Kleingärtner auf Zinne

Laubenpiper wehren sich gegen Bauvorhaben auf ihrem Areal

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Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern. Vor den  urigen Holzlauben sitzen Menschen in der Sonne, mähen Rasen, jäten Unkraut. Es ist eine ganz besondere Idylle, die sich der Verein „Gartenfreunde der Mühlenkoppel“ an der Julius- Vosseler- Straße über die vergangenen 40 Jahre aufgebaut hat. Doch damit soll nun bald Schluss sein.

 

Der Grund: Auf der Kleingartenfläche in Lokstedt sollen bis zu 200 neue Wohnungen entstehen. Betroffen sind 29 Parzellen des Gartenvereins Mühlenkoppel sowie fünf Parzellen des „KGV Scheinwerfer“. „Ziel des Senats ist es, jährlich 6 000 neue Wohneinheiten zu schaffen. Die Fläche an der Julius-Vosseler- Straße ist dazu besonders geeignet, da sie innerhalb der sogenannten Urbanisierungszone des Bezirks liegt und verkehrlich gut angebunden ist“, erläutert Anja Bunning, Sprecherin des Bezirks Eimsbüttel, auf Anfrage des Niendorfer Wochenblatts.

Ersatzflächen

Und natürlich: „Alle Kleingärten werden ersetzt“, betont Bunning. Dafür seien die Fläche der Flüchtlingsunterkunft an der Niendorfer Straße sowie an der Hagenbeckstraße 100-112 vorgesehen. Das Wohnhaus, das zur Baugenossenschaft dhu gehört, soll abgerissen und auf einem Teil der knapp 19 000 Quadratmeter  großen Kleingartenfläche wieder aufgebaut werden. Für die Bebauung des restlichen Areals zeichnet die Immobilienfirma Quantum verantwortlich, die je ein Drittel Sozialwohnungen, genossenschaftliche Mietwohnungen und Eigentumswohnungen errichten will.

Ein Vorhaben, das bei den Kleingärtnern auf erbitterten Widerstand stößt. „Wir lassen uns nicht einfach trennen und auf zwei verschiedene Stellplätze aufteilen“, betont der Vereinsvorsitzende Adalbert Pietrzak. Die Wohnungsbauoffensive des Senats sehen der Kleingärtner und seine Mitstreiter besonders kritisch.

„Man kann doch nicht immer nur nachverdichten. Die Lebensqualität einer Stadt hängt von ihren Grünflächen ab. Wenn es so weitergeht, gibt es hier in 40 Jahren nur noch Betonburgen und Häuserschluchten. Wo sollen die Menschen dann Erholung finden?“, so Pietrzak.

Gegenwind bläst dem Bezirk derweil auch aus der unmittelbaren Nachbarschaft entgegen. Bei einer sogenannten Öffentlichen Plandiskussion in der Schule Vizelinstraße habe es hitzige Diskussionen gegeben, berichtet eine Anwohnerin im Gespräch mit dem Niendorfer Wochenblatt. „Vor allem weil wir das Gefühl hatten, dass es sich dabei um eine Alibiveranstaltung handelte. Eine Bürgerbeteiligung ist offensichtlich nicht erwünscht, das Vorhaben ist doch längst festgezurrt“, so die Vermutung.

Die Nachbarn in den umliegenden Häusern fürchten einen Wertverlust ihrer zum Teil milieugeschützten, einstöckigen Immobilien, wenn sie mehrgeschossige Hochhäuser vor die Nase gesetzt bekommen. Zum anderen werfen sie dem Bezirk vor, das Verkehrskonzept nicht an den Zuzug hunderter Menschen anzupassen: „Wo sollen die neuen Mieter parken und wie will man dem immer höher werdenden Verkehrsaufkommen in unseren kleinen Straßen begegnen? – auf diese Fragen haben wir keine Antworten bekommen.“ cs

 

Und so soll es weitergehen

 

Für die Kündigung und Verlagerung von Kleingärten gilt grundsätzlich das Bundeskleingartengesetz, in Hamburg in Verbindung mit der Vereinbarung der Stadt Hamburg mit dem Landesbund der Gartenfreunde. Demnach kann eine Kündigung der Parzellen erst erfolgen, wenn der neue Bebauungsplan Lokstedt65/Stellingen 68 festgestellt wurde. Ziel ist es laut Bezirksamt, den Plan Ende 2017/Anfang 2018 festzustellen, sodass bis Februar 2018 die Kündigung erfolgen kann, die dann im November 2018 wirksam würde. Erst danach kann auf der Fläche an der Julius-Vosseler-Straße gebaut werden. Als Besonderheit wird vom Bezirksamt eine orts- und zeitnahe Verlagerung der Kleingärten verfolgt.

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