Lebt seit mehr als 30 Jahren in Lokstedt: Ingrid Körner Foto: mf

Das Recht auf Verschiedenheit

Ingrid Körner aus Lokstedt ist die Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen

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„Mein Kind hat einen Anspruch darauf, zusammen mit behinderten Kindern zu lernen.“ Diesen Satz fand Ingrid Körner stark. Die Lokstedterin ist Mutter einer Tochter mit Down Syndrom und seit fünf Jahren Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen. 

 

Zusammen mit anderen Eltern erkämpfte Ingrid Körner einen Platz in einer der ersten Integrationsklassen für ihre 1977 geborene Tochter Friederike. Auch die Eltern nicht-behinderter Kinder machten sich dafür stark. „Wir wollten damals schon das uneingeschränkte Zusammenfügen erreichen, das heute Inklusion heißt“, so Körner. „Jedes Kind kann eine Regelklasse durchlaufen, es müssen nur die Rahmenbedingungen stimmen. Und andere Kinder werden oft zu kleinen Helfern der Pädagogen“, hat sie beobachtet.

Für den Anschluss

Um jungen Erwachsenen mit Behinderung im Anschluss an die Schule wie allen anderen auch eine Berufswahlmöglichkeit zu schaffen, gründete sie die Hamburger Arbeitsassistenz mit. Seit 2011 ist Ingrid Körner, Jahrgang 1946, als Senatskoordinatorin Vermittlerin zwischen Bürgern und Verwaltung und Ansprechpartnerin für behinderte Menschen und deren Verbände.

„Inklusion muss von beiden Seiten kommen. Es muss die innere Bereitschaft da sein, mal auf andere zuzugehen und hallo zu sagen.“

In Lokstedt hat Ingrid Körner diese Bereitschaft beobachtet, als Tochter Friederike mit einer Hundehalterin aus der Nachbarschaft ins Gespräch kam: „Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt, obwohl Rike eigentlich keine Hunde mag.“ Und der Lokstedter Zahnarzt der sechsköpfigen Familie Körner habe gelernt, sich auf die Behandlung seiner Down-Syndrom-Patientin einzustellen.

Bei seinen Kollegen müsse sich aber noch viel tun, findet Ingrid Körner, denn viele Arztpraxen seien nicht auf Patienten mit Behinderung eingestellt. Oft sind diese nicht barrierefrei zugänglich, auch an sanitäre Anlagen oder abgesenkte Tresen würde kaum gedacht.

Wegbereiter gesucht

In diesem Jahr ruft die Senatskoordinatorin deshalb Mediziner auf, sich um die Auszeichnung „Wegbereiter der Inklusion“ zu bewerben. Aktuell treibt sie  die Situation von Geflüchteten mit Behinderung um: „Viele Träger und Selbsthilfegruppen sind aktiv, es wächst einiges. Diese Strukturen möchte ich im Netzwerk für Flüchtlinge mit Behinderung zusammenführen.“ mf

 

Das Inklusionsbüro der Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen befindet sich in der Osterbekstraße 96, 22083 Hamburg, Tel. 428 635 724, www.hamburg.de/skbm/

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