Der Referent Norbert Hoffmann ist Geschäftsführer der e5.anderswerken GmbH und bundesweit als Experte für Stadtentwicklung, Innenstadt, Einzelhandel und Wochenmärkte tätig Fotos: moe

Für ein lebendiges Quartier

Zukunftsideen für das Areal rund um Tibarg 34 und Wochenmarkt vorgestellt

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Immer wieder ein zustimmendes Nicken und viel Beifall gab es am Mittwoch vergangener Woche  für den Stadtentwicklungs-Experten Norbert Hoffmann, der seinen Vortrag zum Thema Quartiersentwicklung und Wochenmarkt mit vielen Anekdoten und detailliertem Fachwissen gespickt hatte.

 

Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Tibarg (AGT) und des BID Tibarg II, unterstützt vom Niendorfer Wochenblatt, war der Experte in der Anna-Warburg- Schule zu Gast, wo ihm rund 50 Interessierte lauschten. Gerade jetzt, wo es um die (Mit-)Gestaltung des Areals rund um Ex-Ortsamt, Wochenmarktfläche und Tibarg 34 geht, ist das Thema „Quartiere lebenswert entwickeln!“ für Niendorf so aktuell und brennend wie nie.

Die neu entstehende Mitte des Tibargs soll die Einkaufsstraße in die Zukunft führen – das gaben Reder Wullenweber vom BID Tibarg II und Kay Gätgens, Dezernent für Wirtschaft, Bauen und Umwelt im Bezirksamt Eimsbüttel, als Vorredner auf den Weg. „Für Umgestaltungen sind Baumaßnahmen mit Bagger und Schaufel zwar unerlässlich, doch letztlich  werden städtische Mittelpunkte vor allem durch Emotionen und Seele nachhaltig geprägt“, so Hoffmann.

Multifunktional

„Ein lebendiges Stadtteil-Herz muss nicht unbedingt eine klassische Fußgängerzone sein“, so der Fachmann. „Der Mix aus Einkaufszonen, Verkehr, Aufenthalts- und Erlebnisflächen sowie Wohnen machts.“ Gerade hinsichtlich der multifunktionalen Nutzung des Tibargs für alle Generationen bekam er viel Zustimmung vom Publikum. Auch hatte er zukunftsweisende Tipps für Händler parat: „Sie brauchen frische Konzepte, neue Kooperationen mit anderen Händlern, müssen sich und ihre Marken inszenieren und die Internet-Möglichkeiten als Chance erkennen – um das Einkaufen zu einer Attraktion zu machen.“

Eine klare Absage von ihm bekam die Schaffung neuer Parkplätze. „Wir müssen an das Morgen denken und da werden Autos eine nicht mehr so gewichtige Rolle spielen“, sagt er bestimmt. Dafür müsse mehr Wohnraum in den Stadtteilzentren geschaffen werden – um das Quartier lebendig zu gestalten.

Laut seinen Gedankenspielen wird der Tibarg in vielerlei Hinsicht bereits der Vision einer modernen Stadtteilmitte gerecht. Die neu zu gestaltenden Mitte könnte das I-Tüpfelchen sein und ein Vorzeige-Projekt.


Authentizität

Doch beim wichtigen Thema Wochenmarkt zeigte sich Gesprächsbedarf. „Ein klares Standortkonzept, abendliche Öffnungszeiten, gemütliche Bereiche für Essen und Miteinander, keine zugebauten Geschäfte und Authentizität sind Erfolgsfaktoren“, so Hoffmann. Längst sei der Wochenmarkt nicht mehr nur Einkaufsort („Bio, regional und frisch können auch die Supermärkte!“) sondern vor allem gesellschaftlicher Treff- und Mittelpunkt. „Nicht ohne Grund findet man Wochenmärkte heute in Veranstaltungskalendern unter den Rubriken Lifestyle oder Freizeit“, erklärt der Experte.

Der Tibarg-Wochenmarkt hat also noch viel Entfaltungspotential, das es zu besprechen gilt. „Denn der Wochenmarkt ist das Zugpferd für ein lebendiges Quartier“, so der Referent. Mit aufrüttelnden ­– „Denken Sie über den Tellerrand hinaus, packen wir es an!“ – motivierte der Experte alle Anwesenden. Nun wird sich zeigen, ob seine Visionen in der Realität Ansätze finden und ob der kommende Bebaubauungsplan den Weg für eine lebendige Niendorfer Mitte voller „Seele und Emotionen“  legt. moe

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