Die Aue Hagendeel Hier soll mitten im Überschwemmungsgebiet eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden Foto: cs

Überschwemmungsgebiet ist jetzt 16 Hektar kleiner

Umweltbehörde bessert mit Neuberechnung an der Kollau nach

Archiv| Views: 138

Aufatmen in Teilen Lokstedts und Niendorfs. Das vorläufig gesicherte Überschwemmungsgebiet (ÜSG) Kollau verkleinert sich von 39 auf 23 Hektar. Statt ursprünglich 286 betroffener Gebäude müssen jetzt nur noch 37 Grundstücksbesitzer die strengen Hochwasserschutzauflagen einhalten.

 

Das haben Nachberechnungen der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie (BUE) ergeben, bei denen eine feinere, technisch anspruchsvolle und zeitaufwändige Methode zum Einsatz kam. Zuvor waren 76 Beschwerden und Stellungnahmen von Anwohnern im Gebiet der Kollau bei der BUE eingegangen, die ebenfalls nach Angaben der Behörde in die Prüfung mit eingeflossen sind. Viele Grundstücksbesitzer hatten einen Wertverlust ihrer Immobilie befürchtet, wenn sie sogar für das Aufstellen einer Sandkiste eine Sondergenehmigung bräuchten. Vor diesem Hintergrund hatte vor allem der geplante Bau der Flüchtlingsunterkunft am Hagendeel, der nach wie vor mitten im Überschwemmungsgebiet liegt, die Bürger auf Zinne gebracht.

Hausbesitzer sind froh

Hausbesitzer in den Straßen Düpweg, Am Ree, Wildgrund, Walter-Schüler-Weg, Hubertusweg, Brandfurt sowie Heckenrosenweg können ihre Grundstücke nun wieder ohne Einschränkungen nutzen. Gleiches gilt für die Kleingärten an den Straßen Niendorfer Gehege, östlich des Vorwisch und südlich der Schmiedekoppel sowie die Grundstücke an der Niendorfer Straße, am Wullwisch und am Bullenredder. Vergrößert hat sich das ÜSG indes im Bereich Liethwisch. Dort sind nun zwei Gebäude von den strengen Hochwasserschutzauflagen betroffen, die zuvor nicht im Überschwemmungsgebiet lagen.

SPD und Grüne im Wahlkreis Lokstedt, Niendorf, Schnelsen begrüßen die Verkleinerung des ÜSG. „Die SPD hatte seinerzeit gefordert, dass die rechtlichen Spielräume bei der Ausweisung der Überschwemmungsgebiete maximal ausgenutzt werden. Die Verkleinerung des ÜSG ist letztlich das Ergebnis des Engagements vor Ort, aber auch unserer Initiative“, betont die Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Monika Schaal. „Nun können die nicht mehr betroffenen Grundstücke ohne weitere Einschränkungen bebaut werden. Für die nach wie vor betroffenen Grundstücke hat die Umweltbehörde mit den jeweiligen Bezirksämtern die Grundlagen für eine einheitliche Genehmigungspraxis abgestimmt“, ergänzt Parteikollege Marc Schemmel. Auch für die Grünen-Wahlkreisabgeordnete Anna Gallina ist die Verkleinerung des ÜSG Kollau eine gute Nachricht, die den Umweltschutz vor Ort stärkt. „Gleichzeitig möchte ich betonen: Ein Überschwemmungsgebiet dient dem Schutz von Anwohnern in einem Flussgebiet. Bewohner dürfen ihr Grundstück nicht zulasten ihrer Nachbarn weiter versiegeln, weil sich das Wasser sonst weiter ausbreitet und mehr Menschen schädigt“, so Gallina.

 Kritik hagelt es von Seiten der CDU: „Man fragt sich schon, wie die Stadt sich im Vorwege so massiv verrechnen konnte“, moniert der Bürgerschaftsabgeordnete Carsten Ovens. Der vor Ort erzeugte Widerstand habe schließlich überhaupt erst zu der viel zu späten Nachberechnung der Umweltbehörde geführt. Ovens: „Es bleibt völlig unklar, ob rein fachliche Erwägungen den Senat überzeugt haben oder ob auf diese Weise lediglich die Errichtung einer weiteren Flüchtlingsunterkunft ermöglicht werden soll.“cs

Comments are closed.