25 Jahre Anlässlich des Jubiläums sprach Redakteurin Christina Sluga mit Professor Dr. Friedrich-Christian Rieß Foto: pr

Albertinen Herz- und Gefäßzentrum feiert 25. Geburtstag

Chairman Professor Dr. Friedrich-Christian Rieß über die spannende Anfangszeit und sein Herzensprojekt für schwerkranke afghanische Kinder

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Der 1. Juli 1991 war die Geburtsstunde des heutigen  Albertinen Herz- und Gefäßzentrums in Schnelsen. Bereits einen Tag später wurde die erste Herz-OP durchgeführt. Seither konnten dort 140 000 Patienten behandelt und das Leistungsspektrum mit einer Klinik für Gefäß- und endovaskuläre Chirurgie sowie jüngst mit den Departments für die perkutane Behandlung von Herzklappenerkrankungen, für Herzinsuffizienz und Devicetherapie sowie für Elektrophysiologie erweitert werden. Anlässlich des 25. Jubiläums sprach Redakteurin Christina Sluga mit Prof. Dr. Friedrich-Christian Rieß, Herzchirurg und Chairman des Zentrums, über moderne Behandlungsmethoden, Alleinstellungsmerkmale und soziales Engagement.

 

Niendorfer Wochenblatt: Herr Professor Dr. Rieß, als das Albertinen Herz- und Gefäßzentrum vor 25 Jahren gegründet wurde, waren Sie bereits als Leitender Oberarzt mit von der Partie. Erinnern Sie sich noch an die ersten Tage?

Professor Dr. Friedrich-Christian Rieß: Das war eine spannende Zeit. Immerhin starteten wir ohne einen Versorgungsauftrag der Krankenkassen. Aber wir glaubten fest an den Erfolg, der sich auch sehr bald einstellte. Zum einen bestand im Hamburg der 90er Jahre eine katastrophale Unterversorgung herzchirurgischer Patienten. Zum anderen war das frisch eröffnete Zentrum eines der modernsten in ganz Europa.

 

NW: Inwiefern unterschied sich denn Ihre Einrichtung von anderen Krankenhäusern?

Rieß: Wir konnten bereits zur Eröffnung mit einer eigenen Kardioanästhesie sowie einer eigenen Intensivstation aufwarten, das war damals etwas Besonderes. Ein wesentliches Markenzeichen war außerdem von Anfang an die enge Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen – und ist es auch heute noch.

 

Es geht um Herz Die Herzchirurgie des Albertinen gehört bundesweit zur
Spitzengruppe Foto: pr

NW: Wie muss man sich das genau vorstellen?

Rieß: Das trifft besonders auf unsere Kardiologen und Herzchirurgen zu, die in Konferenzen die Befunde gemeinsam besprechen und so garantieren, dass der Patient die bestmögliche, individuell auf ihn zugeschnittene Behandlung bekommt. So entscheiden wir beispielsweise gemeinsam, ob eine defekte Herzklappe im Rahmen einer klassischen OP oder per Katheter-Technik, also ohne Operation, behandelt wird. Letzteres ist besonders für Hochrisikopatienten, die aufgrund ihres hohen Alters oder schwerer Begleiterkrankungen nicht operiert werden können, eine neue Behandlungsoption.

 

NW: Wird man in Zukunft also ganz auf die klassischen Herz-OPs verzichten können?

Rieß: Nein, sicher nicht. Aber nur Herz-Chirurgen, die eine Top- Qualität liefern, werden auch in der Zukunft bestehen können. Unsere Klinik ist bundesweit führend bei der Bypass-Operation am schlagenden Herzen, bei der ausschließlich die Arterien und nicht die Venen verwendet werden. Der Vorteil: Arterien halten dem hohen Druck des Herzens viel länger stand und bleiben deshalb auch länger funktionstüchtig. Der Verzicht auf die Herz-Lungen-Maschine ist außerdem ein besonders schonendes Verfahren, von dem ebenfalls ältere Menschen profitieren.

 

NW: Doch damit nicht genug: Auch das soziale Engagement wird bei Ihnen groß geschrieben. 2005 haben Sie das Projekt Herzbrücke ins Leben gerufen. Dabei werden jedes Jahr schwer herzkranke afghanische Kinder nach Hamburg geholt und im Albertinen-Krankenhaus behandelt…

Rieß: Das stimmt. Das gesamte Team des Herz- und Gefäßzentrums engagiert sich weit über den Dienst hinaus für diese „Herzensangelegenheit“. Und nicht nur die: Auch zahlreiche niedergelassene Ärzte, Gasteltern, die die Kinder bei sich aufnehmen, und viele andere stehen hinter dem Projekt. Seit 2010 besteht zudem eine Kooperation mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. 141 Kindern haben wir auf diese Art und Weise schon helfen können und auch afghanische Ärzte fortgebildet. cs

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