genutzt, bald entstehen hier aber neue Firmen Foto: moe

Anwohner fühlen sich übergangen

Gegen die Bauvorhaben im Niendorfer Gewerbegebiet Vierenkamp mehrt sich der Widerspruch

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Ein erster neuer Betrieb entsteht gerade im Gewerbegebiet Vierenkamp, weitere sind in Planung (wir berichteten). Die Ängste und Befürchtungen der Anwohner hinsichtlich kommender Beeinträchtigungen ihrer Lebensqualität nehmen aber zu. Sie fühlen sich übergangen.

 

Bei der Erstellung des Bebauungsplans Niendorf 78 im Jahr 1998 wurden für das damals neu entstehende Gewerbegebiet Sonderregelungen festgeschrieben, die auch für die nun neu hinzukommenden Betriebe gelten. „Doch da es bei den bereits vorhandenen Betrieben zu einigen Verletzungen der Auflagen kam und einige Nachbarn sogar klagen mussten, sind wir natürlich wachsam“, so Anwohner Rolf Dehmel. Er wohnt im Sperlingsweg und sein Garten hinterm Haus grenzt, wie bei seinem Nachbarn, direkt an das Gewerbegebiet.

Um sich über das Kommende zu informieren, forderte Rolf Dehmel vom Bezirksamt Eimsbüttel eine Einsicht in die Akten der Bauten ein. „Und da stieß ich auf einige bedenkliche Details“, so der Niendorfer. „So müssen eigentlich die zu uns weisenden und fensterlosen Außenwände begrünt werden, um die Schallreflexion durch den Flughafenlärm zu mildern. Doch von dieser Maßnahme wurde ein Betrieb befreit“, sagt er wütend. Schon jetzt leide die kleine Siedlung enorm unter der Lautstärke. „Wir haben extra unser Wohn- und Schlafzimmer lärmabgewandt zum Flughafen gebaut und nun bekommen wir genau hier durch die Schallreflexion der Wände der Firmen alles zurück“, empört er sich.

Sorgen bereitet ihm auch das Gebläse auf dem Dach der kommenden Cateringfirma. „Ich hoffe auf einen Nachweis, dass es sich dabei nicht um einen im Vierenkamp unzulässigen luftbelastenden und geruchsbelästigenden Betrieb handelt“, so Dehmel.

Elmar Schleif, Pressesprecher des Bezirksamt Eimsbüttel erwidert: „Die rückwärtige Fassadenbegrünung dient gemäß der Begründung des Bebauungsplanes der besseren gestalterischen Einbindung der neuen Gewerbebauten und nicht zur Minderung der Lärmreflexion durch den Flughafen. Für den Vierenkamp 11 gibt es eine Befreiung vom Fassadengrün. Hier werden aber nun Laubbäume an der rückwärtigen Grundstücksseite gepflanzt.“ Bezüglich des geplanten Gebläses beim Vierenkamp 9 erklärt er, dass nach Prüfung des Antrags alles rechtens sei. Es bestünde aber auch nach Erteilung der Genehmigung die Möglichkeit, weitergehende Anordnungen zu treffen, sollte die Nachbarschaft nicht ausreichend vor erheblichen Belästigungen geschützt sein.

 Rolf Dehmel und seine Nachbarn sind enttäuscht, dass ihre Belange bei den Bauvorhaben nicht gehört werden. „Angeblich haben wir keine Nachbarrechte“, sagt Dehmel. „Müssen wir alles erdulden, weil wir in einem Lärmschutzbereich der Zone 1 wohnen? Immerhin sind wir ein angestammtes Wohngebiet“, so Dehmel. „Wir würden uns wünschen, dass wir mit einbezogen werden – damit Probleme umgangen werden können, bevor sie entstehen.“ Da dies bisher nicht geschehen ist, bereitet er jetzt einen Widerspruch vor und überlegt auch rechtliche Schritte einzuleiten. Elmar Schleif dazu in einer Stellungnahme: „Eine Nachbarbeteiligung nach der Hamburgischen Bauordnung war nicht erforderlich.  Zwischen den Grundstücken der Anwohner des Sperlingsweges und den Gewerbegrundstücken im Vierenkamp liegt ein städtisches Grundstück über die gesamte Länge, somit gibt es keine direkte Angrenzung der betroffenen Grundstücke. Gleichwohl haben Nachbarn grundsätzlich die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen eine Baugenehmigung einzulegen. Die Zulässigkeit und Begründetheit werden dann von den Gerichten entsprechend geprüft werden.“ moe

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