Starke Truppe Sonntags treffen sich Ehrenamtliche und Geflüchtete zum gemeinsamen Box-Training. Fotos: mf

Boxen – das hat mit Gewalt nichts zu tun

Immer sonntags können sich Flüchtlinge beim Box-Training mit Ehrenamtlichen in Lokstedt mal so richtig auspowern

Archiv| Views: 215

Sonntags fließt seit einem Jahr in der Sporthalle Hartsprung der Schweiß in Strömen, wenn das ehrenamtliche Box-Training für Geflüchtete in Lokstedt stattfindet. Daran haben Flüchtlinge und Helfer gleichermaßen Spaß.

 

„Come on!“ ruft Trainer Stephan Meier und feuert seine Schützlinge zu „Yellow Submarine“ von den Beatles an, sich beim Aufwärmen noch schneller zu bewegen. Dann teilt er Pratzen (Schlagpolster) und Handschuhe aus, um grundlegende Techniken des Boxens zu trainieren.

„Ich hatte hier schon Cracks und blutige Anfänger“, erzählt Meier. „Aber es geht gar nicht so sehr um das Boxen sondern um Aufmerksamkeit. Darum, für Menschen da zu sein.“ Besonders junge männliche Flüchtlinge bräuchten einen Ausgleich zum tristen Alltag in den Zentralen Erstunterkünften (ZEA) Niendorfer Straße und Papenreye.

„Boxen ist ein harter Sport, aber hat nichts mit Gewalt zu tun“, betont Meier. „Zu Schlägereien in den Unterkünften kommt es, wenn die Menschen nicht ausgelastet sind“, setzt er Kritikern entgegen, die ein wachsendes Gewalt-Potzenial beim Boxen erkennen.

An diesem Sonntag freut Stephan Meier sich besonders über das Talent von Mohamed. Der junge Filmemacher hat schon zuhause in Syrien verschiedene Kampfkünste trainiert. Vor einigen Tagen erhielt Mohamed seine Duldung für drei Jahre, nun ist er auf Wohnungs- und Jobsuche. „Wir machen hier Erste Hilfe“, erzählt Meier und bedauert, dass seine Box-Schüler aufgrund der hohen Fluktuation in den ZEAs meist nur kurz zum Training kommen: „Man hat Lust, sie länger zu begleiten, und dann sind die Leute schon wieder weg. Aber ich erlebe hier ganz viel Rührendes“, so Meier und erzählt von der langen Dankes-Mail eines Geflüchteten.

„Ohne die Organisation im Hintergrund ginge es gar nicht“, sagt er im Hinblick auf Werner Thalemann und Bärbel Lützen, die jeden Sonntag die Geflüchteten in den Unterkünften abholen. Dann trommelt er seine Schützlinge zum Stabilitäts-Training zusammen. Das ist, wie Meier weiß, im Box-Sport ebenso wie im Leben wichtig. mf

Comments are closed.