Bezirksamtsleiter Dr. Torsten Sevecke legt große Hoffnungen in die neue Bezirksentwicklungsplanung für Eimsbüttel Foto: cs

Die richtigen Fragen

Bezirksamtsleiter Dr. Torsten Sevecke über die Herausforderungen der Zukunft

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Ob Flüchtlingskrise, Wohnungsnot oder Verkehrskonzepte: „In der heutigen Zeit wollen die Menschen immer schnelle Antworten bekommen“, sagt Bezirksamtsleiter Dr. Torsten Sevecke. Dabei sei es viel wichtiger, die richtigen Fragen zu stellen. Redakteurin Christina Sluga sprach mit dem Verwaltungschef über die wichtigste des Jahres 2016: „Wie wollen wir zukünftig in Eimsbüttel gemeinsam leben?“

 

Niendorfer Wochenblatt: Herr Dr. Sevecke, das Jahr 2016 ist knapp einen Monat alt. Welche Herausforderungen bringt es für die nächsten Monate mit sich?

Dr. Torsten Sevecke: Wir als Bezirk haben uns eine ganz große Aufgabe auf die Fahne geschrieben: Wir wollen die Bezirksentwicklungsplanung, kurz BEP, für Eimsbüttel fortschreiben – und zwar bis ins Jahr 2040.

 

NW: Was hat es damit auf sich?

Sevecke: Mit der BEP wird die zukünftige Entwicklung des Bezirks nachhaltig und strategisch gestaltet. Sie hat allerdings nicht den Anspruch einer konkre-
ten Umsatzplanung, sondern sollte als eine Art Leitfaden betrachtet werden. Das Besondere ist, dass bei der Ausarbeitung Politik und Verwaltung sowie die verschiedensten gesellschaftlichen Akteure zusammenarbeiten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben wir etwa alle vier Jahre eine neue Fortschreibung vorgelegt. Dieses Mal nehmen wir einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren ins Visier.

 

NW: Warum das?

Sevecke: Damit kommen wir zur eigentlich größten Herausforderung der nächsten Zeit: der Flüchtlingsfrage. In den öffentlichen Unterbringungen Eimsbüttels leben derzeit rund 4000 Menschen. Einige davon werden uns wieder verlassen, aber ein Großteil wird bleiben und auch die Familien nachholen. Zudem werden noch viele weitere kommen. Dies wird eine große Herausforderung für uns, der wir uns gut vorbereitet stellen werden. Dazu gehört die Frage: „Wie wollen wir zukünftig gemeinsam leben?“.

 

NW: Eimsbüttel ist der kleinste Hamburger Bezirk mit der größten Bevölkerungsdichte. Besonders der Wohnungsbau dürfte vor diesem Hintergrund eine große Rolle spielen…

Sevecke: In den vergangenen fünf Jahren wurden in Eimsbüttel jedes Jahr zwischen 1000 und 1300 neue Wohnungen genehmigt. Doch zukünftig wird das nicht mehr reichen. Wo soll dieser Wohnraum entstehen? In Gewerbegebieten? Auf den Grünachsen? In heutigen Kleingartenkolonien?

 

NW: Ein derartiger Bevölkerungszuwachs stellt den Bezirk sicherlich vor viele Herausforderungen. Wie ist  es vor diesem Hintergrund um die Infrastruktur des Bezirks bestellt?

Sevecke: Mit der geplanten U-Bahnlinie 5 und der Verlängerung der S-Bahnlinie 21 von Eidelstedt bis Kaltenkirchen stehen gleich zwei Großprojekte des Öffentlichen Nahverkehrs an, die auch die Stadtteile Lok-stedt, Schnelsen und
Niendorf betreffen. Auch daraus werden neue Siedlungsimpulse für Eimsbüttel entstehen. Sind unsere Straßen dafür ausreichend ausgebaut? Muss dem Fahrradverkehr mehr Platz eingeräumt werden? Und wohin mit den ganzen Autos – besonders nachts? Sollen die Pkw oberirdisch oder vielleicht sogar unterirdisch abgestellt werden? Auf diese Fragen werden wir gemeinsam im BEP-Prozess Lösungen und Antworten finden.

 

NW: Die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht haben gezeigt, dass das Thema Integration ebenfalls neu überdacht werden muss.

Sevecke: In der Tat. War es zunächst die vordringlichste Aufgabe, die Flüchtlinge unterzubringen, steht jetzt die Frage der Integration im Vordergrund. Für Kinder müssen ausreichend Plätze in Kitas, Schulen und Fortbildungsmaßnahmen zur Verfügung stehen. Bei den Erwachsenen heißt das Stichwort der Eingliederung „Arbeit“. Wir müssen also auch darauf achten, dass genügend Gewerbegebiete ausgewiesen und nicht alle in Wohnraum umgewandelt werden. Wichtig ist außerdem, dass das Ganze stressfrei abläuft. Wir haben also auch da-rauf zu achten, dass auch in Zeiten der Wohnungsknappheit genügend Kleingarten- und Grün- und Sportanlagen zur Verfügung stehen, wo die Menschen sich erholen können. cs

 

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