Zwischen ihnen liegen Welten – was die deutsche Sprache angeht: Baraa (links) und Yusuf Foto: kk

Schüler aus der ganzen Welt

In der internationalen Klasse an der Grundschule Döhrnstraße dreht sich alles um die deutsche Sprache

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Elf Mal anders hört sich „Guten Appetit“ an, wenn es die zwölf Schüler der Internationalen Vorbereitungsklasse (IVK) beim Frühstück in ihren Muttersprachen sagen. Den Rest des Schultags wird Deutsch gesprochen – so gut es eben geht.

 

Baraa aus Syrien und Ismail aus Bulgarien sind erst seit ein paar Tagen in der Lokstedter Grundschule Döhrnstraße und kennen noch wenige deutsche Wörter. Yusuf wurde in Deutschland geboren, war zum  Schulstart aber in Jordanien. Er spricht perfekt Deutsch. Was ihm fehlt, ist die Alphabetisierung in lateinischer Schrift.

Das unterschiedliche Niveau ist eine der größten Herausforderungen, vor denen Lehrerin Irina Bruns immer wieder steht. Sie arbeitet viel mit Lernspielen. Während die Sprach-Anfänger bunt bebilderte Spielkarten ziehen und für jedes richtige neue Wort Punkte sammeln, spielen die Fortgeschrittenen „Ich packe meinen Koffer“ als Memory. „Eigentlich haben wir ein ganzes Schuljahr Zeit, Kinder ohne Deutschkenntnisse dahin zu bringen, sich zu verständigen und in eine Regelklasse zu gehen“, so Bruns.

Zu Beginn dieses Schuljahres gab es allerdings erst einmal nur zwei Schüler: den Türken Can und Akshara aus Indien. Beide wollen im Sommer aufs Gymnasium wechseln. „Deutsch lernen macht Spaß“, sind sich die Neunjährigen einig. Außerdem könne man in der Vorbereitungsklasse leicht neue Freunde finden.

Wann weitere Schüler dazu kommen, erfährt die Lehrerin immer ganz kurzfristig: „Manchmal habe ich eine Nachricht in meinem Fach. Oft steht das neue Kind aber auch einfach vor der Klassentür.“ Dann wetteifern die anderen IVK-Kinder darum, wer den Schulhof zeigen darf. Aber es gibt auch manchmal Streit in der Klasse. „Wenn die Wörter fehlen, geht es schnell etwas handfester zu“, erklärt Bruns. Bei allem Verständnis – zulassen kann die gebürtige Russin diese Art der „Problemlösung“ nicht. Stattdessen sucht sie nach besonderen Anreizen, mit denen ein harmonischeres Miteinander belohnt wird.

Seit fünf Jahren unterrichtet Irina Bruns die IVK Foto: kk

Gerade ist es wieder so weit: Nach einer friedlichen Woche geht es für eine Stunde zum Piratenschiff in den Park nebenan. Denn da sind sich die zwölf Kinder aus elf Ländern einig: „Das fehlt auf dem Schulhof!“ kk

 

IVK in Hamburg

In Hamburg gibt es derzeit rund 200 Internationale Vorbereitungsklassen für verschiedene Jahrgangsstufen. Die IVK 3/4 an der Grundschule Döhrnstraße orientiert sich an den Bildungsplänen der  3. und 4. Klassen der Hamburger Grundschulen. Ins Leben gerufen wurde sie an diesem Standort bereits 1997. Maximal 18 Schüler ohne Deutschkenntnisse werden hier pro Schuljahr aufgenommen.

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