Nicht mit uns Eltern und Schüler der Grundschule Moorflagen in Niendorf wehren sich gegen die geplante AbvermietungFoto: cs

Protest gegen die Zwangsverkleinerung

Grundschule Moorflagen soll Räume abgeben: Inklusion in Gefahr

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Eifrig strecken die Kinder der Schule Moorflagen in Niendorf selbst gebastelte Schilder in die Luft. Slogans wie  „Bürokratie Aus – Menschenverstand ein“ und „Inklusion kaputt sparen? Pfui, schämt Euch“ sind darauf zu lesen. Sie verstehen die kuriosen Pläne der Hamburger Schulbehörde nicht. Genauso wenig wie ihre Eltern – und die machen jetzt ordentlich mobil gegen die geplante Vermietung eines der Schulgebäude.

 

Nachdem die Schulbau Hamburg, ein Landesbetrieb der Stadt, der für den Bau und die Bewirtschaftung von rund 3000 Schulgebäuden verantwortlich zeichnet, im Jahr 2014 bereits ein Gebäude an die Staatliche Jugendmusikschule Hamburg vermietet hat, soll nun ein weiteres Gebäude zum 31. Juli dieses Jahres zweckentfremdet werden.  Und: Ein weiteres Klassenhaus wird in den Sommerferien bis mindestens Oktober 2016 saniert und den Kindern während dieser Zeit ebenfalls nicht zur Verfügung stehen.

Die Grundschule Moorflagen hat eine lange Tradition als Integrations- und Inklusionsschule. 17 Kinder mit Handicaps gehen derzeit dort zur Schule: Acht  mit einem Handicap in der körperlich-motorischen Entwicklung, sechs mit einem Handicap in der geistigen Entwicklung sowie drei autistische Kinder.

Ein großer Teil der für die Jungen und Mädchen nötigen Therapien finden in der Zeit von 8 Uhr bis 16 Uhr in der Schule statt. Diese sind notwendig, damit die Kinder überhaupt beschult werden können.

 

Inklusion in Gefahr

 

„Insgesamt gilt es zurzeit 33 Therapietermine à 45 Minuten pro Woche räumlich unterzubringen. 90 Prozent liegen dabei auch noch am Vormittag“, erläutert Elternratsvorsitzender Dr. Andreas Yasseri. Fallen nun ein bzw. zwei ganze Klassenhäuser weg, könne dieses Angebot nicht länger aufrechterhalten werden. Bedeutet: „Diese Kindern können hier dann vermutlich nicht mehr zur Schule gehen“, so Yasseri weiter.

Hintergrund: Um den Bau neuer Schulen und die Sanierung alter Schulen finanzieren zu können, ist die Schulbehörde dazu übergegangen, scheinbar nicht benötigte Schulgebäude abzumieten. Neben der Schule Moorflagen sind noch 13 weitere in der Hansestadt betroffen. Dabei orientiert sich die Behörde einem sogenannten Musterflächenprogramm, das für alle Hamburger Schulen den Raum- und Flächenbedarf festlegt. Demnach nutzt die Grundschule Moorflagen aktuell mehr Fläche als ihr eigentlich zusteht. „Hier wird einfach stur nach Vorschrift gearbeitet – ohne auf die Besonderheiten der Räumlichkeiten und der Schülerschaft einzugehen“, kritisiert Yasseri im Namen des Elternrats. Der hat jetzt die Presse und die Politik eingeschaltet, sammelt in den sozialen Netzwerken Unterstützer.  „Das Thema soll demnächst auch im Bildungsausschuss noch einmal zur Sprache kommen“, verspricht die Linke Bezirksabgeordnete Zaklin Nastic, deren Tochter ebenfalls die Grundschule Moorflagen besucht.

Und: Der Protest zeigt bereits Wirkung. Die Schulbehörde hat sich zu einem weiteren Gespräch mit der Schulleitung und dem Elternrat bereit erklärt. Auch Senator Ties Rabe (SPD) wird an dem Termin teilnehmen. „Für uns kommt allerdings nur eine Lösung in Betracht, die der Schule langfristig die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellt, um weiter als wohnortnahe Inklusions-Schwerpunktschule für Eimsbüttel bestehen zu können. Hierzu zählen in jedem Fall ausreichende barrierefreie Räume für Therapie, Ruhe und Unterricht in kleineren Gruppen“, betont Yasseri. Dies werde man notfalls auch auf dem Klageweg durchsetzen. Ein Anwalt ist bereits eingeschaltet.  cs

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