Nach einem Regentag steht auf der Wiese an der Schmiedekoppel knietief das Wasser Foto: cs

1800 Plätze ab Januar

Es regt sich bereits Widerstand gegen die neue Flüchtlingsunterkunft

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Nun ist es amtlich: An der Niendorfer Schmiedekoppel wird die mit Abstand größte Flüchtlingsunterkunft des Bezirks gebaut.

 

1800 Schutzbedürftige sollen ab Januar 2016 in der neuen Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht werden – in unmittelbarer Nachbarschaft zu den bereits bestehenden Erstaufnahmen an der Niendorfer Straße (320 Plätze) und der Papenreye  (800 Plätze) sowie der geplanten Unterkunft am Hagendeel (538 Plätze).

„Dass es an dieser Stelle eine Ballung gibt, ist auch dem Bezirksamt bewusst und wir haben viel Verständnis für die daraus hervorgehenden Sorgen und Ängste der Anwohner“, sagt Bezirksamtsleiter Dr. Torsten Sevecke. Die Standortauswahl obliege allerdings der Innenbehörde, der Bezirk habe an dieser Stelle kein Mitspracherecht. „Gleichwohl müssen wir mit der Situation gemeinsam umgehen“, betont Sevecke.

So sieht es auch Pastorin Maren Gottsmann von „Wir für Niendorf“, die mit vielen ehrenamtlichen Helfern die Flüchtlingsarbeit im Viertel unterstützen. Für den heutigen Mittwoch hat die Initiative bereits einen Runden Tisch anberaumt, um das weitere Vorgehen zu planen.


ASB übernimmt Leitung

Als Betreiber der neuen Anlage wird der Arbeiter-Samariter- Bund (ASB) fungieren. „Nach den ersten Erfahrungen in der Papenreye ist der ASB nun gut vorbereitet, um eine weitere Einrichtung übernehmen zu können“, sagt  ASB-Sprecherin Petra Witt. Nach einem etwas holprigen Start seien in kürzester Zeit professionelle Strukturen aufgebaut worden, die nun auf die neue Einrichtung übertragen werden sollen.

 

Auf der Schmiedekoppel in Niendorf soll eine Flüchlingsunterkunft für 1800 Bewohner entstehen. Der Betreiber ASB erhält dabei auch Unterstützung von den Beamten des Polizeikommissariats 24. „Allerdings haben wir bislang keinen Kriminalitätsanstieg im Bereich der Flüchtlingsunterkünfte zu verzeichnen“, berichtet dessen stellvertretender Leiter Ralph Poluda. Weder in den Unterbringungen an der Niendorfer Straße und der Papenreye noch im näheren Umfeld hätte es nennenswerte Einsätze gegeben. „Beide sind aus polizeilicher Sicht absolut unauffällig.“


Wo soll das Wasser hin?

Nichtsdestotrotz: Unter den Anwohnern rund um die Schmiedekoppel regt sich bereits erster Widerstand gegen das Projekt. Im Gespräch mit dem Niendorfer Wochenblatt wird deutlich: Viele Bürger trauern schon jetzt der naturbelassenen Wiese an der Schmiedekoppel hinterher, wo im Sommer die Kinder durchs hohe Gras streifen und im Winter das Schlittschuhfahren lernen. Hauptkritikpunkt ist jedoch ein anderer. Es werde schwer sein, eine solche Ghettoisierung hinzunehmen, heißt es aus der Nachbarschaft. Und damit nicht genug: Die Anwohner sorgen sich außerdem um ihre Grundstücke. Denn auch wenn sich die Schmiedekoppel nicht in einem ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet befindet, so steht dort doch nach einem Regentag  regelmäßig knietief das Wasser. „Wie soll die Wiese, die ständig überschwemmt ist, bebaubar gemacht werden?“ Und, mit Blick auf die geplante Flüchtlingsunterkunft am Hagendeel: „Welche Auswirkungen haben Aufschüttungen oder Versiegelungen auf die angrenzenden Grundstücke?“ Fragen wie diese treiben die Menschen dort um. Eine Antwort blieb der Zentrale Koordinierungsstab Flüchtlinge bis Redaktionsschluss schuldig. Das Niendorfer Wochenblatt wird daher in einer seiner nächsten Ausgaben erneut darüber berichten. cs

 

 

Info-Veranstaltung

 

Für Montag, 7. Dezember, lädt das Bezirksamt Eimsbüttel Anwohner zu einer Info-Veranstaltung in die Aula der Anna-Warburg- Schule, Niendorfer Marktplatz 7a, in Niendorf ein. Auch Vertreter des Zentralen Koordinierungsstabs Flüchtlinge und des ASB stehen dann für Fragen zur Verfügung. Beginn der Veranstaltung ist um 18 Uhr.

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