So erlebten sie den Terror von Paris

Der Niendorfer Niklas Riehm und der Schnelsener Carsten Ovens waren während der Anschläge im Stade de France

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Freitag, 13. November 2015. Kurz nach 21 Uhr wird Paris von einer beispiellosen Welle des Terrors überrollt. Bei den schlimmsten Anschlägen in der Geschichte Frankreichs sterben mehr als 120 Menschen, Hunderte werden zum Teil schwer verletzt. Die erste Explosion ereignet sich in unmittelbarer Nähe zum Stade de France, wo die Deutsche Nationalmannschaft ein Testspiel gegen die Equipe Tricolore absolviert. Unter den 80 000 Zuschauern sind auch der Lokstedter Bürgerschaftsabgeordnete Carsten Ovens (CDU) sowie der Niendorfer Niklas Riehm, der unweit des Montmartre die deutsche Kneipe „Le Kiez“ betreibt. Redakteurin Christina Sluga hat mit beiden über die Ereignisse der Nacht gesprochen.

 

 

„Wir verstecken uns nicht und lassen uns nicht unterkriegen!" 


Niklas Riehm im Interview

 

Niendorfer Wochenblatt: Herr Riehm, die Explosionen waren im Stadion deutlich zu hören. Hatten Sie Angst?

Niklas Riehm: Ehrlich gesagt nein. Dass eigentlich auch ein Attentat im Stadion geplant war und wir alle in Lebensgefahr schwebten, habe ich erst am Tag danach realisiert. Als wir die Arena verließen, gab es davor eine Art Massenpanik, tausende Leute schrien hysterisch durcheinander. Da war klar: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht.

 

NW: Sie leben seit neun Jahren in Paris, haben viele Freunde und Bekannte. Haben Sie bei den Attentaten einen Menschen verloren?

Riehm: Gott sei Dank, nein. Ein Freund von mir war bei dem Konzert der „Eagles of Death Metal“ in der Konzerthalle Bataclan, wo 89 Menschen brutal hingerichtet wurden. Aber er hat überlebt.

 

NW: Wie reagieren die Pariser darauf, dass sie erneut zur Zielscheibe des Terrors wurden. Was ist Ihr Gefühl?

Riehm: Wir lassen uns nicht unterkriegen, verstecken uns nicht. Leben. Die Bars und Cafés sind voll, auf den Tischen stehen Wein und Baguette. Die Leute gehen aus – und das ist gut so. Auch wenn natürlich eine große Bedrücktheit zu spüren ist, die noch lange nachhallen wird.

 

NW: Und Sie persönlich? Werden Sie sich anders verhalten? Vorsichtiger?

Riehm: Nein, im Gegenteil. Ich bin stolz, weiterhin in dieser wunderschönen Stadt sein und arbeiten zu dürfen. Unsere Kneipe „Le Kiez“ hatte die vergangenen Tage durchgehend geöffnet. Ich werde rausgehen und das Leben weiterhin in vollen Zügen genießen.

 

 

„Das war ein feiger Anschlag auf die Zivilgesellschaft!"

 

Carsten Ovens im Interview

 

Niendorfer Wochenblatt: Wie haben Sie von den Anschlägen erfahren?

Carsten Ovens: Erst nach dem Fußballspiel. Im Stadion war, wie so häufig bei Großveranstaltungen, kein Handyempfang. Es gab auch keine Durchsagen oder Ähnliches. Im Stadion hörte man die Detonationen, hielt sie aber zuerst für Pyrotechnik. Nach der zweiten Detonation liefen einige Sicherheitskräfte zu einem der Eingänge, in der Halbzeit wurden plötzlich einige Tore verschlossen.

 

NW: Was haben Sie in dem Moment gedacht?

Ovens: An vieles, aber sicher nicht an Selbstmordattentäter bei einem Fußballspiel. Kaum aus dem Stadion, erreichten mich allerdings viele besorgte Nachrichten aus der Heimat und ich konnte Gott sei Dank direkt antworten. In dem Moment realisierten auch andere Besucher die Terroranschläge. Mit schnellen Schritten liefen wir alle gen Metro, die kurz danach gesperrt wurde.

 

NW: Wie haben Sie die Stimmung am nächsten Tag empfunden?

Ovens: Sehr bedrückend. Das öffentliche Leben ruhte größtenteils. Die Regierung hatte aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Die meisten Geschäfte und Sehenswürdigkeiten hatten geschlossen, die Polizei patrouillierte überall, das Militär hielt vor zentralen Einrichtungen Wache.

 

NW: Wie bewerten Sie die Ereignisse des vergangenen Wochenendes?

Ovens: Es ist grausam, was in Paris passiert ist – ein feiger Anschlag auf die Zivilgesellschaft, unsere Freiheit, und unsere Werte. Unsere Länder sind eng verbunden, politisch auf allen Ebenen, aber auch gesellschaftlich, wie beispielsweise durch die französische Schule in Lokstedt. 

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