Immer fröhlich trotz Einschränkung Karin Ewert, Margot Hahn, Irma Wegener (v. li vorn) und Ullrich Staniullo Foto: kn

Sehbehinderung geht uns alle an

Hilfen und Hürden in Niendorf

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Menschen mit Behinderung möchten mobil sein. Im Stadtteil Niendorf gibt es viele Hindernisse, die das Leben der Sehbehinderten erschweren. Es besteht Nachbesserungsbedarf

 

Was wie ein gemütliches Zusammensein aussieht, ist mehr als das. Es ist Notwendigkeit, es ist Selbsthilfe. Sehbehinderte treffen sich einmal im Monat bei Kaffee und Kuchen in der Kursana Residenz. Mit von der Partie ist Ullrich Staniullo, Leiter der Bezirksgruppe West vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSHV), der den überwiegend älteren Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite steht.

Termine und Tipps werden beim Treffen ebenso ausgetauscht wie Hörbücher und immer wieder geht es um das Thema, was ist gut im Stadtteil und was ist noch verbesserungsbedürftig?

Prima finden alle, dass endlich die Metro-Busse nur noch mit Zahlen und nicht mehr mit Buchstaben ausgestattet sind. „Mir sind immer die Buchstaben mit den Zahlen verschwommen, so kann ich wenigstens die Zahlen erkennen“, freut sich Helene Zippel. „Auf Druck des Sehbehindertenvereins hat der HVV die Buchstaben gestrichen“, macht Ulli Staniullo voller Stolz deutlich.

Trotzdem wären gerade in Niendorf Nord noch einige Veränderungen dringend erforderlich, sind sich alle einig. So komme man mit Sehstock  kaum an den Pfählen der Haltestelle vorbei, der Gehweg sei hier viel zu       schmal. „Aber Gott sei Dank gibt es ja noch hilfsbereite Mitbürger, die uns hier begleiten. Und das sind meistens die ausländischen Damen“, betont Irmgard Zenz, Mitbewohnerin der Kursana   Residenz.

Doch nicht immer nehmen Passanten Rücksicht. Rasende Radler  auf dem Tibarg sind für Sehbehinderte ein Graus: „Ich erschrecke jedes Mal, wenn ein Radfahrer an mir vorbeisaust. Auch die vielen Aufsteller vor den Geschäften sind für uns, die auf den Sehstock angewiesen sind, ein großes Hindernis. Das Leitsystem für Sehbehinderte ist in der Fußgängerzone verbesserungswürdig.“ Es könne doch nicht so schwierig sein, ein paar geriffelte Leitsteine zur besseren Orientierung der Menschen mit schlechtem Sehvermögen, zu verlegen, so Helene Zippel.

Im Stadtteil Niendorf Nord hingegen wurde schon viel getan. Hier setzte sich das bisher zuständige Gebietsmanagement  bereits 2013 mit der Behinderten-Arbeitsgemeinschaft zusammen und ging auf viele Verbesserungsvorschläge von Gudrun Kissler-Bode ein, die hier ehrenamtlich sehr aktiv ist. Als besonders lobenswert gilt der begradigte Weg im Park. Wohl kaum ein Sehender kann sich vorstellen, wie hinderlich Pflastersteine, schiefe Ebenen, Treppen und parkende Fahrräder vor Schaufenstern sein können, ist die Gruppe sich einig. Unebenheiten stören nicht nur Sehbehinderte, sondern sind auch ein Hindernis für Menschen mit Rollator.

Viermal im Jahr tagt die Behinderten-Arbeitsgemeinschaft mit Mareike Gärtner, zuständig für die integrierte Stadtteilentwicklung beim Fachamt für Stadt- und  Landschaftsplanung im Bezirksamt Eimsbüttel. „Wir hoffen, dass noch mehr auf unsere Bedürfnisse eingegangen wird!“. Gudrun Kissler-Bode, die selbst blind ist, weiß um die Belange der Sehbehinderten in Niendorf.  kn

 

Beratung für Sehbehinderte: Jeden 4. Do. 10.30 bis 12.30 Uhr mit Gudrun Kissler-Bode, Pflegestützpunkt, Kundenzentrum Lokstedt, Garstedter Weg 13.

BSVH-Stammtisch: Jeden 3. Do. 14.30  bis 16.30 Uhr in der Kursana Residenz, Ernst-Mittelbach-Ring 47, Niendorf Nord.

Info: Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V., www.bsvh.org Tel. 2094040

 

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