Von Niendorf ins Museum

Musiker Timo Blunck prägte die Subkultur der 80er Jahre

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Im Alter von erst 53 Jahren kann er sich schon im Museum besichtigen: Timo Blunck prägte als Bassist von „Palais Schaumburg“ die deutsche Subkultur der 1980er Jahre entscheidend mit. Dieser widmet das Museum für Kunst und Gewerbe nun eine Ausstellung. 

 

„Ich hänge zu Lebzeiten im Museum, das erwartet man ja eher von 75-jährigen, ernsten Komponisten“, grinst Timo Blunck, immer noch etwas verwundert. „Es ist lustig, wenn man vor sich selbst als Jungen steht. Darüber habe ich erst mal einen Song geschrieben.“

Als 19-jähriger wurde der Niendorfer, damals schon in der Band „Ede und die Zimmermänner“ aktiv,  Bassist von „Palais Schaumburg“ – und erwarb damit die Fahrkarte aus dem Stadtteil heraus: „Wir bekamen einen Plattenvertrag und ich konnte es mir leisten, auszuziehen.“ Für einen Paradiesvogel wie ihn sei es damals nämlich nicht leicht gewesen in dem noch ländlich geprägten Vorort: „Am Gymnasium Ohmoor war ich oft in Prügeleien verwickelt, die nicht immer zu meinen Gunsten ausgingen. Ich war ziemlich renitent und unbeliebt“, erinnert sich der Musikproduzent, Komponist und Sänger, der immer von seiner Mutter unterstützt wurde: Jutta Blunck studierte Operngesang und weckte als Tanzpädagogin bei Generationen von Niendorfern und Schnelsenern die Leidenschaft fürs Tanzen.

Mit neun Jahren begann Timo Blunck Querflöte bei Manfred Trojahn zu lernen, am Gymnasium Ohmoor sang er in Musicals: „Mit Michael Märtig hatte ich dort einen sehr guten Musiklehrer.“ Richtig gefördert worden sei er aber nach dem Schulwechsel auf das Johanneum, wo er auch seinen späteren „Zimmermänner“-Band-Kollegen Detlef Diederichsen kennenlernte.

Niendorf prägt

Jahrelang war Timo Blunck nicht in Niendorf, nun ändert sich sein Verhältnis zum Stadtteil wieder: „Ich gehe regelmäßig mit dem Hund am Rahweg spazieren“, so der Vater dreier Söhne im Alter von 19 bis 24 Jahren. „Niendorf war prägend und ist ein wichtiger Teil von mir. Heute umarme ich das auch.“ Blunck kann sich sogar vorstellen, irgendwann dorthin zurückzuziehen. „Aber eine Eigentumswohnung im Sethweg kaufen? So weit bin ich noch nicht“, grinst er. Und arbeitet weiter am neuen „Zimmermänner“-Album. mf

 

Die Ausstellung „Geniale Dilletanten“ (absichtlich falsch geschrieben) ist bis zum 30. April im Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, 20099 Hamburg zu sehen, Informationen unter www.mkg-hamburg.de. Zu hören ist Timo Blunck auf dem Doppelalbum „Palais Schaumburg“ (2012, Bureau B) und auf „Ein Hund namens Arbeit“, dem letzten Album der „Zimmermänner“, erschienen 2014 bei Tapete Records.

 

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