Viel Spaß am Nachmittag haben die Kinder vor allem bei so tollen Angeboten wie dem Trommelkurs in der Grundschule Frohmestraße Foto: Schule Frohmestraße

Personal und Raum bleiben Themen

Ganztagsbetreuung an den Schulen: Vielerorts fehlt es vor allem an ruhigen Rückzugsräumen für die Kinder

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Die Zahlen, die Hamburgs Schulsenator Anfang Januar zur Ganztagsbetreuung veröffentlichte, belegen eine positive Entwicklung. Doch die Behörde gibt auch Nachbesserungsbedarf zu.

 

Überrascht zeigten sich der Niendorfer Christian Martens und seine Mitstreiter von der Volksinitiative „Guter Ganztag für Hamburgs Kinder“ über den kurzfristigen Termin der Pressekonferenz von Bildungssenator Rabe. Immerhin hatten die Vertrauenspersonen der Interessengemeinschaft am gleichen Tag eine erste Anhörung im Schulausschuss und befürchteten, dass mit der Spontan-Bilanzierung einer konstruktiven Debatte der Wind aus dem Segel genommen werden soll.

Tatsächlich klingen die präsentierten Zahlen sehr gut. So lernen und spielen drei von vier Hamburger Kindern bis 16 Uhr in der Grundschule. Auch in Niendorf, Lokstedt und Schnelsen wird die Ganztagsbetreuung gut angenommen (wir berichteten). Doch vor allem bei den Themen Personal und Platz gibt es noch viel Kritik.

Vielerorts sind Klassenräume vormittags mit Unterricht und nachmittags mit der Betreuung doppelt belegt. „Besonders an unserer Schule mit Inklusionsschwerpunkt fehlt es an Rückzugsmöglichkeiten, wo die Kinder Ruhephasen erleben können“, so Schulleiterin Angelika Wiechel von der Schnelsener Schule Rönnkamp. Zwar wird gerade ein Anbau geplant. „Doch das wird die Beengtheit nur leicht entlasten und  an der Situation für die Kinder ändert sich kaum etwas.“ Trotzdem sei das Ganztagsangebot aber sehr erfolgreich. Und wenn die neue Kurssaison im Februar anläuft, gibt es wieder so tolle Angebote wie Holzwerkstatt, Imker- oder Inlineskating-Kurs.

Auch in der Schule Frohmestraße nutzen die Schüler begeistert die vielen Freizeitmöglichkeiten. So ist der Schulzoo heiß begehrt, auch Informatik für Kinder oder ein Trommel-Kurs steht auf dem Plan. Zwei Drittel der Schulkinder werden nachmittags betreut. „Und wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Lehrer-Erzieher-Teams gut harmonisieren“, so Pierre Brockmann, pädagogischer Leiter der Nachmittagsbetreuung. „Auch bei uns ist die Raumsituation nicht optimal, wird aber in unserem denkmalgeschützten Gebäude auch kaum änderbar sein“.

Anschließen möchte er sich der Forderung nach einem besseren Auskommen für die Erzieher. „Denn gut ausgebildete und motivierte Leute können nur gehalten werden, wenn Gehalt und Arbeitsstunden stimmen.“

Auch die Nachmittagsbetreuung an der Grundschule Sachsenweg wird gut angenommen. 170 von 230 Kindern bleiben nach dem Unterricht da: Sie essen gemeinsam zu Mittag, werden bei den Hausaufgaben betreut, spielen oder besuchen Kurse wie Laubsägearbeiten, Fußball mit St. Pauli, Chor oder Kochmützen.

Auch hier ist es eng

Doch auch hier bemängelt Schulleiter Carsten Lehmann: „Die Raumsituation ist nicht zufrieden stellend. Wir haben uns zwar mit der räumlichen Doppelnutzung arrangiert und können auf gute Ab- und Rücksprachen zwischen Lehrer und Erziehern bauen. Aber es fehlen Rückzugsorte.“ Um die Gruppen verkleinern zu können sei außerdem mehr Personal nötig.

Bereits auf einem guten Weg sind vielerorts die räumlichen Gegebenheiten beim Mittagessen. So haben zum Beispiel die Grundschulen Anna-Susanna-Stieg, Burgunderweg, Bindfeldweg, Moorflagen, Vizelinstraße und Frohmestraße   neue Mensen bekommen. „Doch die Qualität des Essens lässt oft zu wünschen übrig“, so Christian Martens. „Denn oft kommen matschige und schlecht aufgewärmte Gerichte auf den Tisch. Wir fordern von der Stadt die Einrichtung von mehr Frischküchen. Dass auch das finanziell machbar ist, zeigen einige positive Beispiele.“ moe

Initiative „Guter Ganztag“

 

Die Volksinitiative „Guter Ganztag für Hamburgs Kinder“ hat 15000 Unterschriften gesammelt, die ihre Forderungen unterstützen: mehr lärmgeschützte Räume und Flächen für die Kinder am Nachmittag, gesundes und frisches Essen, ein besserer Erzieher-Kind-Schlüssel, Gremium für bessere Zusammenarbeit an jeder Schule. Nun hat sich die Initiative vergangene Woche mit den Hamburger Regierungsfraktionen auf weitere Gesprächstermine geeinigt, um gemeinsam mit Experten über Details zu diskutieren. Sollte es keine einvernehmliche Umsetzung der Forderungen geben, wird die Initiative im Mai ein Volksbegehren beantragen.

 

 

Viel Spaß am Nachmittag haben die Kinder vor allem bei so tollen Angeboten wie dem Trommelkurs in der Grundschule Frohmestraße  Foto: Schule Frohmestraße

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