„Wir wollen unseren Tunnel wiederhaben“

Gesperrte Unterführung bleibt Zündstoff-Thema in Schnelsen-Süd

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Der Bau der Sozialbausiedlung zwischen Graf-Johann-Weg und Spanischer Furt in den 1970er Jahren bildete den Grundstein für das Quartier Schnelsen-Süd. Noch heute leben dort Menschen aus 30 verschiedenen Ländern, Kultur- und Sprachräumen. Das Geld ist knapp, Ausflüge zu Hagenbecks Tierpark und Co. für das Gros der Familien undenkbar.

 

Einen Zugang zur Natur bietet für viele Kinder, Männer und Frauen die A7-Unterführung am Beentkamp, die das Quartier auf direktem Weg mit dem Niendorfer Gehege verbindet. Das Problem: Im Zuge der Verbreiterung der Autobahn und dem Bau des Lärmschutzdeckels wurde der beliebte Tunnel im Sommer 2015 zunächst für zwei Monate und dann bis Ende 2017 voll gesperrt.

Was dies für die Menschen in Schnelsen-Süd bedeutet, wurde jüngst während der Sitzung des Stadtteilbeirats im „Projekt 38“ am Graf-Johann-Weg deutlich. Zu der öffentlichen Versammlung hatten Quartiersentwicklerin Karin Robben, Christian Merl von der zuständigen Projektgesellschaft Via Solutions Nord, Gerhard Fuchs, Verkehrskoordinator der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, sowie einige verantwortliche Bauingenieure eingeladen. Diese sahen sich dort mit rund einem Dutzend aufgebrachter Nachbarn sowie Mitarbeitern von Einrichtungen konfrontiert, die alle nur einen Wunsch hegten: „Wir wollen unseren Tunnel wiederhaben.“

„Es ist nicht alles machbar“, machte Fuchs gleich zu Beginn der Veranstaltung deutlich. Ausgangspunkt war die Planfeststellung mit der Maßgabe, die Unterführung so lange zugänglich zu halten wie möglich. Dies sei nun eben nicht mehr möglich.

Die Sperrung sei auf eine Anordnung der Straßenverkehrsbehörde zurückzuführen, betonte Merl. Weil die Baugitter zur Absicherung der dortigen Bauarbeiten wiederholt mutwillig zerstört wurden, habe eine Gefahr für Leib und Leben bestanden (wir berichteten). Unabhängig davon starte nun, so Merl weiter, die „heiße Bauphase“, bei der die Unterführung ohnehin nicht offen gehalten werden könne.

Nachdem die Brücke auf der Ostseite provisorisch verbreitert wurde, damit der Verkehr aus beiden Richtungen darüber geleitet werden kann, steht jetzt der Abbruch der Westseite an. Im Anschluss daran wird das Gleiche noch einmal auf der anderen Seite durchgeführt. „Läuft alles gut, können wir die Unterführung Anfang 2017 zwischendurch für drei Monate öffnen. Wir nehmen ihre Probleme sehr ernst“, so Merl. Verkehrskoordinator Fuchs ergänzte: „Wir wissen, dass die Bauarbeiten erhebliche Einschränkungen bedeuten und versuchen, uns für ihre Geduld am Ende mit einer Festivität zu bedanken.“ Er erntete ungläubiges Kopfschütteln: „Was sollen wir mit einem Fest, wenn wir unseren Durchgang wiederhaben wollen?“ cs

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