Die Lokstedter Schülerinnen Kirsa Gunkel und Angelina Meinhardt (v.l.) wurden im Selbstversuch als Obdachlose verächtlich angesehen Foto: tif

Obdachlos für einen Tag

Zwei Schülerinnen erlebten Unerfreuliches

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Für ihr Schulprojekt setzten sich die Lokstedterinnen in der Innenstadt auf den Boden. Nicht nur Kälte und Hunger waren schwer zu ertragen.

 

Darf man für einen Tag das Leben als Gymnasiastin ohne Not mit dem einer Obdachlosen tauschen? Für zwei Oberstufenschülerinnen des Gymnasiums Corveystraße gehörte das sogar zum Unterricht. Im Rahmen ihres Service-Learning-Schulprojekts haben Kirsa Gunkel (17) und Angelina Meinhardt (18) sich intensiv mit dem Thema Obdachlosigkeit auseinandergesetzt. Service-Learning bedeutet, sich für andere zu engagieren und dabei etwas zu lernen.


Lange Vorarbeit

Die beiden Zwölftklässlerinnen recherchieren seit dem Beginn des elften Schuljahrs im Fach Politik, Gesellschaft, Wirtschaft (PGW) zu ihrem Thema. Kirsa und Angelina wollen etwas bewirken, indem sie auf die Situation von Obdachlosen aufmerksam machen. Dazu haben sie sich im Selbstversuch einen Tag lang in schäbigen Klamotten in die Hamburger Innenstadt gesetzt. Ihre Erfahrungen im kalten Oktober waren nicht erfreulich.


Je einen Euro hatten die beiden jungen Frauen in der Tasche, als sie morgens um sieben in der Mönckebergstraße ankamen. „In den Eingängen der Geschäfte schliefen überall noch Obdachlose, denen wollten wir ihre Plätze nicht streitig machen“, sagt Angelina. Darum setzten sie sich etwas abseits auf ihre mitgebrachte Matte.


Von oben herab

Als Passanten um die Uhrzeit waren ausschließlich Geschäftsleute in Anzügen unterwegs. „Die sahen entweder durch uns hindurch oder verächtlich von oben auf uns herab“, scheint es Kirsa. Als die Bedürftigen sich später an ihre Stammplätze zum Schnorren verteilten, zogen die Schülerinnen noch einmal um an einen entlegeneren Ort.

Bald machte sich der Hunger bemerkbar und der Euro wurde in Pommes investiert. Die Kälte war schwer zu ertragen. „Am schlimmsten ist, dass man die ganze Zeit in der Öffentlichkeit ist“ sagt Angelina. „Das wird immer schlimmer, man hat kein Ziel, fühlt sich nutzlos und gelangweilt“, ergänzt Kirsa.

Vor rund einem Jahr haben die beiden eine Innenstadtführung der Straßenzeitung Hinz&Kunzt besucht. Dabei zeigten ehemalige Wohnungslose die Orte rund um den Hauptbahnhof, wo man sich aufwärmen kann, etwas zu essen bekommt oder seine Sachen einschließen kann. Kirsa und Angelina wollen jetzt ihr Projekt und ihre Erfahrungen den Mitschülern aller Jahrgänge vorstellen. tif

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