Eine Straße für Walter

Er soll der Nachwelt mit korrektem Namen in Erinnerung bleiben

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Es sind nur zwei kleine Buchstaben. Doch sie machen einen großen Unterschied. Vergangene Woche konnten Besucher und Anwohner im Schnelsener Stadtteil Burgwedel Zeugen eines historischen Ereignisses werden: Die offizielle Umbenennung der Jungliebstraße in Walter-Jungleib-Straße.

 

In Burgwedel erinnern zahlreiche Straßen an die 20  ermordeten Kinder vom Bullenhuser Damm. Ein Arzt des Konzentrationslagers Neuengamme  missbrauchte sie als Versuchsobjekte für grausame, medizinische Experimente, bevor sie in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1945 von SS-Männern im Keller der Schule am Bullenhuser Damm erhängt wurden.

Unter ihnen war auch ein zunächst als „W. Junglieb“ bekannter Junge, der erst im Juli 2015 als Walter Jungleib aus Hlohovec (Slowakei) identifiziert werden konnte.  Schnell ist klar: Die Straße muss umbenannt werden – und das bis zum 20. April 2016, wenn Jungleibs Schwester Grete Hamburg zum ersten Mal die Hansestadt besucht, um an der Gedenkfeier für die getöteten Kinder vom Bullenhuser Damm teilzunehmen (Bericht in der kommenden Wochenendausgabe)  und die Todesstätte ihres Bruders zu besuchen. „Es hat gedauert. Aber wir haben es zu heute dann doch noch geschafft. Und das freut mich sehr“, so Christian Samsche, der gemeinsam mit dem Schnelsener Aktionskreis die Umbenennung der Junglieb-Straße angestoßen hatte.

Ein schwerer Schritt

Es war sicher kein einfacher Tag für die 86-jährige Grete Hamburg, die in Begleitung ihrer Tochter aus Tel-Aviv, Israel, angereist war. Die Erinnerungen, der Presserummel – eine emotionale Achterbahnfahrt. 70 Jahre lang hatte sie nach dem Verbleib ihres Bruders geforscht, bis Bella Reichenbaum und ihr Mann Yitzhak, der Bruder von Eduard Reichenbaum, der im Alter von zehn Jahren ebenfalls am Bullenhuser Damm ermordet worden war, sie auf die entscheidende Spur – und zurück nach Deutschland brachten. „Ich hab geschworen, ich komme nie mehr wieder“, sprach Grete Hamburg in die laufenden Kameras. „Aber jetzt bin ich hier und ich bin froh darüber.“ cs

             

Das müssen Anwohner jetzt beachten

 

Seit vergangenem Mittwoch, 20. April, ist es offiziell: Die Jungliebstraße in Schnelsen heißt jetzt Walter-Jungleib-Straße. Dies hat auch Auswirkungen auf Anwohner und ansässige Geschäfte und Gewerbebetriebe.

 

Anwohner müssen nun die Adresse in ihrem Personalausweis sowie gegebenenfalls auf dem elektronischen Aufenthaltstitel und dem Kfz-Schein ändern lassen. Diese Änderungen können Betroffene in den nächsten Wochen gebührenfrei im Kundenzentrum Lokstedt, Garstedter Weg 11, sowie im Kundenzentrum Eimsbüttel, Grindelberg 66, während der Sprechzeiten beantragen. Dafür benötigen sie keinen Termin, sondern können einfach während der Sprechzeiten, Montag von 8 bis 16 Uhr, Dienstag von 7 bis 13 Uhr, Mittwoch von 8 bis 13 Uhr und Donnerstag von 9 bis 18 Uhr vorbeikommen.

Die Gewerbetreibenden in der heutigen Walter-Jungleib-Straße erhalten in den kommenden Tagen automatisch eine geänderte Gewerbeanzeige. Dafür ist keine Beantragung erforderlich. cs

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