Eine hohe Einsatzbereitschaft

Flüchtling Omed Afshar macht ein Handwerkpraktikum in Niendorf

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„Ich bin begeistert von Omeds Einsatzbereitschaft und Eigeninitiative“, schwärmt Heiko Lembke von der Firma Opländer Haustechnik in Niendorf.  Seit einem Monat macht Omed Afshar aus Afghanistan ein Praktikum bei dem Elektromonteur.

 

Als die Flüchtlingszahlen in Hamburg rapide anstiegen entschied sich die Geschäftsleitung im September, Flüchtlingen eine Chance zu geben: „Integration sollte eine Pflichtdisziplin für jeden Unternehmer sein“, findet Geschäftsführer Nick Zippel. „Ich sehe die Zuwanderung als große Chance, flüchtenden Menschen durch eine Perspektive im Job etwas davon wieder zu geben, was die Länder auf der Nordhalbkugel in den letzten Jahrzehnten an Rohstoffen abgesogen haben. Durch die Lieferung von Waffen wurde außerdem viel Leid in die Länder gebracht. Deutschland belegt weltweit Platz vier in dieser schlimmen Disziplin.“ Derzeit absolvieren vier Flüchtlinge ein Praktikum in Zippels Niendorfer Firma. „Auch eine junge Iranerin hatten wir schon im Betrieb“, erzählt Thomas Reif aus der Elektro-Abteilung. „Omed ist eine große Hilfe für mich“, so Heiko Lembke. „Ob er Steckdosen einzeichnen oder Lampen ausbauen soll, ich kann mich auf ihn verlassen. Er erfüllt alle Aufgaben sehr präzise.“

Keine Sprachbarrieren

Omed Afshar (30) flüchtete vor zwei Jahren aus Afghanistan. In Kabul hat er als Englischlehrer gearbeitet. „Dort habe ich schon ein Praktikum als Elektriker gemacht und auch im Iran verschiedene Handwerkstätigkeiten ausgeführt“, erzählt er. „Die deutschen Normen unterscheiden sich aber sehr von denen in anderen Ländern“, so Heiko Lembke. Sprachliche Barrieren seien kein Problem: „Omed spricht sehr gut Deutsch, Fachbegriffe sind schnell erlernbar. Er ist engagierter als einige Lehrlinge. Man merkt, dass wir hier alles haben und uns um nichts sorgen müssen.“ Heiko Lembke und Thomas Reif würden Omed Afshar gern als festen Kollegen gewinnen.

Ob er eine Ausbildung absolvieren kann, hängt aber auch von seinem Aufenthaltsstatus ab. „Die Innung bietet auch Elektrokurse für Migranten an mit dem Abschluss Elektrohelfer. Das wäre auch schon ein großer Schritt“, so Lembke. Bei der Suche nach einem Praktikumsplatz und der Bewerbung hat Omed Afshar seine Deutschlehrerin geholfen. „Fast alle Flüchtlinge haben sich direkt bei uns beworben“, so Thomas Reif. Die Bereitschaft im Hamburger Handwerk, Flüchtlinge als Praktikanten und Auszubildende einzustellen, ist nach Auskunft der Handwerkskammer groß: „Es herrscht aber Unsicherheit, unter welchen Voraussetzungen zum Beispiel Praktika angeboten werden können und wie man Kontakt zu passenden Flüchtlingen aufnehmen kann. Hier bedarf es verstärkter Aufklärung“, so Hjalmar Stemmann, Vizepräsident der Handwerkskammer Hamburg.   mf

 

 

Infos für Betriebe

 

Ausführliche Informationen für Betriebe, die Flüchtlingen ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz anbieten möchten gibt es bei der Handwerkskammer Hamburg unter www.hwk-hamburg.de/ausbildung/betriebe/ausbildung-von-fluechtlingen.html oder direkt bei Gesine Keßler-Mohr unter Tel. 359 054 56, gesine.kessler@hwk-hamburg.de

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